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Die Stadt, die immer wird und niemals ist: Berlin wird niemals aufhören, sich fortwährend neu zu erfinden. Darüber berichten wir jeden Tag neu.

Serie: Berlins Luftschlösser, Teil 1: Die “Olympiahalle 2000” in Mitte

Rund 50.000 sportbegeisterte Berliner*innen hatten sich am Abend des 23. September 1993 auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor versammelt, um die Entscheidung über die Vergabe der Olympischen Spiele des Jahres 2000 live mitzuverfolgen.

In Berlin war die Idee einer grenzübergreifenden, gemeinsamen Olympia-Bewerbung bereits Anfang der 80er Jahre aufgekommen, allerdings nur im damaligen Westteil der Stadt. Auf Ost-Berliner Seite fand die Idee erst Anklang, als die Mauer gefallen und das Land sowie die Stadt Berlin wiedervereint waren.

Idee einer Berliner Olympiabewerbung seit Anfang der 80er Jahre

Und tatsächlich, Berlin bewarb sich um die Spiele und rechnete sich hervorragende Chancen aus. Das Olympiastadion sollte für die Spiele renoviert und modernisiert werden, weitere Sportstätten sollten neu entstehen – wie etwa ein Velodrom, eine Schwimmhalle, eine kleinere  Mehrzweckarena und – als Glanzstück der Bewerbung – eine Sportarena für 15.000 bis 20.000 Zuschauer.

Diese Halle sollte nach dem Willen der Planer dort entstehen, wo Anfang der 90er Jahre noch das Stadion der Weltjugend stand. Die 1950 im Ostteil der Stadt als Walter-Ulbricht-Stadion eröffnete Sportstätte wurde als Austragungsort für diverse Leichtathletik-Wettkämpfe, politische Großveranstaltungen oder Fußballspiele genutzt.

Die Halle sollte auf dem Gelände des Stadions der Weltjugend entstehen

Das Stadion befand sich im westlichen Teil des damaligen Stadtbezirks Mitte auf dem früheren Gelände des Polizeistadions. Es grenzte im Osten an die Chausseestraße, im Süden an die Habersaathstraße sowie im Norden und Westen an Wohngebiete entlang der Scharnhorst- bzw. Boyenstraße. Auf diesem Areal sollte die “Olympiahalle 2000” genannte Sportarena also gebaut werden.

Daher wurden schnell Tatsachen geschaffen: Von Juli bis September 1992 erfolgte der Abriss des Stadions und die Einebnung des Geländes. Ein deutsch-schwedisches Konsortium (DG Immobilien/SIAB/Pan) sollte die zukünftige Arena errichten – und zwar auch im Falle einer Niederlage beim Wettstreit um die Ausrichtung der Olympischen Spiele.

Berlin ging leer aus, Gewinner war Sydney

Die entwickelten Entwürfe für das Areal waren durchaus ansehnlich und hätten das Areal an der Schwartzkopffstraße völlig neu dimensioniert. Dazu kam es jedoch nicht, da Berlin den Zuschlag am Abend des 23. Septembers 1993 nicht erhielt, sondern Sydney.

Und nicht nur das: Die Berliner Bewerbung war geradezu abgestraft worden. Nur neun Stimmen hatte die Stadt bei der Abstimmung in Monte Carlo erhalten (Sydney gewann mit 45 Stimmen vor dem zweitplatzierten Peking, 43 Stimmen). Bereits im zweiten Wahlgang war Berlin aus dem Rennen ausgeschieden.

In der Stadt gab es keine Olympia-Euphorie

Schon während der laufenden Bewerbung war deutlich geworden, dass die Stimmung in der Stadt wenig Olympia-euphorisch war und die Begeisterung für die Spiele nicht entfacht werden konnte. Zu groß war der Stress durch den schwierigen Wiedervereinigungsprozess und die daraus folgenden sozialen Verwerfungen wie Wohnungsnot und Massenarbeitslosigkeit.

Zudem gab es in den Medien wilde Spekulationen über Korruption und persönliche Bereicherungen der Olympia-Delegation unter Führung des umstrittenen Politikers und Managers Axel Nawrocki. Ein wenig hat Berlin aber dennoch profitiert, da die geplante Schwimmhalle, das Velodrom und auch die Max-Schmeling-Halle trotz gescheiterter Bewerbung dennoch gebaut wurden.

Velodrom, Schwimmhalle und Max-Schmeling-Halle wurden dennoch gebaut

Das Projekt “Olympiahalle 2000” jedoch wurde nach der Entscheidung des IOC schnell verworfen, das Areal lag ab 1993 für viele Jahre brach. In dieser Zeit wurde es für verschiedene Zwecke genutzt, etwa als Golfanlage oder als Areal für Beachvolleyball und Mountainbiker.

Im Oktober 2006 begann dann der Bau der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes nach Plänen des Büros Kleihues + Kleihues. Die Sportarena wurde schließlich trotzdem gebaut, aber an anderer Stelle. Zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße wurde zwischen September 2006 und September 2008 eine Multifunktions-Arena für bis zu 17.000 Zuschauer errichtet.

Mit jährlich rund 1,3 Millionen Besuchern gehört die heutige “Mercedes-Benz-Arena” zu den am besten ausgelasteten Sport- und Eventlocations weltweit.

Mehr zum Areal rund um die Mercedes-Benz-Arena findet Ihr hier.
Weitere – auch umgesetzte – Projekte in Mitte gibt es hier.

Das Thema stammt aus dem Buch “Luftschlösser – Berlins unvollendete Bauten” von Andreas Hoffmann. Hier sind weitere, nicht vollendete Projekte aufgeführt.

Das Buch könnt Ihr hier erwerben.

Entwurf von Lohan Associates und Albert Speer + Partner

Entwurf von Toni Sachs + Pfeiffer

Heute Heimat des Bundesnachrichtendienstes, bis 1992 Gelände des “Stadions der Weltjugend”: Auf diesem Areal sollte die “Olympiahalle 2000” entstehen.

 

 

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