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Museumsinsel: „Flussbad-Projekt“ soll deutlich günstiger werden

Um die Finanzierung des innovativen „Flussbad-Projekts“ hat es in den vergangenen Jahren viele Diskussionen und auch eine Vielzahl von Meinungen und Interpretationen gegeben. Der Verein „Flussbad Berlin e.V.“ rechnet nun vor: Das Projekt könnte deutlich günstiger werden als ursprünglich geplant. Grund hierfür sind aktuelle Forschungsergebnisse.

© Visualisierungen: creativecommons / Flußbad Berlin e.v.

 

Über das ambitionierte „Flussbad-Projekt“ haben wir erstmals im Januar 2020 berichtet, vor über zwei Jahren. Seitdem hat das Projekt vor allem damit Schlagzeilen gemacht, dass die prognostizierten Kosten für das Sport- und Kulturvorhaben im Herzen Berlins signifikant angestiegen sind.

Auch das mit dem „Flussbad-Projekt“ eng verbundene Bauvorhaben einer Freitreppe am Humboldt Forum wurde kürzlich von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als „kritisch“ eingestuft, da auch hier die Kosten für die Umsetzung deutlich höher seien als ursprünglich angenommen.

Freitreppe und „Flussbad-Projekt“: Kosten dominieren die Berichterstattung

Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel sagte zuletzt: „Wir rechnen mit einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.“ Als Grund nennt er die immer weiter steigenden Materialpreise für den Bau der Freitreppe, die sich noch erhöhen werden, da sich das Projekt derzeit noch weiter verzögere, da seitens der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz auch noch gar keine tiefbaurechtlichen und wasserrechtlichen Genehmigungen vorlägen.

Es klingt wahrlich nicht danach, als wäre es ein Herzensprojekt des neuen Stadtentwicklungssenators. Nun aber geht der Verein „Flussbad e.V.“ in die kommunikative Offensive und setzt der schlechten Presse der vergangenen zwei Jahre eigene Forschungsergebnisse entgegen, die erstaunliche Ergebnisse zutage gefördert haben sollen.

Der Verein plant ein Schwimmbad zwischen Museumsinsel und Fischerinsel

Zur Einordnung: Das „Projekt Flussbad“ wird seit mehreren Jahren maßgeblich vom Verein „Flussbad Berlin e.V.“ vorangetrieben. Zwischen Museumsinsel und Fischerinsel soll nach Vorstellungen des Vereins das Wasser der Spree zukünftig durch natürliche Filterbereiche so gereinigt werden, dass ein Schwimmen in der Spree bedenkenlos möglich sein wird.

Nach Aussage des Vereins ist dies bereits heute fast immer möglich, nur nach starken Regenfällen wird vom Schwimmen in der Spree abgeraten. Um das städtebauliche „Ökoprojekt“ voranzutreiben, bekam der Verein zwischen 2015 und 2019 rund vier Millionen Euro vom Bund und vom Land Berlin.

Seit 2017 wird mit einem Laborschiff geforscht

Für seine Forschungsaktivitäten baute der Verein den alten Lastkahn „Hans-Wilhelm“ zum Laborschiff um. Seit 2017 liefert der schwimmende Testfilter am Ufer vor dem Auswärtigen Amt also Daten und untersucht, ob die geplante, ökologische Reinigung des Spreewassers mittels Pflanzen und Kiesschichten überhaupt funktioniert.

Der Verein hat kürzlich einen „entscheidenden Durchbruch“ für die technische Machbarkeit des Projekts veröffentlicht: „Die vorliegenden Forschungsergebnisse zeigen, dass sich die Wasserfilterung und Wasserreinhaltung mit einem Bruchteil des ursprünglich geschätzten Aufwands realisieren lassen„, heißt es. Daraus schlussfolgern die Initiatoren, dass das Gesamtprojekt somit „kostengünstiger und ökologischer“ als bislang angenommen werde.

Das Projekt soll kostengünstiger und ökologischer werden

Laut Verein könnte demnach eine für das Baden ausreichende Wasserqualität dank naturnaher Filter auf einer um mehr als 60 Prozent kleineren Filterfläche erzielt werden, was das Projekt erheblich vereinfache. So könne etwa der Betonkanal zur Hochwasserabfuhr unter dem Filter wegfallen.

Auch das heutige Wehr im Spreekanal müsse nicht neu gebaut werden, wie ursprünglich geplant. „Diese erhebliche Vereinfachung wird möglich, indem wir zwei hintereinander liegende Reinigungsverfahren mit einem Steuersystem kombinieren, das laufend Mess- und Prognosedaten zur Wasserqualität erzeugt und verarbeitet„. Das sagt Carsten Riechelmann, der im Verein das Forschungsprojekt koordiniert.

