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Projektverzögerung: Westendbrücke und Tangentialverbindung Ost

In Charlottenburg soll die Westendbrücke abgerissen und neu errichtet werden, in Köpenick und Marzahn die „Tangentialverbindung Ost“ gebaut werden. Beide Verkehrsprojekte verzögern sich jedoch um mehrere Jahre.

Neues Kreuzungsmodell: So soll ein Teil der geplanten Tangentialverbindung Ost in Marzahn-Hellersdorf bzw. Köpenick aussehen.

© Visualisierungen Westendbrücke: Deges GmbH
© Visualisierung Tangentialverbindung Ost: Kolb und Ripke Gesellschaft von Architekten mbH
Text: Björn Leffler

 

In der abgelaufenen Woche wurde bekannt, dass zwei wichtige Infrastrukturprojekte in Berlin später als bislang erwartet starten sollen – wobei es bei beiden Bauvorhaben bereits deutlichen Planungsverzug gibt.

Dabei handelt es sich einerseits um den notwendigen Abriss und Neubau der Westendbrücke im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sowie den Neubau der „Tangentialverbindung Ost“ in Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick.

Westendbrücke und Tangentialverbindung Ost: Beide Projekte warten auf Baustart

Beide Projekte werden von der Senatsverkehrsverwaltung hoch priorisiert, wollen aber nicht so recht vorankommen. Mit dem Abriss der Westendbrücke am Spandauer Damm soll ein Autobahnbauwerk aus den 1960er Jahren ersetzt werden. Das 1963 errichtete Spannbeton-Bauwerk liegt an einem komplexen Verkehrsknoten im Zentrum Charlottenburgs und überspannt Fern- sowie S-Bahnstrecken.

90.000 Fahrzeuge sind nach Angaben des für das Projekt verantwortlichen Unternehmens Deges GmbH zufolge täglich auf der Brücke zwischen den Anschlussstellen Kaiserdamm und Spandauer Damm unterwegs, wobei die Brücke nur vom Verkehr in Fahrtrichtung Nord genutzt wird. Erste Sicherungsmaßnahmen wurden an der Brücke daher bereits seit 2015 ergriffen, es gilt unter anderem ein Fahrverbot für Schwertransporte und ein Tempolimit von 60 Kilometern pro Stunde.

Brücke soll abgerissen und bis 2028 neu gebaut werden

Ursprünglich war geplant, in rund zwei Jahren mit dem Bau zu beginnen, um das Projekt bis 2026 abschließen zu können. Dieser Zeitplan hat sich nun aber bereits zerschlagen. Immerhin soll nun bis Ende 2022 das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden.

Nach den bauvorbereitenden Arbeiten ab 2024 soll ein Jahr später der tatsächliche Brückenneubau starten, für den drei Jahre einkalkuliert sind. Bis 2028 soll die neue Brücke also stehen – nach heutigem Planungsstand.

Während der Bauzeit soll es auch Einschränkungen für Fahrgäste der Bahn geben. Bei der S-Bahn sind nach jetzigem Stand Wochenendsperrungen im Gespräch. Hier soll entsprechend Pendelverkehr eingerichtet werden.

Tangentialverbindung Ost wird seit Jahrzehnten geplant

Noch sehr viel länger dauern die Planungen für die „Tangentialverbindung Ost“ genannte, vorgesehene Streckenführung im Osten der Hauptstadt an. Das Konzept für einen Straßen-Lückenschluss zwischen Marzahn und Köpenick geht zurück auf den 1969 verabschiedeten Generalverkehrsplan von Berlin. Beabsichtigt war schon damals, benachbarte Wohngebiete in Biesdorf durch das Verkehrskonzept zu entlasten.

Das Projekt wurde jedoch bis zur Wende von den DDR-Behörden nicht umgesetzt. In den vergangenen Jahren wurde die Planung des Projekts wieder aufgenommen. Ursprünglich sollte das Planfeststellungsverfahren noch in diesem Jahr beginnen.

Bettina Jarrasch kann derzeit keinen Termin für einen Baustart nennen

Verkehrssenatorin Bettina Jarrasch (Die Grünen) musste jedoch auch hier Verzögerungen einräumen, denn ebenjenes Planfeststellungsverfahren zieht sich aktuell in die Länge und wird sich voraussichtlich bis 2024 oder 2025 hinziehen.

Einen konkreten Starttermin für das immer wieder verschobene Verkehrsprojekt konnte Jarrasch also noch gar nicht nennen. Es ist allerdings eher unwahrscheinlich, dass erste Bauleistungen vor 2026 erfolgen werden. Das bedeutet auch, dass die gut sechs Kilometer lange Verbindung durch die Wuhlheide erst Mitte der 2030er Jahre fertig sein wird.

Kosten für das Verkehrsprojekt: Rund 350 Millionen Euro

Auch die Kosteneinschätzungen für das Projekt haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder erhöht. Die aktuelle Einschätzung liegt bei etwa 350 Millionen Euro, die in das Verkehrsprojekt investiert werden sollen. Aber vermutlich ist hier noch nicht das letzte Wort gesprochen. Zudem wird das Projekt von Umweltschützern enorm kritisch gesehen.

Es ist also mit zeitaufwendigen Einsprüchen im Rahmen der weiteren Öffentlichkeitsbeteiligung für die „Tangentialverbindung Ost“ zu rechnen. Für die Umsetzung des Projekts ist also ein ausgesprochen langer Atem gefragt. Da winkt man im Charlottenburger Westend vermutlich gelassen ab. Denn unter diesen Gesichtspunkten erscheint eine Fertigstellung der Westendbrücke bis 2028 doch gar nicht mehr so lang.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

Draufblick: Hier soll der Neubau der Westendbrücke entstehen, in unmittelbarer Nähe zum Ringbahnhof Westend.

Weitere Projekte in Charlottenburg-Wilmersdorf findet Ihr hier
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Quellen: Deges GmbH, Kolb und Ripke Gesellschaft von Architekten mbH, Berliner Morgenpost, Berliner Woche, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN

 

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