Mit über 450 Hochhäusern hat Frankfurt eine der auffälligsten Skylines Europas. Die Entwicklung dieser Hochhauslandschaft spiegelt die Geschichte der Stadt wider – von der Nachkriegszeit bis zur heutigen Metropole.

Mehr als 450 Hochhäuser prägen heute Frankfurts Stadtbild. Doch die Stadt am Main sah nicht immer so aus. / © Wikimedia Commons, Jörg Braukmann, CC BY-SA 4.0

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Frankfurt am Main ist nicht nur das wichtigste Finanzzentrum Deutschlands, sondern auch die einzige deutsche Stadt mit einer markanten Hochhaus-Skyline. Mit 19 der 20 höchsten Wolkenkratzer Deutschlands und mehr als 450 Hochhäusern prägt Frankfurt ein Stadtbild, das in Europa seinesgleichen sucht. Doch wie kam es dazu, dass sich hier eine Skyline entwickelte, die sonst eher aus US-amerikanischen Metropolen bekannt ist?

Frankfurts Wachstum in die Höhe: Wie begrenzter Raum und wirtschaftliche Stärke die Skyline prägten

Mit rund 770.000 Einwohnerinnen und Einwohnern auf knapp 250 Quadratkilometern ist Frankfurt eine vergleichsweise kompakte Stadt. Eine horizontale Expansion wird durch den umfassenden Grüngürtel verhindert, der den Bau neuer Wohn- und Gewerbeflächen an den Stadträndern einschränkt. Zudem machen Einflugschneisen des Flughafens weiteres Wachstum in bestimmten Gebieten unmöglich. Der Platzmangel zwang die Stadt dazu, in die Höhe zu bauen, anstatt sich in die Breite auszudehnen.

Frankfurts wirtschaftliche Bedeutung reicht weit zurück. Schon in der Römerzeit spielte die Stadt eine wichtige Rolle, da hier eine seichte Furt das Überqueren des Mains ermöglichte. Im Mittelalter wurde Frankfurt zu einem bedeutenden Handelszentrum. Die Stadt zog Kaufleute, Banken und Investoren an, was die Bodenpreise in der Innenstadt in die Höhe trieb. Bereits im 19. Jahrhundert gab es in Frankfurt erste mehrgeschossige Gebäude, um den begrenzten Raum effizienter zu nutzen.

Nachkriegsarchitektur in Frankfurt: Funktionalität statt historischer Rekonstruktion

Bis zum Zweiten Weltkrieg besaß Frankfurt eine der größten Fachwerkaltstädte Deutschlands. Diese wurde jedoch während der Bombenangriffe nahezu vollständig zerstört. Besonders der Luftangriff am 4. Oktober 1943 legte große Teile der Innenstadt in Schutt und Asche.

Nach dem Krieg entschied sich die Stadt gegen eine Rückkehr zur alten Architektur und setzte stattdessen auf moderne, funktionale Gebäude aus Beton, Stahl und Glas. Die Formensprache zeigte: Man wollte nach oben, hoch hinaus. Viele dieser Bauten wurden jedoch in den folgenden Jahrzehnten als unansehnlich empfunden und galten als gesichtslose Zweckbauten.

Die Anfänge der Frankfurter Skyline: Das „Wallanlagenkonzept“ der 1950er-Jahre als erste Hochhausstrategie

Nach dem Krieg und der Teilung Deutschlands verlor Berlin seine Bedeutung als Finanzzentrum. Viele Banken verlegten ihren Sitz nach Frankfurt, darunter auch die Deutsche Bundesbank. Mit dem wachsenden Finanzsektor stieg der Bedarf an neuen Büroflächen. Aus diesem Grund entschied man sich, weiter in die Höhe zu bauen. Bereits in den 1950er-Jahren gab es erste Konzepte, um die Hochhausentwicklung in Frankfurt zu lenken. Drei Pläne prägten besonders die Entwicklung: das „Wallanlagenkonzept“, der „Fingerplan“ und der „Cluster-Plan“.

In den frühen 1950er-Jahren legte das „Wallanlagenkonzept“ den Grundstein für den modernen Hochhausbau in Frankfurt. Es sah vor, markante Hochhäuser an den ehemaligen Stadtbefestigungen zu errichten. Beispiele aus dieser Zeit sind die „Landwirtschaftliche Rentenbank“ und das „Bayer-Hochhaus“ am Eschenheimer Tor. Diese Gebäude waren mit rund 50 Metern für heutige Maßstäbe eher moderat, markierten aber den Beginn der Hochhausentwicklung.

Stadtentwicklung mit Widerstand: Der Fingerplan der 1960er-Jahre und die Proteste gegen Gentrifizierung

Der „Fingerplan“ war eine Weiterentwicklung, die den Hochhausbau gezielt entlang bestimmter Achsen fördern sollte. Die Stadtplanung sah vor, dass sich Wolkenkratzer entlang der Bockenheimer, Eschersheimer und Eckenheimer Landstraße entwickeln sollten. Eine entscheidende Idee dabei war die Anbindung an die neuen U-Bahn-Linien. Durch diese Strategie wollte Frankfurt das Wachstum aus der Innenstadt heraus verlagern und den Entwicklungsdruck in der City reduzieren.