Abschlussbericht soll im März dem Senat vorgelegt werden

Mit dem Abschlussbericht, den der Verein Ende März dem Senat vorlegen will, wollen die Macher letzte Zweifel ausräumen. Sie betonen, dass die Ergebnisse der Forschungsaktivitäten ihre eigenen Erwartungen bei weitem übertroffen hätten.

Das lange Durchhaltevermögen des Vereins und auch des Senats haben sich ausgezahlt. Wir sind froh darüber, dass das Projekt jetzt insgesamt eleganter, ökonomischer und nachhaltiger wird, und dass wir den Bedenken des Denkmalschutzes so noch besser entsprechen können“ heißt es in einer Presserklärung.

Sobald der Abschlussbericht vorliegt, sind der Berliner Senat und auch der Bezirk Mitte gefragt. Die offensive Kommunikation einer möglichen Kosteneinsparung für das Projekt kommt natürlich nicht von ungefähr. Die Projektinitiatoren wollen sicherlich vermeiden, dass das Vorhaben im Zuge der kritischen Berichterstattung über die geplante Freitreppe gänzlich in den Schubladen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verschwindet. Es bleibt also weiterhin spannend im Spreekanal zwischen Humboldt Forum und Bodemuseum.

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© Visualisierungen: creativecommons / Flußbad Berlin e.v.

Utopische Vision oder machbares Konzept? Das Vorhaben, im Spreekanal an der Museumsinsel ein Flussbad einzurichten, scheidet die Geister – wurde international aber bereits mehrfach prämiert.

Das Wasser der Spree soll zukünftig durch natürliche Filterbereiche so gereinigt werden, dass ein Schwimmen in der Spree bedenkenlos möglich sein soll.

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3 Kommentare

  1. Dr. Heide Ellerbrock März 20, 2022

    Diese Aussage verschönt doch Tatsachen. Im Febr. wurde bekannt, dass Berliner Gewässer nicht die WRRL bis 2027 einhalten können, 503 Mio. € Strafzahlung ansteht. Das Klärwerk Schönerlinde muss für 50 Mio. nachrüsten, damit die Bäder an der Havel offenbleiben können. Im Innenstadtbereich läuft an 18 Stellen die Mischkanalisation ungeklärt ein, ebenso das ungeklärte Regenwasser, vermengt mit Keimen und Parasiten des Ratten-, Hundekots etc. Die bisherigen Filter haben schon die Reinigung des Kanals nach eigenen Aussagen nicht geschafft, jetzt geht es vereinfacht? Hoffentlich sind die E-Coli-Frühwarnmessungen nicht nur wieder einziges Kriterium für Wasserqualität. Diese Verschleierung hat dem Verein schon die Millionenförderung eingebracht.

    • Tim Edler (Flussbad Berlin e.V.) März 21, 2022

      Liebe Frau Ellerbrock!

      Es ist falsch, dass wir in der Vergangenheit gesagt hätte, dass die Filter die Reinigung des Kanals nicht geschafft hätten.
      Der Plan ist schon seit 2014, das Spreewasser durch eine Kombination aus Biofilter und punktueller UV Behandlung sauber zu bekommen ist. Wir haben den Nachweis, dass dieses von uns vorgeschlagene System funktioniert und sogar besser, als ursprünglich gedacht. Die Filterfläche wird demnach entscheidend kleiner werden.
      Die Kriterien für die Wasserqualität suchen wir uns nicht selber aus, sondern sind gesetzlich geregelt. Hier gibt es ziemlich wenig zu verschleiern.

  2. ecke März 20, 2022

    Der Verein feiert hier schon Untersuchungsergebnisse zum Filter, die Ende März öffentlich gemacht werden sollen. Die Aussagen sind sehr vage und unkonkret. Aber es wird schon wieder publicity damit gemacht.
    Ich würde mich freuen, wenn die Behauptungen zutreffen. Jedoch ist die Praxis das Kriterium der Wahrheit, in diesem Fall wissenschaftlicher Ergebnisse. In diesem Sinne ist es Usus nicht von Untersuchungen aus gleich in Großprojekte einzusteigen. Ich bin daher dafür, falls die Ende März vorzulegenden Ergebnisse zur Wasserqualität positiv sind, diese in einem Pilotprojekt (Versuchsanlage, egal, wie man es nennen will) an anderer Stelle (East Side Gallery) zu testen. So wie ich das schon 2017 vorgeschlagen habe.
    Meine übrigen Bedenken zum Bad im Spreekanal bzgl. Invest-und unbezifferten Betriebskosten, Attraktivität im Dauerbetrieb, Familien(un)freundlichkeit, Sicherheit, Ästhetik, Denkmalschutz u.a. bleiben bestehen.
    Ich möchte auch dafür plädieren, dass durch eine unabhängige ehrenamtliche Kommission die Zukunft des Projektes beurteilt wird, falls der Senat sich außerstande fühlt, zeitnah eine pragmatische Entscheidung zu fällen.

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