Auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Bank entsteht mit „FOUR“ Frankfurt ein Hochhausensemble mit einer Mischung aus Einzelhandel, Büros und Wohnungen. Das Unternehmen Gross & Partner realisiert damit ein Projekt, das seine Planungsanfänge bereits in den 1990er-Jahren hat.

Vor knapp zehn Jahren wurde das ehemalige Gelände der Deutschen Bank an die Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH verkauft. Nun entsteht hier mit „FOUR“ ein neues Hochhausensemble –unter anderem mit der höchsten Büroetage Deutschlands. / © Visualisierung: Groß & Partner
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Mitten in der Frankfurter Innenstadt entsteht ein neues Hochhausensemble: „FOUR“ Frankfurt. Auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Bank bieten vier Türme Platz für eine Mischung aus Nahversorgung, Einzelhandel, Büros und Wohnungen. Die Idee dahinter ist das Konzept der vertikalen Stadt: In den vier Hochhäusern sollen die Bewohnerinnen und Bewohner alles finden, was sie zum täglichen Leben benötigen. Bauherr dieses Projekts ist die Grundstücksentwicklungsgesellschaft Groß & Partner in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro UNStudio.
Vom „Max“-Turm zum „FOUR“-Projekt: Die Geschichte eines Frankfurter Bauvorhabens
Die Idee, auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Bank einen Hochhauskomplex zu errichten, ist nicht neu. Bereits in den 1990er-Jahren gab es entsprechende Pläne: 1999 initiierte die Deutsche Bank einen internationalen Architekturwettbewerb für ein rund 200 bis 250 Meter hohes Bürogebäude mit ergänzender Nutzung. Der Siegerentwurf von Murphy/Jahn sah einen 228 Meter hohen Turm namens „Max“ vor. Die Verantwortlichen verwarfen das Bauvorhaben jedoch aufgrund der geänderten Marktlage nach den Anschlägen vom 11. September 2001.
Die Planungen für ein Hochhausgebäude wurden wieder aufgenommen, nachdem die Deutsche Bank das Areal im Bankenviertel aufgrund des schlechten baulichen Zustands des „IBCF-Hochhauses“ bis 2017 aufgegeben und an einen neuen Standort verlegt hatte. Mit dem dadurch frei gewordenen Grundstück ergab sich die Möglichkeit einer Neuentwicklung. Daraufhin verkaufte die Deutsche Bank im November 2015 das rund 16.000 Quadratmeter große Areal an die Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH.
UNStudio gewinnt den Wettbewerb: Das Konzept hinter dem neuen Hochhausensemble
Im März 2016 wurde ein städtebaulicher Ideenwettbewerb zur Neugestaltung ausgeschrieben, den das Architekturbüro UNStudio aus den Niederlanden gewann. Der Entwurf sah vor, alle Gebäude außer dem denkmalgeschützten Bestand an der Junghofstraße abzureißen und vier Hochhäuser zu errichten, die durch ein gemeinsames Sockelgebäude verbunden sind. Die Hochhäuser sollen 233 Meter (Turm 1), 178 Meter (Turm 2), 128 Meter (Turm 3) und 104 Meter (Turm 4) hoch werden.
Das höchste Gebäude an der Neuen Schlesingergasse mit 59 Stockwerken soll das dritthöchste Gebäude Deutschlands werden. Es ist für eine reine Büronutzung vorgesehen und umfasst die höchste Büroetage Deutschlands. Das niedrigste Gebäude an der Junghofstraße (Turm 4) ist ebenfalls für eine Büronutzung geplant, während die Türme 2 und 3 rund 600 Wohnungen mit Flächen zwischen 50 und 220 Quadratmetern beherbergen sollen. Im Turm 2 sind Mietwohnungen sowie Hotel- und Serviced-Apartments vorgesehen. In Turm 3 entstehen Eigentumswohnungen, von denen ein Teil als geförderter Wohnraum geplant ist.
