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Prenzlauer Berg: Brückenbau-Trilogie birgt Konfliktpotenzial

In Prenzlauer Berg sollen ab 2025 drei Brückenbauprojekte im Umfeld der Schönhauser Allee zeitgleich umgesetzt werden, um die Auswirkungen auf den Bahnverkehr so gering wie möglich zu halten. Ein Teil des infrastrukturellen Mammutprojekts soll der Aufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schönfließer Brücke in ihrer historischen Breite werden.

Soll wiederaufgebaut werden: Die 1913 nach Plänen von Alfred Grenander errichtete Schönfließer Brücke. Das neue Bauwerk soll sieben Meter breit werden. / © Foto: Wikimedia Commons

© Fotos: Wikimedia Commons
Text: Henriette Schubert

 

Die zeitgleiche Neuerrichtung von drei Brücken rund um die Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg stellt den Bezirk Pankow vor eine große, logistische Herausforderung. Anwohnerinnen und Anwohner stehen den Bauvorhaben kritsch gegenüber und sehen in den Konzepten auch einige Gefahren.

Die Auto-Überführung über den Eisenbahn-Graben in Prenzlauer Berg, die bislang über die Schönhauser Allee, die Dunckerbrücke sowie die Schönfließer Brücke geregelt wird, soll aufgrund des maroden Zustandes der Brücken erneuert werden. Hierzu ist ein zeitgleicher Neubau aller Problembrücken für 2025 geplant.

Dreifacher Brückenneubau soll Logistikprobleme verringern

Eine solch umfassende Sperrung mehrerer Überführungen könnte große Logistikprobleme mit sich führen. Berliner Senat und Bezirksamt Pankow sind sich jedoch sicher, dass drei hintereinander erfolgende, separat ausgeführte Brückenbauprojekte noch größere Probleme verursachen würden. 

Denn für jedes Brückenbauprojekt muss eine Vollsperrung von Ringbahn, ICE-Gleisen und Flughafen-Express erfolgen. Ein zeitgleicher Neubau soll daher nur eine einmalige Vollsperrung ermöglichen, aus der Sicht der Stadtplaner das geringste Übel.

Wiederaufbau der schönfliesser Brücke in ihrer historischen Breite von 7 Metern

Auch Arne Huhn, Referatsleiter für Brückenbau im Berliner Senat, sieht die Vorteile der „Brückenbau-Trilogie“, denn sie ermögliche eine wichtige Verkehrswende für Berlin. Als kleinster Teil des Bauvorhabens soll in Höhe der Sonnenburger und Schönfließer Straße für 3,5 Millionen Euro ein breiter Brücken-Korridor für Radfahrer und Fußgänger entstehen.

Ab Ende 2024 soll die sieben Meter breite Brücke Gestalt annehmen und damit auch die im Krieg zerstörte Querung wiederherstellen, die einst vom bekannten Architekten Alfred Grenander erbaut wurde. Gleichzeitig handelt es sich bei diesem Vorhaben auch um ein wichtiges Projekt hinsichtlich der Verkehrswende, denn der Steg wird für den Autoverkehr nicht nutzbar sein.

Autofahrer müssen zukünftig einen erheblichen Umweg in Kauf nehmen, um die Bahnstrecke in Prenzlauer Berg überfahren zu können. Die heutige Schönfließer Brücke ist für den Autoverkehr aber ebenfalls nicht nutzbar.

Schönfließer Brücke: Neuer Verweilort mit Aufenthaltsqualität?

Der neue Brücken-Korridor soll ästhetisch anspruchsvoll ausgeführt werden. Huhn sieht in der Schönfließer Brücke mehr als die bloße Verbindung über die Ringbahngleise. Aussichtsplattformen für Kinder oder Bahn-Fans, Bänke und Sitznischen sollen das Bauwerk von einem Transitort in einen Verweilort mit Qualität verwandeln.

Anwohner sehen in diesem Konzept mit Blick auf die Entwicklungen rund um die Admiralsbrücke jedoch große Gefahren. Die Brücke in Kreuzberg hat sich unlängst zu einem Sammelplatz für Partypublikum entwickelt, sodass Nachbarn über fortwährende Ruhestörung klagen. Eine Diskussionsrunde mit dem Berliner Brücken-Experten Arne Huhn am Dienstag bestätigte das Bild, dass viele Anwohner diese Entwicklung auch in Prenzlauer Berg für realistisch halten.

