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Wettbewerb für 70 Mietwohnungen am Humboldt Forum entschieden

Die Breite Straße in Berlin-Mitte soll verändert werden. Ein neues Wohn- und Geschäftsquartier soll in unmittelbarer Nähe zum Humboldt Forum entstehen, die WBM plant die Realisierung von geförderten Mietwohnungen. Nun wurde der Gestaltungswettbewerb für insgesamt fünf Gebäude entschieden – mit abwechslungsreich gestalteten Fassaden.

Keramik und runde Fenster für abwechslungsreiche Fassaden: An der Breiten Straße in Berlin-Mitte sollen bezahlbare Wohnungen entstehen, die architektonisch dennoch ansprechend gestaltet werden sollen. / © Visualisierung: Springer Architekten

© Visualisierung Titelbild: Bruno Fioretti Marquez Architekten
Text: Björn Leffler

 

In den kommenden Jahren soll nach Plänen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen in der Breiten Straße in Berlin-Mitte ein anspruchsvolles Ensemble aus Wohnungen, Gewerbeflächen und Künstlerateliers entstehen, um den Stadtraum nachhaltig zu verändern und vor allem zu beleben.

Rund 70 Wohnungen sollen Teil des Ensembles werden. Das Quartier wird in unmittelbarer Nähe zum Humboldt Forum entstehen. Besonders prachtvoll ist die Breite Straße heute allerdings nicht. Die Straße wird vor allem geprägt durch eine große, brachliegende Fläche, die sich gegenüber der heutigen Zentral- und Landesbibliothek befindet. Ein Umstand, der eine Entwicklung und Neuausrichtung des Standortes umso erforderlicher macht.

Quartier Breite Straße: Entwicklung läuft seit fast drei Jahren

Diese Entwicklung hatte vor nunmehr rund drei Jahren begonnen. Drei Planungsteams hatten in zwei Bearbeitungsphasen Ideen und Lösungen für das zukünftige Quartier erarbeitet, zudem wurde eine Online-Beteiligung für Bürgerinnen und Bürger durchgeführt.

Mittlerweile ist der Prozess weiter vorangekommen.
Im Dezember 2023 wurde ein nichtoffener Realisierungswettbewerb für die Bebauung zwischen Scharrenstraße und Neumannsgasse in angekündigt. In der vergangenen Woche wurde nun der Gestaltungswettbewerb für insgesamt fünf Häuser entschieden, die auf dem Areal errichtet werden sollen.

Berlin-Mitte: Wettbewerb für 5 neue Wohn- und Geschäftshäuser entschieden

Insgesamt drei Tage saß das Preisgericht zusammen und sichtete die eingereichten Entwürfe. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die WBM hatten durch eine europaweite Bekanntmachung Architektinnen und Architekten aufgefordert, sich für das bevorstehende Wettbewerbsverfahren in einem Teilnahmewettbewerb zu bewerben.

Aus insgesamt etwa 500 Teilnehmenden wurden im Frühjahr fünf verbleibende Büros ausgewählt, um konkrete Entwürfe für das Projekt zu erstellen. Die eingereichten Wettbewerbsentwürfe wurden nun gesichtet und entsprechend prämiert. Auf dem Gelände werden insgesamt fünf neue Häuser errichtet, in denen Wohnungen und Büros untergebracht werden sollen.

Mehrere Architekturbüros erhielten den Zuschlag für die Gestaltung der Gebäude

Siegreich waren nach Auskunft der Senatsverwaltung die Büros AFF Architekten, Bruno Fioretti Marquez Architekten und Springer Architekten, allesamt sesshaft in Berlin. Die Büros Springer Architekten und Bruno Fioretti Marquez Architekten dürfen jeweils zwei Gebäude gestalten, ein weiteres wird nach Plänen des Büros AFF Architekten realisiert.

Um die Gestaltung der landeseigenen Mietwohnungen im direkten Umfeld des Humboldt Forums hatte es im Vorfeld intensive Diskussionen gegeben. Eine Allianz Berliner Bürgervereine hatte sich im März 2024 an die Öffentlichkeit gewandt, um eine hochwertige Gestaltung des Quartiers an diesem historisch so bedeutenden Ort einzufordern.

Bürgervereine fordern hochwertige Fassadengestaltung in der Breiten Straße

Hintergrund ist wohl ein nur wenige Meter entfernt entstehendes Wohnprojekt, bei dem ebenfalls die WBM federführend war. Seit Ende 2022 ist die Fassade des Neubaus, die dem Mühlendamm zugewandt ist, sichtbar. Herausgekommen ist ein Gebäude, welches sich zwar in seiner Höhe an den umliegenden Gebäuden orientiert, ansonsten aber jegliche Bezüge zur stadtgeschichtlichen Bedeutung des Ortes vermissen lässt.

