Nach einem kurzzeitigen politischen Stillstand nimmt die Neugestaltung des Louis-Braille-Platzes in Hamburg-Barmbek Fahrt auf. Geplant ist ein einladender, barrierearmer Stadtplatz mit viel Grün, Sitzgelegenheiten und Raum für neue Mobilitätsformen. Der Baubeginn ist für Sommer 2025 vorgesehen.

Der Louis-Braille-Platz soll nach einem kurzen Planungsstillstand nun umgestaltet und zu einem grünen, urbanen Aufenthaltsort weiterentwickelt werden. / © Foto: Wikimedia Commons, Claus-Joachim Dickow, CC BY-SA 3.0

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© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Bernhard Diener, CC BY-SA 4.0

Der Louis-Braille-Platz an der Hamburger Straße soll umfassend umgestaltet und zu einem urbanen Aufenthaltsort mit hoher Aufenthaltsqualität weiterentwickelt werden. Nach mehrjähriger Planung und intensiven Beteiligungsformaten stand das Vorhaben Anfang 2025 kurzzeitig auf der Kippe – ausgelöst durch einen Antrag der Bezirkskoalition aus SPD, CDU und FDP, der eine erneute Prüfung der bisherigen Planung verlangte.

Im Zentrum der Kritik standen insbesondere der Rückbau der Rönnhaidbrücke sowie die Anzahl geplanter Pkw-Stellplätze. Dieser kurzfristige Stopp löste breiten Protest aus – nicht zuletzt durch das Engagement des Stadtteilrats Barmbek-Süd. In der Folge wurde das Vorhaben überarbeitet und nun endgültig beschlossen.

Kompromiss nach Protest: Zwei Stellplätze statt sieben Fahrradbügel am Louis-Braille-Platz in Barmbek

Am 17. Februar 2025 tagte der Regionalausschuss Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg im Community Center Barmbek°Basch unter intensiver Beobachtung zahlreicher Bürgerinnen und Bürger. Die Verwaltung stellte dabei Anpassungen vor, die auf den Prüfauftrag der Koalition zurückgehen: Zwei zusätzliche Pkw-Stellplätze sollen an der Nebenstraße Holsteinischer Kamp entstehen. Dafür entfallen sieben zuvor geplante Fahrradbügel.

Dieser Kompromiss wurde von SPD, CDU und FDP als Verbesserung gewertet, obwohl er bei vielen Anwesenden für Unmut sorgte. Die Grünen, Linken und Volt stimmten gegen die Änderung. Dennoch wurde der Antrag mit der Mehrheit der Koalition beschlossen – inklusive der verbindlichen Zusage, die Umsetzung noch 2025 zu beginnen.

Ein grüner Platz mit hoher Aufenthaltsqualität: Diese Maßnahmen sind an der U-Bahn-Station Hamburger Straße geplant

Die eigentliche Planung bleibt in ihrer Grundausrichtung erhalten: Der Louis-Braille-Platz soll weitgehend entsiegelt und in einen nutzungsfreundlichen, begrünten Stadtraum verwandelt werden. Statt grauer Parkfläche werden künftig Bäume, Pflanzbeete, Sitzwangen und Tischtennisplatten das Bild prägen. Ziel ist es, einen Ort zum Verweilen, Spielen und Begegnen zu schaffen – direkt an der U-Bahn-Station Hamburger Straße.

Insgesamt sinkt die Zahl der Parkplätze von 50 auf 21. Gleichzeitig steigt das Angebot an Fahrradabstellplätzen deutlich: 94 neue Stellplätze für Fahrräder sowie zusätzliche Anlehnbügel für Lastenräder sind vorgesehen. Auch die Einrichtung barrierefreier Parkmöglichkeiten gehört zur überarbeiteten Planung.

Nach drohender Gefährdung der Finanzierung: Zivilgesellschaftliche Einflussnahme zeigt Wirkung

Die kurzfristige Blockade des Projekts durch die Bezirkskoalition rief den Stadtteilrat Barmbek-Süd auf den Plan. In einer Stellungnahme forderten dessen Vertreterinnen und Vertreter, das Projekt wie ursprünglich beschlossen umzusetzen und keine weitere Verzögerung zu riskieren. Hintergrund war die drohende Gefährdung der Finanzierung durch das Land Hamburg: Rund 600.000 Euro an Planungskosten waren bereits aufgelaufen.

Das Engagement zeigte Wirkung. Neben dem Stadtteilrat solidarisierten sich auch zahlreiche Anwohnende mit der Forderung nach einer umgehenden Umsetzung. Das Bezirksamt prüfte daraufhin gezielt die Möglichkeiten zur Einfügung zusätzlicher Stellplätze, ohne dabei den Zeitplan zu gefährden. Diese Strategie ermöglichte letztlich den politischen Kompromiss.

Startschuss im Sommer 2025: Bis Mitte 2026 soll der Louis-Braille-Platz einladend und klimagerecht umgestaltet werden

Mit dem endgültigen Beschluss des Regionalausschusses steht fest: Der Umbau beginnt im Sommer 2025 und soll bis Mitte 2026 abgeschlossen sein. Die Finanzierung bleibt gesichert, der ursprüngliche Zeitplan wird eingehalten. Die Neugestaltung ist Teil des stadtweiten Magistralenprogramms, das zentrale Verkehrsachsen städtebaulich aufwerten und zukunftsfähig machen soll.

Trotz kleinerer Zugeständnisse im Bereich Parken und Barrierefreiheit bleibt das übergeordnete Ziel erhalten: die Schaffung eines einladenden, klimagerechten Stadtraums. Vertreterinnen und Vertreter aller Fraktionen zeigten sich in ihren Stellungnahmen zufrieden mit dem gefundenen Kompromiss – wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten. Für die Anwohnenden in Barmbek-Süd ist es vor allem ein Signal: Ihre Anliegen wurden gehört und in die städtische Entwicklung einbezogen.

Quellen: Bezirksversammlung Hamburg-Nord, Stadtteilrat Barmbek-Süd, Hamburger Abendblatt, GRÜNE Hamburg-Nord, SPD-Fraktion Hamburg-Nord

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