Brückenbau in Prenzlauer Berg: Entwicklung zur Partybrücke befürchtet

Der 1961 erbaute, schmale und mittlerweile rostige Steg, der die heute bereits vorhandene Überbrückung in Höhe der zukünftigen Schönfließer Brücke darstellt, ist nicht nur für querende Fußgänger und Radfahrer ein Problem. Ein Biergarten am südlichen Ende des maroden Stegs, der bis in die frühen Morgenstunden alkoholische Getränke verkauft, hat den Ort unlängst zu einer Partybrücke werden lassen.

Der sehr viel breitere und attraktivere Neubau mit Verweilplätzen würde diese Situation womöglich verschärfen und zu vermehrter Ruhestörung beitragen. Anwohner sehen zwar die Vorteile für den Fuß- und Radverkehr, doch man müsse auch an weitere Auswirkungen dieses Bauvorhabens denken.

Gestaltung der neuen Schönfließer Brücke ist derzeit noch offen

Auch gestalterische Faktoren lassen weitere Fragen offen. Noch ist nämlich unklar, ob Fahrradfahrer und Fußgänger eine gemischte Fläche nutzen, oder ob hier separate Spuren entstehen werden. Auch die Frage nach der Errichtung eines autofreien Stadtplatzes durch das Bezirksamt Pankow am Ende der neuen Brücke steht weiterhin im Raum und wurde von den Bezirksverordneten beantragt.

Anfang 2023 findet daher eine Anwohnerversammlung statt, die Raum für Fragen und Diskussionen bieten soll. Die Herstellung eines sinnvollen Kompromisses sei dabei das oberste Ziel, bestätigt der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. 

Abriss und Neubau notwendig: 1976 erbaute Dunckerbrücke ist marode

Das zweite Brückenbauprojekt betrifft die Dunckerbrücke. Diese überführt die Dunckerstraße über zwei S-Bahn- und zwei Fernbahngleise. Sie ist Bestandteil des untergeordneten Straßennetzes und dient im Zuge der Dunckerstraße der Verbindung der Bundesstraße 96a und der Wisbyer Straße, die in Verlängerung der Seestraße und des Berliner Stadtrings liegt.

Die Brücke liegt, wie auch die übrigen zwei Brücken, in einem dicht bebauten Gebiet zwischen den denkmalgeschützten Schulgebäuden des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums und des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums. Die Brücke wurde 1926 als Stahlkonstruktion erbaut, 1976 erfolgte der Neubau als Betonbrücke.

Der schlechte Bauzustand erfordert nun den Abbruch des bestehenden Bauwerks und eine Neuplanung der Dunckerbrücke. Auch im Zuge dieses Projekts soll die Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer verbessert werden. Die Brücke wird aber wie bisher auch zukünftig für den Autoverkehr nutzbar sein. Das neue Bauwerk soll knapp 23 Meter breit und als Stahlbetonbrücke errichtet werden.

Informationsrunde klärt über 34 Millionen Euro Bauvorhaben auf

Eine Informationsrunde zum 34 Millionen Euro teuren Bauvorhaben rund um den Abriss und Neubau der Schönhauser-Allee Brücke, die damit den größten Teil des gesamten Bauvorhabens darstellt, ist seitens des Senats für Anfang des Jahres geplant.

Ab 2025 wird dieses Bauvorhaben mit mehreren Vollsperrungen des kompletten Bahnverkehrs auf acht Gleisen die Berliner Verkehrsplaner herausfordern. Die infrastrukturellen Auswirkungen dieses Bauvorhabens zeitgleich für die beiden kleineren Brückenneubauten zu nutzen, könnte dabei zu einer großen Chance werden, die Auswirkungen der Vollsperrungen möglichst klein zu halten. Es könnte allerdings auch in einem großen Verkehrschaos enden. 

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

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Quellen: Bezirksamt Pankow, Wikipedia, Berliner Morgenpost, berlin.de, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN

 

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