Die Umsetzung des „Fingerplans“ stieß jedoch auf erhebliche Proteste. Investoren begannen, Altbauten entlang dieser Entwicklungsachsen aufzukaufen, um Platz für Hochhäuser zu schaffen. Die Verdrängung von Mietern führte zum berühmten „Häuserkampf“ im Westend, bei dem es zu teils massiven Auseinandersetzungen kam.

Boom der Frankfurter Hochhäuser in den 1970er- und 1980er-Jahren: Wachstum mit negativen Folgen

In den 1970er- und 1980er-Jahren folgten viele weitere Hochhäuser, die auch in schützenswerten Wohnlagen entstanden und zu der massiven Gentrifizierung beitrugen.

In dieser Zeit bekam die Stadt Schimpfnamen wie „Krankfurt“, „Bankfurt“ und „Mainhattan“, die auf die soziale Ungleichheit, die Dominanz des Bankensektors und die zunehmende Amerikanisierung des Stadtbildes anspielten.

Der „Cluster-Plan“ aus den 1980er-Jahren: Hochhauszonen und die Entwicklung einer kompakten Skyline

Nach den Konflikten um den „Fingerplan“ mussten neue Ideen für die Stadtentwicklung her. Ab den 1980er-Jahren setzte sich die Idee durch, Hochhäuser in Clustern zu konzentrieren. Anstatt die gesamte Stadt mit Wolkenkratzern zu durchziehen, wurden bestimmte Gebiete als Hochhauszonen definiert. Diese befanden sich vor allem im Bankenviertel, entlang der Neuen Mainzer Straße und rund um die „Taunusanlage“. Wichtige Vertreter dieser Epoche sind die Doppeltürme der Deutschen Bank, der „Silberturm“ und der „Eurotower“.

Diese strategische Konzentration hatte einen entscheidenden Effekt: Die Skyline Frankfurts begann, eine klare Kontur zu entwickeln, anstatt sich ungeordnet auszubreiten. Das Bild einer kompakten Hochhausstadt entstand – ein Bild, das heute als Markenzeichen Frankfurts gilt.

Die Weiterentwicklung der Hochhauscluster: Der Einfluss des „Hochhausrahmenplans“ von 1998 auf Frankfurts Stadtbild

Seit 1998 gibt der „Hochhausrahmenplan“ vor, wo und wie Hochhäuser gebaut werden dürfen. Das Bankenviertel und das Europaviertel bilden weiterhin die Hauptschwerpunkte. Um die Skyline kompakt zu halten, werden neue Hochhäuser bevorzugt in Lücken des bestehenden Stadtpanoramas gebaut.

Die Grundidee der Hochhauscluster prägt die Stadtentwicklung also bis heute, wenngleich sich ihre Zahl im Laufe der Jahre vergrößert hat. Neue Standorte wie die Messe und das Güterbahnhofgelände sind hinzugekommen. Im Bankenviertel entlang der Neuen Mainzer Straße schufen Abrisse älterer Nachkriegsgebäude Raum für moderne Hochhäuser.

Auch entlang der Mainzer Landstraße, die das Bankenviertel mit dem Messeareal verbindet, entstehen weitere Türme – eine Entwicklung, die an das Prinzip der früheren Entwicklungsachsen erinnert. Ähnliches gilt für die Theodor-Heuss-Allee bis zum Rebstock. Trotz dieser klaren Strukturen bestätigen punktuelle Ausnahmen die Regel.

Die veränderte Wahrnehmung der Frankfurter Skyline: Vom umstrittenen Bauwerk zum Symbol der Stadt

Gleichzeitig verändert sich die Wahrnehmung der Skyline. Einst umstritten, wird sie zunehmend als identitätsstiftendes Symbol der Stadt begriffen. Wie der Architekturhistoriker Rodenstein in seinem Buch „Hochhausstadt Frankfurt beschreibt, sind die gesellschaftlichen Konflikte der Hochhausära weitgehend überwunden.

Ein wichtiger Grund für diese veränderte Wahrnehmung ist die zunehmende Öffnung der Hochhäuser für die Öffentlichkeit. Diese entwickeln sich nicht länger ausschließlich zu Bürogebäuden, sondern zu lebendigen, multifunktionalen Quartieren. Moderne Wolkenkratzer sind heute nicht nur Arbeitsräume, sondern auch Orte für Kultur, Gastronomie und Wohnen. Ein Beispiel ist das Projekt „Four“ in der Frankfurter Innenstadt, bei dem neben Büroflächen auch Wohnraum entsteht – ein Drittel davon gefördert. Darüber hinaus werden auch gastronomische Angebote und Kitas integriert. Monofunktionale Gebäude haben also zunehmend ausgedient.

Zukunft der Frankfurter Skyline: Wie das wachsende Bevölkerungs- und Investoreninteresse den Hochhausboom vorantreibt

Die Entwicklung der Skyline ist noch lange nicht abgeschlossen. In den letzten zehn Jahren wuchs die Frankfurter Bevölkerung um über 100.000 Menschen, die Anzahl der Hotelübernachtungen hat sich verdoppelt, und die Stadt verzeichnet Rekordzahlen an Erwerbstätigen. Auch für Investoren bleibt Frankfurt attraktiv, da die Immobilienpreise im Vergleich zu London oder Paris moderat sind. Es gibt keine Anzeichen, dass der Hochhausboom in naher Zukunft endet – im Gegenteil: Die Skyline von Frankfurt wird weiter wachsen.

Quellen: Stadt Frankfurt am Main, Skyline Atlas

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