Neue Wege für Frankfurt: Öffnung des historischen Gebäuderiegels an der Junghofstraße
Im Sockelbereich der Türme 3 und 4 entsteht ein Kimpton Hotel. Die gesamte Bruttogeschossfläche beträgt 210.000 Quadratmeter, davon mindestens 90.000 Quadratmeter für Büros, etwa 60.000 Quadratmeter für Wohnungen, 30.000 Quadratmeter für Hotels und 20.000 Quadratmeter für Einzelhandel und Gastronomie. Insgesamt sollen rund 4.000 Menschen in dem neuen Quartier arbeiten, während mindestens 1.000 dort wohnen werden.
In Absprache mit dem Denkmalamt der Stadt Frankfurt am Main öffnet das Bauunternehmen den aus den 1950er-Jahren stammenden Gebäuderiegel an der Junghofstraße an zwei Stellen, um öffentliche Wegebeziehungen auf das Areal zu ermöglichen, die es bislang nicht gibt. In der neuen sechsgeschossigen Sockelbebauung sollen Geschäfte, Gastronomie und eine Kindertagesstätte zur Belebung des Quartiers beitragen. Das Investitionsvolumen wird auf eine Milliarde Euro geschätzt.
Herausforderungen beim Bau: Speziallösungen für das Hochhausprojekt in der Innenstadt
Die Abbrucharbeiten der Bestandsgebäude fanden von April bis November 2018 statt. Seitdem betreut Groß & Partner gemeinsam mit den Tochterunternehmen GP Con und GP Log die Bereiche Rohbau, Baustellenlogistik und -sicherheit. Die Tiefbauphase wurde im April 2020 abgeschlossen. Im Mai 2020 gab Groß & Partner bekannt, dass die Baugenehmigung erteilt und alle rechtlichen Voraussetzungen für die Fortsetzung des Bauvorhabens erfüllt seien. Anschließend wurde der Bau des Tiefgaragenbaukörpers in Deckelbauweise fortgesetzt.
Aufgrund der gleichzeitigen Errichtung der vier Hochhäuser und der zentralen Lage des Bauvorhabens waren zahlreiche Speziallösungen erforderlich. Um die baubedingten Einschränkungen im innerstädtischen Umfeld möglichst gering zu halten, wurden die Türme 1 und 4 in Fertigteilbauweise konzipiert. Dabei kamen verschiedene Schalungs- und Gerüstsysteme der Firma Peri zum Einsatz. Diese Bauweise hätte es ermöglicht, ein Geschoss innerhalb von nur vier Tagen anstelle der üblichen zwei Wochen zu errichten, erklärt Daniel Torakai, Geschäftsführer von Werner Sobek Frankfurt. Das Unternehmen war gemeinsam mit Bollinger + Grohmann in einer Arbeitsgemeinschaft für die Tragwerksplanung der beiden Türme verantwortlich.
„FOUR“ Frankfurt: Erfolgreiche Vermarktung bereits vor Fertigstellung
Durch das G&P-Vermarktungsteam und GP Sales konnten bereits vor Fertigstellung große Teile der Büroflächen sowie Eigentumswohnungen vermittelt werden. Im Juni 2019 gab das Investmentunternehmen Commerz Real den Erwerb des Hotel- und Einzelhandelsanteils im Hochhaus T3 bekannt. Der Kaufpreis lag bei rund 81 Millionen Euro. Einen Monat später verkündete Groß & Partner den erfolgreichen Abschluss der Projektfinanzierung. Mehr als 20 Fremdkapitalgeber sind beteiligt, wobei für jeden der vier Türme individuelle Finanzierungsstrukturen entwickelt wurden.
Die Finanzierung der vier Türme erfolgte durch verschiedene Bankenkonsortien, darunter die Landesbank Hessen-Thüringen, die Deutsche Hypothekenbank, die Deutsche Pfandbriefbank und Union Investment. Im Juli 2021 übernahm die Allianz in Kooperation mit der Bayerischen Versorgungskammer den höchsten Turm, T1, für rund 1,4 Milliarden Euro.
Am 22. September 2023 wurde das Richtfest für das Hochhausensemble gefeiert. Die Fertigstellung und Bezugsfähigkeit sind für das Jahr 2025 geplant.
Quellen: Groß & Partner, Peri, FOUR Frankfurt, Wikipedia, HPP