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Mobilitäts-Event im Amplifier Berlin: „Visions For Urban Mobility“

Am 11. Mai hatte das „Mobility Institute Berlin“ zu einer Veranstaltung geladen, um über Visionen für die urbane Mobilität von morgen zu sprechen. Auch Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch nahm am Event teil. 

Nur eine von vielen, neuen Mobilitätsformen, die in den Städten der Gegenwart und Zukunft präsent sind: Das E-Auto.

 

© Fotos: Mobility Institute Berlin / Celine Hellriegel
Text: Celine Hellriegel

 

Das Mobility Institute Berlin („MIB“) hatte am Mittwoch, den 11. Mai 2022, zum exklusiven Event zum Thema Visionen für die Verkehrswende eingeladen, auch wir waren vor Ort. Rund 120 geladene Gäste aus der Nahverkehrsbranche und der Politik, sowie ausgewählte Innovationstreiberinnen und Innovationstreiber aus dem Mobilitätssektor hatten im Rahmen des Events die Möglichkeit, den Handlungsleitfaden des MIB näher kennenzulernen.

Begleitet wurde die Präsentation von einer spannenden Podiumsdiskussion, an der unter anderem Berlins Verkehrssenatorin und Abgeordnete der Grünen, Bettina Jarasch, teilnahm. Zum Ende ergab sich noch Raum zum Austausch mit anderen Vordenkerinnen und Vordenkern der Mobilitätsbranche.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer Begrüßungsrunde auf dem Podium von den Geschäftsführern und Gastgebern vom Mobility Institute Berlin Torben Greve und Dr. Jörn Richert, sowie der Moderatorin des Abends, Totinia Hörner.

Das „MIB“ entwickelt zukunftsfähige Konzepte für den urbanen Nahverkehr

Torben Greve, der zu vor 2011 die MeinFernbus GmbH gegründet hatte und damit den europäischen Fernverkehrsmarkt revolutionierte, gründete das Mobility Institute Berlin im Jahr 2018. Mit ihren Sitzen in Berlin und Madrid ist das MIB vor allem beratend für die Mobilitätswende tätig und entwickelt zusammen mit ihren Kunden Visionen für die Mobilität der Zukunft sowie Konzepte für einen starken Öffentlichen Nahverkehr.

Im Rahmen der Begrüßung und einleitend zum Thema wurden Vorreiterstädte wie Kopenhagen und Barcelona erwähnt und persönliche Erlebnisse und Wahrnehmungen von positiven, urbanen Mobilitätsumsetzungen beschrieben.

Mit Visionen die Mobilitätswende gestalten

Der Handlungsleitfaden der Studie des Mobility Institute Berlin sieht Visionen als ein wichtiges Werkzeug an – als sogenanntes „Governance-Tool“ – um die Verkehrswende in Gang zu bringen. Denn Visionen wirken, so Dr. Jörn Richert, aus folgenden Gründen erfolgreich: Sie vereinen Stakeholder hinter einem gemeinsamen Ziel (Ausrichtung), sie fokussieren Aufmerksamkeit und Ressourcen (Fokus) und sie geben gleichzeitig Halt in unsicheren Situationen (Resilienz).

Im Rahmen ihrer Untersuchung haben sie mit über 60 Visionsentwicklerinnen und -entwicklern auf der ganzen Welt gesprochen. Der Klimawandel ist einer der Haupttreiber für die angestrebte Mobilitätswende, denn Innenstädte kämpfen weltweit mit heißen Sommertemperaturen und schlechter Luftqualität. Hinzu kommt in der aktuellen Situation auch der Krieg in der Ukraine und der Wunsch vieler Menschen, sich endlich unabhängig von russischen Ressourcen zu machen – also von fossilen Brennstoffen.

Podiumsdiskussion mit Verkehrssenatorin Bettina Jarasch

Was bedeutet Verkehrswende? Auch diese Frage stellten sich die vier Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion, darunter Torben Greve, Henrik Falk (CEO Hamburger Hochbahn), Dr. Martin Schreiner (Leiter Strategie Mobilitätsreferat München) und Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch.

Im Prinzip waren sich bei einer Frage alle einig – Verkehrswende bedeutet: Weg von den privaten PKWs, weg von Parkplätzen, weg von Verbrennungsmotoren. Die Neuordnung des Straßenraums findet auch in Berlin längst in allen Bezirken statt.

Im Beitrag „Wem gehört die Straße? Das Ringen um öffentlichen Verkehrsraum“ haben wir dieses Thema schon einmal näher beleuchtet, und drei aktuelle Beispiele in unterschiedlichen Kiezen aus Mitte, Kreuzberg und Schöneberg beleuchtet. Visionen, wie das Wegfallen von Parkplätzen und den Ausbau von Radwegen, wurden hier zum Teil bereits umgesetzt.

Vorreiterstädte wie Amsterdam und Paris als Vorbilder für Berlin

In der Podiumsdiskussion wurde im Detail immer wieder auf die Vorreiterstädte in Sachen Urban Mobility gedeutet. Wie wurden dort Strategien und Visionen umgesetzt und welche neu gewonnene Lebensqualität wurde erreicht.