Doch eine hochwertige Fassadengestaltung war nicht die einzige Aufgabenstellung für die Architekturbüros. Ein wesentlicher Aspekt der Aufgabe war es nämlich, archäologische Funde vor Ort als Bestandteil eines zukünftigen „Archäologischen Pfades“ zu bewahren und in die künftige Nutzung zu integrieren.

Aufgabe: “Archäologischer Pfad” soll Teil des Ensembles werden

Die Erdgeschosse der Gebäude sollen zudem ansprechende gastronomische und Einzelhandelsangebote beherbergen. In den oberen Stockwerken sollen die preisgünstigen Mietwohnungen in verschiedenen Größen für verschiedene Bevölkerungsschichten entstehen, auch Gewerbeeinheiten sind hier geplant.

So soll ein gemischt genutztes Quartier auf historisch bedeutsamem Grund entstehen, welches jedoch nicht nur ein bestimmten Einkommensklasse vorbehalten bleiben soll – so wünscht es sich das Land Berlin, die daher das Projekt eben gemeinsam mit der landeseigenen WBM umsetzt.

Breite Straße: Vorläufer für künftige Gestaltung des Molkenmarkts?

Im Hinblick auf das noch deutlich bedeutsamere Neubauprojekt am Molkenmarkt ist der Wettbewerb an der Breiten Straße aus Sicht der landeseigenen Wohnungsbaukonzerne, die auch am Molkenmarkt einen großen Teil der Wohnungen gestalten sollen, wie eine Art Vorläufer zu betrachten, der belegen soll, dass hochwertige Fassadengestaltung auch für den Bau von bezahlbaren Mietwohnungen gelingen kann. Denn bezahlbarer Wohnraum soll ja auch am Molkenmarkt entstehen.

Der Planungsbereich an der Breiten Straße liegt im historischen Siedlungskern Berlin-Cöllns auf der Spreeinsel und ist in ein umfassendes Bebauungskonzept eingebunden. Das Neubauensemble soll das von Brüchen geprägte Umfeld beleben und den Straßenraum zwischen Humboldt Forum und Petriplatz aufwerten – so der Plan des Berliner Senats.

Die Farbe Grün wird die neuen Fassaden dominieren

Die nun prämierten Entwürfe setzen sich optisch tatsächlich deutlich vom oben beschriebenen WBM-Projekt auf der Fischerinsel ab. Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt zeigte sich zufrieden: “Dank des qualifizierten Wettbewerbsverfahrens ist es der neunköpfigen Jury gelungen die besten fünf Arbeiten für die Breite Straße, einen der prominentesten Orte in der Historischen Mitte Berlins, auszuwählen. Es ist beglückend zu erleben, wie für dieses Quartier bezahlbare Wohnungen, Raum für Kulturschaffende, attraktive Büro- und Gewerberäume und eine Integration von archäologischen Stätten auf den Weg gebracht werden konnten.

Bei der Gestaltung der neuen Gebäude wird die Farbe grün die neuen Fassaden dominieren, die in der Art ihrer Ausprägung und der Wahl der Materialien aber durchaus sehr unterschiedliche Ansätze verfolgen. So wird teilweise mit Lisenen, Stürzen und Fensterbändern gearbeitet, um eine ausgewogene Plastizität herzustellen.

Runde Fenster, Keramik und Rundbögen für abwechslungsreiche Fassade

Auch Keramik soll als Fassadenverkleidung zum Einsatz kommen. Um die Fassaden abwechslungsreich zu gestalten, werden unter anderem auch runde Fenster und Torbögen eingesetzt. Zudem werden im Innern des Quartiers die archäologischen Funde in repräsentativer Form zur Schau gestellt.

Gemäß den Richtlinien des Landes Berlin ist die WBM verpflichtet, 50 Prozent der neu errichteten Wohnungen zu Sozialmieten von 6,50 Euro pro Quadratmeter und Monat anzubieten, während die restlichen Wohnungen für weniger als zehn Euro pro Quadratmeter und Monat vermietet werden sollen. Baubeginn für das Projekt soll allerdings erst im zweiten Quartal 2027 sein.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

© Visualisierung: Springer Architekten

© Visualisierung: Springer Architekten

© Visualisierung: AFF Architekten

© Open Street Map

 

Quellen: AFF Architekten, Bruno Fioretti Marquez Architekten, Springer Architekten, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, WBM

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2 Kommentare

  1. Böhme Juli 11, 2024

    Architektonisch alles schon wieder völlig unbefriedigend. Weshalb kann Berlin nur “Schuhkartons” mit Schießscharten als Fenstern?!?

  2. Böhme Juli 11, 2024

    Und wie kann man in einer Stadt, die zu einem wesentlichen Teil graue Jahreszeit hat, nur solche farblosen und dunklen, alles erdrückenden Fassaden den Menschen zumuten. Man sollte den Architekten ihre Lizenz entziehen!

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