In Marzahn-Hellersdorf wird schon lange über ein Kombibad mit Frei- und Hallenbad diskutiert – doch der Weg dorthin ist umstritten. Während das Bebauungsplanverfahren für den Standort am Jelena-Šantić-Friedenspark läuft, regt sich deutlicher Widerspruch von Umweltverbänden.

Die geplante Bebauung im Jelena-Šantić-Friedenspark betrifft eine festgesetzte Ausgleichs- und Ökokonto-Fläche, die ursprünglich zur Kompensation früherer Eingriffe in Natur und Landschaft geschaffen wurde. / © Foto: Wikimedia Commons, 44penguins (Angela M. Arnold), CC BY-SA 3.0
© Foto: Wikimedia Commons, 44penguins (Angela M. Arnold), CC BY-SA 3.0
© Foto Titelbild: depositphotos.com / casanowe1
Marzahn-Hellersdorf arbeitet weiter am Ziel, ein eigenes Kombibad mit Frei- und Hallenbad zu realisieren. Als bevorzugter Standort gilt weiterhin der Jelena-Šantić-Friedenspark in Hellersdorf. Der Park liegt nahe dem U-Bahnhof Kienberg und den Gärten der Welt. Dort könnten rund 2.000 bis 2.500 Badegäste Platz finden.
Bis zum 21. März 2025 konnten Anwohnerinnen und Anwohner die Planungsunterlagen einsehen und Hinweise geben. Ziel ist es, im Rahmen des Planverfahrens die rechtlichen Grundlagen für den Bau eines Kombibads zu schaffen. Jedoch wird die Standortauswahl von Naturschutzverbänden kritisiert.
Standort mit Konfliktpotenzial — Verbände fordern eine Alternativprüfung
Der Standort am Jelena-Šantić-Friedenspark ist umstritten. Der Park gilt als festgesetzte Ausgleichsfläche, die ursprünglich zum ökologischen Ausgleich für die Bebauung der „Hellen Mitte“ und weitere Bauprojekte geschaffen wurde. Die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) lehnt den Bebauungsplan daher grundsätzlich ab. Ausgleichsflächen seien dauerhaft zu sichern, heißt es in einer Stellungnahme.
Die Verbände kritisieren zudem die Artenschutzgutachten als unvollständig und methodisch fehlerhaft. Sie fordern eine Alternativprüfung mit Blick auf weitere mögliche Standorte im Bezirk – etwa das brachliegende ehemalige Wernerbad oder freie Flächen in Gewerbeparks.
Dringender Bedarf am Schwimm- und Freibädern trifft auf begrenzte Infrastruktur im Bezirk
Gleichzeitig betont der Bezirk den dringenden Bedarf. Zwei Schwimmhallen sind derzeit außer Betrieb, der Schul- und Vereinssport steht unter Druck. Die geplante Typenschwimmhalle im ersten Bauabschnitt soll kurzfristig Abhilfe schaffen. Dafür stehen laut Bezirksangaben rund 10 Millionen Euro zur Verfügung, auch durch Bundesmittel.
Langfristig hält der Bezirk an den Plänen für ein vollständiges Kombibad mit Außenbereich fest. Für dessen Umsetzung prüft der Bezirk verschiedene Finanzierungsmodelle – darunter auch eine Public Private Partnership. Eine Public Private Partnership (PPP) ist ein Modell, bei dem öffentliche Hand und private Unternehmen gemeinsam ein Projekt finanzieren, umsetzen und betreiben. Die Berliner Bäder-Betriebe haben das Projekt in ihre Investitionsplanung aufgenommen.
Jelena-Šantić-Park unter Prüfung — Alternative am Biesdorfer Friedhofsweg steht im Raum
Der bevorzugte Standort grenzt an Wohngebiete und die Parkplatzsituation ist bereits heute angespannt. Ob der Standort tatsächlich geeignet ist, sollen laufende Gutachten zu Lärm, Verkehr und Umwelt klären. Sollte sich der Park als ungeeignet erweisen, könnte das Kombibad alternativ am Biesdorfer Friedhofsweg entstehen. Dort wäre die Fläche durch die U-Bahntrasse besser von Wohnbebauung abgeschirmt und ebenfalls gut angebunden.
Bis zur endgültigen Entscheidung bleiben zentrale Fragen offen. Dazu gehört, ob der geplante Standort rechtlich und ökologisch tragfähig ist – und inwiefern Alternativflächen in Betracht gezogen werden. Die jetzt laufende Beteiligung der Öffentlichkeit ist ein wesentlicher Schritt im Verfahren. Ob und wann das Freibad tatsächlich kommt, hängt auch von den Ergebnissen laufender Gutachten und der weiteren politischen Abstimmung ab. Klar ist: Der Bedarf im Bezirk ist hoch, die Debatte über den richtigen Weg dorthin bleibt kontrovers.
Quellen: Freibad für Marzahn-Hellersdorf, Tagesspiegel, NABU