In Frankfurt Bockenheim wird seit Jahrzehnten gelehrt. Der örtliche Campus hat den Stadtteil maßgebend geprägt, nun kehrt die Wissenschaft zurück. In Bockenheim sollen auf dem ehemaligen Campusareal neue Bildungsgebäude entstehen: Der „Kulturcampus“ soll im Jahr 2035 fertiggestellt werden.

Ministerpräsident Boris Rhein hat Mitte März gemeinsam mit Wissenschaftsminister Timon Gremmels und der Stadt Frankfurt den Startschuss für den Frankfurter Kulturcampus auf dem ehemaligen Universitätsgelände in Bockenheim gegeben. / © Foto: Salome Roessler/Stadt Frankfurt am Main
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© Foto Titelbild: Land Hessen
Die politischen Diskussionen rund um den sogenannten „Kulturcampus“ wurden bereits im Jahr 2010 angestoßen. Nun ist der Hochschulbau wieder Thema im Hessischen Landtag: Das Hochschulbauprogramm des Landes sorgt für eine Investition von 170 Millionen Euro und stößt langersehnte Veränderungen an.
Der Baubeginn für den „Kulturcampus“ im Frankfurter Stadtteil Bockenheim ist für das Jahr 2030 vorgesehen. Mit einer Fertigstellung ist frühestens nach fünf Jahren Bauzeit im Jahr 2035 zu rechnen. Nach umfangreichen Bauarbeiten soll dann die Hochschule für Darstellende Kunst und Musik, die aktuell an der Eschersheimer Landstraße situiert ist, einziehen. Ein Teil der neuen Hochschulgebäude soll an der Kreuzung Bockenheimer Landstraße und Senckenberganlage entstehen.
„Kulturcampus“ Frankfurt: Hochschulareal wird in drei Bereiche gegliedert
Die Hochschule für Darstellende Kunst und Musik bekommt durch ihren Umzug drei unabhängige Flächen zugewiesen. Dieser Beschluss stieß zuvor immer wieder auf Kritik: Das Aufteilen der Räumlichkeiten und das Verteilen auf „Restflächen“ entspreche nicht den Wünschen der Hochschule selbst und störe wichtige Zusammenhänge. Außerdem sei der Bau mehrerer Baukörper immer kostenintensiver.
Nichtsdestotrotz schreiten die Planungsarbeiten voran. Zwei Gebäude bilden den ersten Teil des neuen Campus in Frankfurt Bockenheim: Ein Neubau auf dem Areal der Neuen Mensa südlich der Bockenheimer Landstraße und ein zweiter Neubau auf dem Gelände der juristischen Bibliothek. Letzterer soll Flächen für das Frankfurter LAB bieten – ein Zusammenschluss mehreren Initiativen, der Aufführungsorte für zeitgenössische darstellende Kunst und Musik schafft.
Frankfurt Bockenheim: Studentisches Wohnen direkt am „Kulturcampus“
Ein weiterer Teil des Kulturcampus umfasst die neuen Räumlichkeiten der Musikhochschule. Sie zieht in die ehemalige Druckerei Dondorf an der Sophienstraße. Vorerst ist eine Zwischennutzung durch die Kunsthalle Schrin vorgesehen. Das historische Druckereigebäude wurde zunächst von den baulichen Schadstoffen befreit; nun kann die Sanierung beginnen. Zusätzlich ist ein verbindender Neubau geplant.
Für den dritten Teil des Kulturcampus sind das zukünftige Verwaltungszentrum, eine neue Mensa, ein studentischer Club und studentische Wohneinheiten in den oberen Etagen vorgesehen. Diese Räumlichkeiten entstehen auf dem Areal zwischen Bockenheimer Depot und der Stadtbibliothek.
„Kulturcampus“ in Frankfurt Bockenheim: Wie soll das neue Areal aussehen?
Wie genau der Kulturcampus aussehen könnte, soll ein Architekturwettbewerb klären. Kunst- und Wissenschaftsminister Timon Gremmels betont gegenüber der Frankfurter Rundschau wie wichtig es sei, dass die Hochschule endlich den Raum bekomme, den sie braucht.
Auf dem Areal des Kulturcampus sollen flexible Räume für Kunst, Musik und Kultur entstehen. Die neuen Flächen sollen sich in Frankfurt-Bockenheim etablieren und einen Mehrwert für den Stadtteil und seine Bewohnerinnen und Bewohner bieten.
Bockenheim, neuer „Kulturcampus“: Geteilte Meinungen aus der Politik
In der Sitzung am 27.03.2025 im Hessischen Landtag stand das Thema „Kulturcampus“ ganz oben auf der Agenda: Vor allem das Schaffen von zusätzlichem, bezahlbarem Wohnraum sei ein wichtiger Schritt. Die vorgesehenen Bauarbeiten rund um den Kulturcampus bieten allgemein „enorme Entwicklungspotentiale“ für den Stadtteil Bockenheim, sagte Bijan Kaffenberger von der SPD.
Nichtsdestotrotz lässt sich nicht leugnen, dass das Tempo, in dem das Projekt voranschreitet, alles andere als vorbildlich ist. Zwischen der ersten Idee im Jahr 2010 bis zur geplanten Fertigstellung 2035 liegt ein viertel Jahrhundert. Ob selbst dieser großzügige Zeitrahmen eingehalten werden kann und ob der Bau des „Kulturcampus“ die erhofften Entwicklungen im Stadtteil Bockenheim auslöst, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.
Quellen: Frankfurter Rundschau, FAZ, Hessenschau, Frankfurt LAB, kulturcampus, Wikipedia, Stadtplanungsamt Frankfurt, hessen.de, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur