Die Hauptwache in Frankfurt bekommt ein neues Gesicht – von der technischen Erneuerung des unterirdischen Bahnhofs bis zur Umgestaltung der darüberliegenden Platzfläche. Die Sanierung soll den historischen Standort aufwerten und die neue Hauptwache zu einem Ort für die Stadtgesellschaft machen.

Die rekonstruierte Hauptwache – der Namensgeber für den „Platz an der Hauptwache“ und die Bahnstation „Hauptwache“ – dient heute als Gastronomiefläche. / © Foto: Wikimedia Commons, Norbert Nagel, CC BY-SA 3.0

© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Eva K., GFDL 1.2

 

Mitten in der Frankfurter Innenstadt befindet sich ein zentraler Knotenpunkt: die Hauptwache. Auf den ersten Blick erkennt man dort ein barockes Gebäude – die eigentliche Hauptwache – auf einem unscheinbaren Platz, doch unterirdisch befindet sich hier das dreistöckige Verkehrszentrum der Frankfurter Innenstadt. Bei vielen ist die S- und U-Bahnstation als teilweise maroder Gebäudekomplex bekannt, der bei der Durchreise eher Unbehagen statt „Wohlfühl-Atmosphäre“ verursacht. Der Wunsch nach Veränderung und Umgestaltung besteht schon seit Jahren, sowohl in der Politik als auch in der Zivilgesellschaft.

Nun sollen endlich konkrete Pläne entstehen. Durch einen Stadtverordnetenbeschluss steht bereits seit 2011 fest, dass an der Hauptwache etwas passieren muss. Das Vorhaben: Eine Großmaßnahme bestehend aus der Sanierung der unterirdischen Bahnstation und der Erneuerung der oberirdischen Platzfläche. Beide Bereiche sind eng miteinander verbunden und müssen daher zusammen gedacht und geplant werden. Diese Verknüpfung macht das Projekt besonders komplex und erfordert eine sorgfältige Abstimmung.

Baumaßnahmen im Kern Frankfurts: Die Sanierung der B-Ebene soll bis zu 15 Jahre dauern

Bevor die Umgestaltungsmaßnahmen an der Oberfläche beginnen können, muss zunächst der unterirdische Bau, die sogenannte B-Ebene, saniert werden. Das Gebäude stammt aus den 60er Jahren und soll vor allem technisch überholt werden. Diese Sanierung erfolgt durch die Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF) und wird laut Stadtplanungsamt circa zehn bis 15 Jahre in Anspruch nehmen. Erst danach können sich der Bereich um die Aus- und Eingänge sowie der oberirdische Platz verändern.

Im Treppenabgang zu der Bahnstation sollen die trichterförmig angelegten Flächen zu einer „städtischen Bühne mit Aufenthaltsqualität und besonderem Charakter werden“, berichtet der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) gegenüber der Frankfurter Rundschau. Ebenfalls ist vorgesehen, die Treppenbereiche mit Sitzgelegenheiten auszustatten. Diese können dann als Tribünen für die vorgesehenen öffentlichen Veranstaltungen dienen. So soll die Hauptwache wieder als aktiver Ort für die Stadtgesellschaft fungieren und nicht nur als Durchreisefläche genutzt werden. Der zugehörige Platz wird saniert und mit Grünflächen versehen, um auch dort die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Wie genau eine neue Hauptwache aussehen könnte, wird sich im Laufe der konkreten Planung zeigen.

Kernsanierung der Hauptwache: Die Bürgerbeteiligung spielt eine große Rolle

Durch das große öffentliche Interesse ist die Kernsanierung der Hauptwache ein Projekt, bei dem eine Bürgerbeteiligung aus städtischer Sicht durchaus sinnvoll ist. Das Stadtplanungsamt Frankfurt bietet den Bürgerinnen und Bürgern seit dem Sommer letzten Jahres an, sich durch verschiedene Events aktiv bei der Ideenfindung zu den Sanierungsmaßnahmen zu beteiligen. Um die geplanten Aktionsformate zu koordinieren, bezieht das Stadtplanungsamt die Agentur STUDIO I STADT I REGION mit ein. Bei einem Workshop im Februar versuchten die Teilnehmenden beispielsweise, gemeinsame Ziele zu definieren und ihre Vorstellungen miteinander abzugleichen.

Nun werden die Ergebnisse ausgewertet und weiterentwickelt, um ein „Leitbild zur Zukunft der Hauptwache“ zu entwickeln, berichtet Karsten Krüger vom Stadtplanungsamt Frankfurt. Weitere öffentliche Angebote sind Mitte des Jahres geplant, um die gemeinsam definierten Zukunftsvisionen zu verschärfen. Der einjährige öffentliche Beteiligungsprozess stößt jedoch auch auf Kritik: Im Stadtrat wirbt man für schnelles Handeln und eine temporäre Zwischennutzung. Stimmen aus der Politik befürchten, dass durch lange Recherche- und Planungsphasen wertvolle Zeit verloren geht.

Ein Ort der Geschichte: Die Hauptwache als Herzstück in der Frankfurter Innenstadt

Die Hauptwache ist einer der zentralsten und historisch bedeutendsten Plätze Frankfurts. Ihre Geschichte reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Ursprünglich diente der Platz als Getreide- und Heumarkt, danach nutzten ihn das Militär und die Polizei als Standort mit Gefängnis, Pranger und Galgen. Später wurde der Bereich zu einem Paradeplatz, anschließend zum Schiller-Gedenkort, bevor er mit der voranschreitenden Industrialisierung zum belebten Verkehrszentrum wurde.

Die tiefgreifendste Veränderung in dem Bereich um die Hauptwache erfolgte in den 1960er Jahren mit dem Bau der S- und U-Bahnstation. Die großflächigen Trichterabgänge dominierten fortan das Erscheinungsbild. Bereits in den frühen 1970er Jahren leitete die Stadt die schrittweise Umwandlung der Zeil in eine Fußgängerzone ein, indem sie den Auto- und Straßenbahnverkehr nach und nach entfernte. 2009 entschloss man sich dann dazu, auch die Straße „Roßmarkt“ über die gesamte Breite der Zeil für den motorisierten Verkehr zu sperren. Mit dieser Umwandlung gewann der Platz an zusätzlicher Freifläche. Heute wird das Areal vorrangig für Großveranstaltungen und Märkte genutzt.

Sanierung mit Auswirkungen: Hohes Risiko für den Frankfurter Nahverkehr

Während der Sanierungsarbeiten soll der Nahverkehr vollständig aufrechterhalten bleiben. Durch die Lage der Bahnstation Hauptwache im Verkehrsnetz könnte es zu Komplikationen kommen. Die Hauptwache ist ein wichtiger Mittelpunkt im Nahverkehr in und um die Stadt. Das erschwert die Umbauarbeiten und birgt ein hohes Risiko.

Mit der geplanten Sanierung soll die Hauptwache neue Maßstäbe setzen. Was konkret an der Hauptwache entsteht – und vor allem wann –, bleibt abzuwarten. Ob das Projekt tatsächlich den gewünschten Wandel bringt oder vor allem zur Geduldsprobe wird, zeigt sich erst in den kommenden Jahren.

Quellen: Stadt Frankfurt, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Neue Presse, Wikipedia

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