entwicklungsstadt berlin

Die Stadt, die immer wird und niemals ist: Berlin wird niemals aufhören, sich fortwährend neu zu erfinden. Darüber berichten wir jeden Tag neu.

Wedding: Ungewisse Zukunft für die denkmalgeschützten Uferhallen

Unweit des kleinen Flüsschens Panke befinden sich im Herzen des Stadtteils Wedding die denkmalgeschützten Uferhallen. Das einstige Industrieareal wird seit vielen Jahren von einer aktiven Künstlerszene als Atelierraum und Veranstaltungsareal genutzt.

Das Gelände umfasst insgesamt 19.000 Quadratmeter und bietet den dort tätigen Künstlern ideale Bedingungen – und vor allem bezahlbare Mietpreise für ihre Gestaltungsräume.

Uferhallen werden heute von einer aktiven Künstlerszene genutzt

Ob diese Mieten auch zukünftig noch Bestand haben werden, ist derzeit jedoch offen. 95 Prozent der Uferhallen AG fielen 2017 in die Hände einer Gruppe von Privatinvestoren. Hinter dem neuen  Eigentümer, dem Immobilienunternehmen “Augustus Capital”, stehen die Samwer-Brüder, bekannt als Gründer von Rocket Internet und Anteilseigner von Zalando.

Seitdem diese Information durchgedrungen ist, geht in den Weddinger Uferhallen die Angst vor Verdrängung um. Denn es hat sich längst herumgesprochen, wie die Brüder Samwer bei der Modernisierung ihrer Immobilien vorgehen – nämlich wenig rücksichtsvoll.

Angst vor Gentrifizierung geht um

Eines von vielen Beispielen ist der derzeit laufende Umbau des Hauses der Gesunheit an der Karl-Marx-Allee in Mitte. Auch hier haben die Samwer-Brüder eine Immobilie erworben und die dort ansässigen Ärzte weitgehend aus dem 1913 erbauten Gebäude verdrängt.

Denn die neuen Eigentümer haben ganz andere Pläne mit dem einstigen Ärztehaus. Sie planen den Rückbau des Bestands-Dachgeschosses und den anschließenden Bau einer zweigeschossigen Dachaufstockung. Für das Erdgeschoss sind Gastronomie und eine Apotheke geplant, auch Start-ups und ein Fitnessstudio sollen zukünftig einziehen.

Pläne der neuen Eigentümer werden kritisch betrachtet

Die Brüder sind auf dem Immobilienmarkt seit einigen Jahren ausgesprochen umtriebig. Industriedenkmäler wie das ehemalige Druckhaus des Ullstein Verlags haben sie ebenso erworben wie Altbauten in Friedrichshain und Neukölln oder, wie oben erwähnt, Ärztehäuser in Charlottenburg und Mitte.

2016 kauften die Samwers für 53 Millionen Euro auch drei historische Berliner Postämter. Ihr Ziel ist es häufig, aus den in die Jahre gekommenen Immobilien effiziente, attraktive Immobilienobjekte zu entwickeln.

Pläne für die Uferhallen: Wohnungen, Büros, Gastronomie

Auch im Wedding soll der Status Quo der Uferhallen nicht erhalten werden. Das gesamte Gelände soll entwickelt und in seiner Nutzung deutlich vielfältiger werden. Nach Willen der neuen Eigentümer sollen auf dem Gelände neue Wohnungen, Büros und ein Restaurant entstehen.

Felix Fessard, der das Entwicklungsprojekt vor Ort leitet, begründet diesen Plan damit, dass diese Erweiterungen die niedrigen Mieten für die heute ansässigen Künstler finanzieren sollen. In der ortsansässigen Künstlerszene ist man jedoch skeptisch, ob dieses kommunizierte Konzept später wirklich der praktischen Umsetzung entsprechen wird.

Zukunft der Künstlerszene ist offen

Die in den Uferhallen beheimateten Künstler fürchten die Verdrängung und haben bereits mehrfach mit Kunstaktionen und Veranstaltungen auf ihre Situation sowie ihre Befürchtungen hingewiesen – Corona-bedingt zuletzt sogar digital.

Wie die Entwicklung des Areals und die Zukunft der Weddinger Künstlerszene aussehen wird, lässt sich derzeit nur schwer sagen. Aus Sicht der ansässigen Kreativ-Community bleibt zu hoffen, dass die Zusagen der neuen Eigentümer – Weiterentwicklung des Areals zur Sicherung der heutigen Mietpreise – keine leeren Versprechen bleiben.

Weitere Projekte im Wedding könnt Ihr hier finden.

 

Bezahlbarer Raum für Kunst: Die denkmalgeschützten Uferhallen im Stadtteil Wedding

 

Not far from the small river Panke, in the heart of the Wedding district, are the Uferhallen, a listed building. The former industrial site has been used for many years by an active artist scene as studio space and event area.

The site covers a total of 19,000 square meters and offers the artists working there ideal conditions – and above all affordable rents for their creative spaces.

UFERHALLEN ARE USED TODAY BY AN ACTIVE ARTISTS’ SCENE

Whether these rents will continue in the future, however, is currently an open question. 95 percent of Uferhallen AG fell into the hands of a group of private investors in 2017. Behind the new owner, the real estate company “Augustus Capital,” are the Samwer brothers, known as the founders of Rocket Internet and shareholders of Zalando.

Since this information leaked out, the fear of displacement has been going around in the Weddinger Uferhallen. Word has long since spread about the Samwer brothers’ lack of consideration when it comes to modernizing their properties.

FEAR OF GENTRIFICATION IS RIFE

One of many examples is the current renovation of the Haus der Gesunheit on Karl-Marx-Allee in Mitte. Here, too, the Samwer brothers have acquired a property and largely forced the doctors who lived there out of the building, which was built in 1913.

The new owners have completely different plans for the former medical center. They plan to demolish the existing attic and then build a two-story attic addition. Gastronomy and a pharmacy are planned for the first floor, and start-ups and a fitness studio are also to move in in the future.

PLANS OF THE NEW OWNERS ARE VIEWED CRITICALLY

The brothers have been extremely active on the real estate market for several years. They have acquired industrial monuments such as the former printing house of the Ullstein publishing house as well as old buildings in Friedrichshain and Neukölln or, as mentioned above, medical centers in Charlottenburg and Mitte.

In 2016, the Samwers also bought three historic Berlin post offices for 53 million euros. Their goal is often to develop efficient, attractive real estate properties from aging properties.

PLANS FOR THE UFERHALLEN: APARTMENTS, OFFICES, GASTRONOMY

In Wedding, too, the status quo of the Uferhallen is not to be maintained. The entire site is to be developed and its use made much more diverse. According to the new owners, new apartments, offices and a restaurant are to be built on the site.

Felix Fessard, who heads the development project on site, justifies this plan by saying that these expansions are intended to finance the low rents for the artists who currently reside there. However, the local artists’ scene is skeptical as to whether this communicated concept will really correspond to practical implementation later on.

FUTURE OF THE ARTISTS’ SCENE IS OPEN

The artists living in the Uferhallen fear displacement and have already pointed out their situation and their fears several times with art actions and events – most recently even digitally due to Corona.

It is currently difficult to say what the development of the area and the future of the Wedding artists’ scene will look like. From the point of view of the resident creative community, it is to be hoped that the promises of the new owners – further development of the area to secure the current rents – will not remain empty promises.

YOU CAN FIND MORE PROJECTS IN WEDDING HERE.

Quellen: ZEIT Online, Der Tagesspiegel, ENTWICKLUNGSSTADT

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

1 Kommentar

  1. Rodgers Juni 8, 2021

    Vergessen Sie bitte das Admiralspalast Theater nicht! Da reißen schon die Rahmen auseinander durch Erschütterungen verursacht durch den Umbau. Da entstehen Büros

Antworten

© 2021 entwicklungsstadt berlin

Thema von Anders Norén