Das St. Joseph Krankenhaus in Tempelhof wird in den kommenden Jahren erheblich erweitert. Ein neues Klinikgebäude soll moderne medizinische Angebote bündeln und die Patientenversorgung verbessern. Doch das Großprojekt sorgt auch für Diskussionen in der Nachbarschaft.

Die Planung des St. Joseph Krankenhauses umfasst einen sechsteiligen Komplex mit Sockelgeschossen und Mittelbau, inklusive des historischen Haupthauses am Bäumerplan. / © Visualisierung: RRP Architekten Partnerschaft mb

© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 3.0

In Tempelhof entstehen bis Ende 2028 neue medizinische Kapazitäten: Das St. Joseph Krankenhaus (SJK) baut ein modernes Klinikgebäude auf dem Gelände an der Wintgensstraße. Der Neubau ersetzt das bisher freistehende Haus D und wird baulich mit den bestehenden Klinikgebäuden verbunden.

Das Projekt soll die medizinische Versorgung am Standort verbessern. Geplant ist unter anderem die Verlagerung der Zentralen Notaufnahme, der Geburtshilfe sowie der Kinder- und Jugendmedizin in das neue Gebäude. Auch das Franziskus-Krankenhaus, bislang in Tiergarten ansässig, wird mit seinen Fachbereichen Urologie, Gefäßmedizin, Schmerztherapie und Palliativmedizin in das SJK integriert.

Bauzeit von viereinhalb Jahren angesetzt, doch Verzögerungen sind möglich

Die Bauarbeiten sollen rund viereinhalb Jahre dauern, doch aufgrund der vielen beteiligten Akteure und komplexen Abstimmungsprozesse sind Verzögerungen möglich. Entscheidungsträger, Behörden und Unternehmen müssen eng zusammenarbeiten, was den Zeitplan beeinflussen kann. Während der Bauphase bleibt die medizinische Versorgung weitgehend erhalten. Die Klinik für seelische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter verlegt Teile ihrer Kapazitäten an einen zweiten Standort in Zehlendorf.

Andere Abteilungen bleiben in Tempelhof und ziehen innerhalb des Krankenhauses um. Der Klinikbetrieb läuft während der Bauarbeiten weiter. Die übrigen Gebäude des SJK sind nicht unmittelbar betroffen. Dennoch stellt die Baumaßnahme eine logistische Herausforderung dar, da Behandlungsplätze aus dem abzureißenden Gebäude verlagert werden müssen.

Krankenhauserweiterung in Tempelhof: Größere Grundfläche und bessere Versorgung als Ziel

Der Neubau kombiniert moderne Architektur mit historischen Bezügen und erhält eine größere Grundfläche als das bisherige Haus D. Trotz der sechsgeschossigen Bauweise sorgen Sichtachsen und ein Staffelgeschoss für eine offene und leichte Wirkung. Da das Klinikgebäude auf der nördlichen Seite der Wintgensstraße liegt, fällt der Schatten ausschließlich auf das Krankenhausgelände, sodass die angrenzenden Wohnungen nicht beeinträchtigt werden.

Für die Anwohnerinnen und Anwohner bedeutet die Erweiterung eine verbesserte medizinische Versorgung in Wohnortnähe. Neben stationären Angeboten wird es zahlreiche ambulante Facharztpraxen im neuen Klinikgebäude geben. Die Zentrale Notaufnahme wird vergrößert und erhält unter anderem einen Schockraum zur Erstversorgung schwer verletzter Patienten. Zudem wächst die Geburtshilfe, mit künftig elf Entbindungsräumen.

Bedenken aus der Anwohnerschaft: Sorge um Platz, Verkehr und Parkmöglichkeiten

Trotz der medizinischen Vorteile gibt es Kritik aus der Nachbarschaft. Die Initiative Gartenstadt Neu-Tempelhof fordert einen Baustopp. Sprecher Klaus Zehrer erklärte gegenüber der B.Z., das Gelände sei bereits jetzt zu klein. Der zusätzliche Klinikbetrieb führe zu einer höheren Verkehrsbelastung.

Ein weiterer Streitpunkt sind wegfallende Parkplätze: Fast 50 Anwohnerstellplätze sollen entfallen, um Platz für Rettungsfahrzeuge zu schaffen. Zudem kritisieren Anwohnerinnen und Anwohner, dass Straßenbäume gefällt werden müssten. Sie bemängeln, dass politische Akteure nicht ausreichend einbezogen und Anwohnende erst spät informiert worden seien.

Notwendige Erweiterung: SJK betont die Bedeutung des Neubaus für die Versorgung

Die Klinikleitung weist die Vorwürfe zurück. Sie betont gegenüber der B.Z., dass es öffentliche Informationsveranstaltungen gegeben habe, die jedoch kaum besucht worden seien. Zudem sei das Krankenhaus ein Sonderbau, für den spezielle baurechtliche Regeln gelten. Der Geschäftsführer des SJK erläutert, dass die Erweiterung notwendig sei, um die medizinische Versorgung in Berlin langfristig zu sichern. Der Neubau werde eine moderne Infrastruktur schaffen, um den steigenden Bedarf an stationärer und ambulanter Versorgung zu decken.

Die schrittweise Inbetriebnahme des Neubaus beginnt ab Mitte 2028. Anfang 2029 soll auch das Franziskus-Krankenhaus vollständig in das neue Gebäude integriert sein. Damit soll in Tempelhof eines der modernsten Klinikzentren Berlins entstehen. Zudem wird im Bezirk Tempelhof-Schöneberg der Vivantes-Standort Auguste-Viktoria-Klinikum zu einem modernen Gesundheitszentrum ausgebaut. Bis 2032 soll das benachbarte Wenckebach-Klinikum in die neuen Strukturen integriert werden, um eine zukunftsfähige und leistungsstarke Krankenhauslandschaft zu schaffen.

Quellen: St. Joseph Krankenhaus, B.Z.