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Schlossfreiheit an der Spree: Auch das Einheitsdenkmal gerät in Verzug

Auf und an der Schlossfreiheit, im westlichen Umfeld des Humboldt Forums, sind drei Bauvorhaben geplant, die allesamt nur mühsam vorankommen. Neben dem „Flussbad“-Projekt und der Freitreppe gerät nun auch der Bau des Einheitsdenkmals in Verzug. Die vorgesehene Eröffnung am 3. Oktober 2022 jedenfalls kann nicht gehalten werden.

So soll die „Einheitswippe“ nach ihrer Fertigstellung aussehen. Wann das sein wird, kann aktuell noch niemand sagen, denn der Bau verzögert sich.

© Grafiken: Milla & Partner
Text & Fotos: Björn Leffler

 

Es mutet schon etwas merkwürdig an. Rund um das Humboldt Forum werden derzeit die letzten Frei- und Grünflächen fertiggestellt und der Straßenbelag vor dem rekonstruierten Schloss runderneuert. Während sich diese Arbeiten ihrer Vollendung nähern, hat sich das Ende 2020 eröffnete Humboldt Forum allen vorherigen Unkenrufen zum Trotz zu einem der Publikumslieblinge der Hauptstadt entwickelt.

Merkwürdigerweise scheint dieser positive Geist jedoch nicht auf die Bauprojekte auszustrahlen, die im direkten Umfeld der Schloss-Rekonstruktion geplant sind oder sich bereits im Bau befinden.

Freitreppe und Flussbad: Beide Projekte werden argwöhnisch beäugt

Sowohl das Freitreppen-Projekt, welches aufgrund seiner gestiegenen Baukosten bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgesprochen kritisch bewertet wird, als auch das ambitionierte Flussbad-Projekt scheinen derzeit im Berliner Senat kaum Fürsprecher zu haben.

In den vergangenen Tagen wurde in den Berliner Medien die Nachricht verbreitet, dass das Flussbad-Projekt mittlerweile bereits sechs Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln gekostet habe. Umgehend rief dies natürlich erneut die Kritiker des Projekts auf den Plan, die von weiteren, unwägbaren Kosten für das Projekt sprachen und das Konzept sogar als „Schönwetter-Vorhaben“ bezeichneten.

Das Flussbad-Projekt wird medial kritisch betrachtet

Auch das Thema der schlechten Wasserqualität wurde wiederholt herausgestellt, obwohl die Projektinitiatoren nachwiesen, dass die natürliche Reinigung des Wassers sogar besser funktionieren würde als ursprünglich angenommen. Öffentliche Befürworter scheint das Projekt derzeit nur wenige zu haben, was für die Initiatoren des Vorhabens durchaus problematisch ist.

Die Mittel hat der Verein Flussbad e.V. erhalten, der sich für das Projekt engagiert. Er möchte erreichen, dass im Spreekanal in Zukunft gebadet werden kann. Ein Planfeststellungsverfahren für das Projekt ist aufgrund der heterogenen Meinungslage zum Projekt aktuell aber nicht absehbar. Für die Umsetzung des Vorhabens scheint ein langer Atem vonnöten zu sein.

Auch der Bau des Einheitsdenkmals ist zeitlich in Verzug geraten

Anders stellt sich die Situation beim geplanten Einheitsdenkmal dar. Dieses hat zahlreiche Befürworter in der Landes- und Bundespolitik. Doch das scheint wenig zu helfen. Denn auch das dritte in diesem Areal geplante Projekt ist in Schwierigkeiten geraten: der Bau des geplanten Einheitsdenkmals direkt vor dem rekonstruierten Eosander-Portal des Humboldt Forums verzögert sich.

Der Bundestag hatte das Denkmal bereits 2007 erstmals beschlossen. Der Bau verzögerte sich anschließend durch Wettbewerbe, Meinungsverschiedenheiten im Siegerteam und Bedenken von Denkmal- und Tierschützern.

Der Bau des Denkmals nach einem Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros Milla & Partner entsteht derzeit auf der Fläche des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals, das dort bis 1949 gestanden hatte.

Noch im Dezember 2021 hieß es, der Bau sei im Zeitplan

Das nun entstehende Bauwerk wird sich aber keineswegs mit Kaiser Wilhelm und dessen Geschichte befassen. Die in vielen Medien als  „Einheitswippe“ umschriebene Installation wird an die friedliche Revolution im Herbst 1989 in der ehemaligen DDR und die folgende Wiedervereinigung Deutschlands ein Jahr später erinnern.

Noch im Dezember ließ Milla & Partner verlautbaren, das Projekt liege im Zeitplan und werde wie geplant zum 3. Oktober 2022, dem nächsten Tag der Deutschen Einheit, eröffnet werden können. Doch nun rudern die Projektplaner zurück.

Lieferengpässe für die große Stahlschale

Der Grund für die Verzögerung: Bei der Herstellung der großen Stahlschale gebe es Lieferschwierigkeiten, sagte der Kreativdirektor von Milla & Partner, Sebastian Letz, in Berlin dem Evangelischen Pressedienst. Ein Datum für die Fertigstellung des Denkmals könne er derzeit nicht nennen.

Immerhin: Die Betonarbeiten im und am Sockel für das 17-Millionen-Euro-Projekt seien bereits weitgehend abgeschlossen. Zudem bekräftigte Letz, dass ein Eröffnungstermin niemals selbst vom Büro Milla & Partner genannt worden war, sondern durch die Berliner Medien publiziert worden sei.

Auf der Westseite des Humboldt Forums gibt es derzeit jedenfalls viele offene Fragen. Vor dem Hintergrund des in unmittelbarer Nähe geplanten Wiederaufbaus der historischen Bauakademie am Schinkelplatz wäre es umso bedauerlicher, würde die neu zu gestaltende Schlossfreiheit zum dauerhaften Provisorium werden. Es ist also viel positives Denken und konstruktives Handeln aller Beteiligter gefragt, um die bestehenden Probleme zeitnah zu lösen.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

Die Betonbauarbeiten für das Einheitsdenkmal sind weitgehend abgeschlossen, doch bei der großen Stahlschale gibt es Lieferengpässe. Vor dem Humboldt Forum tut sich noch eine große Baustelle auf.

Weitere Projekte in Mitte findet Ihr hier

Quellen: Evangelischer Pressedienst, Milla & Partner, Berliner Morgenpost, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN

 

Weitere Artikel zu ähnlichen Projekten findet Ihr hier:

Guido Spars: Gründungsdirektor für Bauakademie-Wiederaufbau

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4 Kommentare

  1. Gabi Juli 4, 2022

    ich finde dieses Einheitsdenkmal könnte man auch grüner gestalten viel zu grauer ungenutzter Platz… aber das ist meine persönliche Meinung und ob man das überhaupt braucht sei mal auch in Frage gestellt, die/der Planer wird sich schon etwas bei gedacht haben soviel Geld dafür auszugeben

  2. Dr.+Heide+Ellerbrock Juli 5, 2022

    zum Flussbad: Das LAGeSO forderte bereits 2019 vom Flussbad e.V. Wasseranalysen auf Pseudomonaden, Parasiten, Coliphagen, antibiotikaresistente Keime und auf Stoffe, die ein Gefährdungspotential für die Gesundheit darstellen. Nach Durchsicht des Arbeitsberichtes 2017 -2021 liegen keine derartigen Analysen für ein Nichtbadegewässer vor. Die Behauptung der ausreichenden Wasserqualität basiert nicht auf den Anforderungen des LAGeSo.

    • Lindenberg Jens Piet Juli 7, 2022

      Liebe Frau Ellerbrock, Sie fordern für ein noch zu realisierendes Projekt Analysen, die es so nicht für die existierenden Badegewässer in Berlin und im Berliner Umland gibt. Warum? Es gibt eine Ampel zu der jeweiligen Einstellung die Daten für Escherischia coli (E.coli), für Intestinale Enterokokken (I.E.), für Coliforme Bakterien, Blaualgentoxine erhoben werden aber das wissen Sie ja. Für alle anderen Interessierten: https://www.berlin.de/lageso/gesundheit/gesundheitsschutz/badegewaesser/badegewaesserueberwachung/#wasserguete Das ließe sich also auch für ein künftiges wiedereingerichtetes Flussbad realisieren.

  3. Dr.+Heide+Ellerbrock Juli 9, 2022

    Herr Lindenberg, Sie übersehen, dass NICHT ICH die Anforderungen an ein Nichtbadegewässer stelle, sondern das LAGeSo an den Verein! (siehe Stellungnahme des LAGeSO von 2019, die Ihnen vorliegt.)

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