Amsterdam hat in den letzten Jahren gewaltige Schritte gewagt und verfügt nun über verkehrsberuhigte Straßen und Radwege, die insbesondere Pendlerinnen und Pendler aus dem Stadtrand und Umland zum Radfahren motivieren. Die Niederlande verfügen insgesamt über ein 400 Kilometer langes Netz aus Radschnellwegen, und mehr als die Hälfte der Amsterdamer Bevölkerung nutzt bereits heute täglich das Fahrrad (rund 58 Prozent).

Kopenhagen: 70 Prozent aller Wege sollen unmotorisiert werden

Als weitere „Vorzeigestadt“ wurde Kopenhagen genannt. Die dänische Hauptstadt verfolgt die Vision, dass 70 Prozent der Wege, die in der Stadt starten oder enden,  unmotorisiert oder zumindest mit dem öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt werden sollen.

Parkplätze sollen für mehr Freiraum weichen, damit soll automatisch auch die Attraktivität des Autoverkehrs sinken. Auch ein umgestelltes Ampelsystem, welches an den Richtwert der Fahrradgeschwindigkeit von durchschnittlich 20 km/h angepasst ist, bestimmt bereits heute die Stadt Kopenhagen. Und seit 2021 werden nur noch elektrisch angetriebene Busse angeschafft. Es gibt mittlerweile auch schon Experimente mit Wasserstoffantrieben.

Paris: Das 15-Minuten-Konzept

Ebenfalls oft erwähnt wurde das Pariser Beispiel des 15-Minuten-Konzepts. Kern dieses Verkehrskonzepts ist es, dass alle Menschen in einem Stadtquartier innerhalb von nur 15 Minuten alle Einrichtungen des täglichen Bedarfs per Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen können sollen, was einer Entfernung von ein bis vier Kilometern entspricht.

Durch die Teilnahme von Bettina Jarasch (Berlin), Henrik Falk (Hamburg) und Dr. Martin Schreiner (München) bekamen die Gäste einen guten Überblick darüber, wie unterschiedlich doch die Umsetzungen der durchaus ähnlichen Visionen für die Verkehrswende in deutschen Großstädten sein können.

Wie können Visionen die Mobilitätswende in Deutschland voranbringen?

Ein entscheidender Faktor ist dabei, dass über Verkehrsangelegenheiten meist auf Landes- oder Bundesebene bestimmt bzw. entschieden wird. Das bedeutet, dass Hamburg und Berlin es als Stadtstaaten leichter haben, gewisse Umsetzungsstrategien auf den Weg zu bringen. Die Stadt München, die an die Landespolitik des Freistaats Bayern geknüpft ist, ist hier deutlich weniger frei.

Die Visionen für die Mobilitätswende waren unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschiedlich, wenn auch im Ziel gleich. Während Henrik Falk, CEO Hamburger Hochbahn, autonomes Fahren in der Zukunft als ausgesprochen wichtig ansieht und die Vision verfolgt, dass jeder Mensch zu jeder Zeit innerhalb von fünf Minuten Zugriff auf ein Verkehrsmittel seiner Wahl bekommt, ist die Vision von Torben Greve vor allem, dass der Zugriff auf Mobilität völlig unabhängig vom persönlichen Einkommen der Menschen möglich sein muss.

Mobilitätsversion für Berlin: Höhere Taktung im ÖPNV

Bettina Jarasch führte einige der Mobility Visionen für Berlin aus. Dazu gehört eine weitere Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. Dieser soll ausgeweitet und die Taktungen insgesamt deutlich verdichtet werden. Wichtig für die Umsetzung dessen sei es, die äußeren Stadtbezirke und die Brandenburger Siedlungsgebiete zu berücksichtigen – denn von dort kommen die meisten Pendlerinnen und Pendler.

Ein weiterer Kritikpunkt, so Jarasch, sei die auf veraltete oder aktuelle Daten aufbauende Verkehrsplanung. Zukünftige Bauprojekte wie Brücken oder Straßen werden im 21. Jahrhundert noch immer mit den Ambitionen einer Autostadt aus dem 20. Jahrhundert geplant und gebaut. Die Visionen der Mobilitätswende stehe diesen Plänen konträr gegenüber und erfordere ein Neudenken in der Verkehrsplanung.

Berlin als grüne Vorreiterstadt?

Berlin ist durch seine verschiedenen Kieze und deren individuellen Eigenschaften sehr besonders und unterscheidet sich dahingehend von den meisten anderen, europäischen Großstädten. Umso wichtiger ist es, dass Zukunftsvisionen der Mobilität differenziert gesondert aus den Kiezen heraus entstehen und entwickelt werden.

Ein einheitliches Konzept für den gesamten Berliner Stadtraum zu entwerfen, macht aus Sicht von Bettina Jarasch daher wenig Sinn. Vielmehr müssten die lokalen Voraussetzungen stärker berücksichtigt werden – und demnach auch das Mitspracherecht der Bezirke.

Veröffentlicht wird die Studie „Visions for Urban Mobility“ des Mobility Institute Berlin am 1. Juni 2022 und ist auf der offiziellen Homepage des Instituts einsehbar!

 

Weitere Bilder zur Veranstaltung findet Ihr hier: 

Zu den Gästen der Veranstaltung zählte auch Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch von den Grünen.

 

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