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Nachhaltige Projekte in Berlin, Teil 2: Berliner bewässern Straßenbäume

Das Thema Nachhaltigkeit ist längst im Bereich der Stadtentwicklung angekommen. Auch in Berlin gibt es zahlreiche Initiativen und Projekte, die nachhaltige Produkte und Entwicklungen vorantreiben. Im Rahmen unserer neuen Reihe “ENTWICKLUNGSSTADT bewegt BERLIN” stellen wir regelmäßig ein neues, nachhaltiges Produkt vor. Im zweiten Teil der Serie beschäftigen wir uns mit der ehrenamtlichen Initiative „BerlinerBäumeWässerer“.

Text: Celine Hellriegel

 

In unserer neuen Reihe „ENTWICKLUNGSSTADT bewegt BERLIN“ stellen wir regelmäßig ein nachhaltiges Projekt aus Berlin vor. Im ersten Teil der Serie berichteten wir über den MehrwegbÖcher aus dem Bötzowkiez in Prenzlauer Berg.

Im zweiten Teil geht es um das Projekt „BerlinerBäumeWässerer“, eine ehrenamtliche Initiative, die die Jungbäume in unserer Stadt pflegt. Mit ihrem Projekt wollen die Neuköllner Sebastian Herges und Lukas Jülich nicht nur die Berliner Bäume vor dem Trockenstress bewahren, sondern auch auf dringende Themen wie den Klimawandel aufmerksam machen.

„Trockenstress“ bedroht Berliner Straßenbäume

Die anhaltende Trockenheit sorgt in der Hauptstadt für viel Besorgnis. Der März in der Metropolregion war so trocken und sonnig wie noch nie zu vor. Es gab nur einen Liter Niederschlag pro Quadratmeter, ein absoluter Negativrekord seit Beginn der Wetteraufzeichnung.  Aber auch allgemein setzt die Trockenheit der vergangenen Jahre den Wasserbeständen immer mehr zu.

Betroffen sind knapp eine Millionen Straßen- und Parkbäume in Berlin.  Acht Bezirke vermeldeten einen signifikanten Rückgang des Baumbestands im Jahr 2021. Jetzt ist es wichtig, mit der Bewässerung anzufangen. In den Frühjahrsmonaten transportieren nämlich Bäume die Wasserreserven beim Austreiben in die Knospen. Erst bei der Blätterbildung ist es möglich, festzustellen, ob die Bäume unter dem sogenannten Trockenstress, also Wassermangel, leiden.

„Trockenstress“ kann verschiedene Ursachen haben

Das Ausmaß des Trockenstresses ist standortspezifisch auch unterschiedlich stark. Eine zusätzliche Belastung ist auch das Streuen von Salz während der Wintermonate, welches kaum verdünnt in den Boden gelangt. Das beeinträchtigt vor allem die Fotosyntheseleistung, also den Energiebedarf, der durch den Wassermangel und die Salzkonzentration empfindlich gestört wird.

An den Bäumen ist das dann durch weniger und kleinere Blätter und lichtere Baumkronen abzulesen. Trockenstress lässt sich am besten ganz oben im Baum feststellen, wenn dort weniger Blätter wachsen: Zudem sind sie häufig kleiner und heller.

2018 gründeten zwei Neuköllner die Initiative

Sebastian Herges und Lukas Jülich wurden daher aktiv und gründeten bereits 2018 die Initiative „BerlinerBäumeWässerer“. Anfangs hatte das Grünflächenamt von Neukölln bei Anwohnerinnen und Anwohnern um Unterstützung beim Bewässern der Bäume im Bezirk gebeten. Mit Schubkarren, die mit vollgefüllten Gießkannen beladen sind, laufen Herges und Jülich durch die Neuköllner Straßen und bewässern fleißig die Jungbäume.

Schon seit vier Jahren helfen und pflegen die beiden Neuköllner ehrenamtlich und treffen sich jeden ersten Sonntag im Monat mit anderen Unterstützerinnen und Unterstützern zum Bewässern von rund 100 Jungbäumen.

Die richtige Art des Bewässerns ist entscheidend

Acht bis zehn Eimer Wasser wöchentlich bräuchten die Bäume, um erhalten zu bleiben, so Christian Hönig, Fachreferent für Baumschutz beim Berliner BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Wichtig ist dabei, dass der Boden um den Stamm richtig durchgefeuchtet sein muss, denn zu wenig Wasser schadet eher.

Die Berliner Bäume sind auf die Hilfe der Anwohnerinnen und Anwohner angewiesen. Der Bezirk Lichtenberg hat dafür bereits öffentlich um Hilfe der Bürgerinnen und Bürger gebeten. Denn ohne deren zusätzliche Unterstützung seien Schäden nicht zu vermeiden, so der Bezirk.

Mit ihrer Initiative „BerlinerBäumeWässerer“ wollen die beiden Neuköllner nicht nur das Stadtgrün erhalten, sondern auch im aufklärenden Sinne agieren und auf übergreifende Themen, wie den Klimawandel, Umweltschutz und eben die zunehmende Trockenheit, aufmerksam machen.

Auszeichnung für die Gründer der Initiative

Für ihr Engagement wurden Herges und Jülich schon zwei Mal vom Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) mit einer Urkunde ausgezeichnet. Aber der Einsatz wird nicht nur durch den Bürgermeister belohnt, auch die sichtbaren Erfolgserlebnisse der blühenden Jungbäume sorgen für Bestätigung und bestärken den Willen der Beiden, diese Bewässerungsaktion auszuweiten.

Eine erste große, bezirksübergreifende Bewässerungsaktion wurde bereits am Sonntag durchgeführt. Auf der 1. Mai-Demonstration wurde auf die Situation und das Ehrenamt aufmerksam gemacht,  anschließend wurde im Südwestkorso im Schöneberger Ortsteil Friedenau eine umfassende Gießaktion durchgeführt.

Gießaktionen in Berliner Bezirken

Gemeinsam mit dem SPD-Abgeordneten Orkan Özdemir und ausgestattet mit zwei großen Bollerwagen und 20 Gießkannen konnten junge Bäume mit je 14 Litern Wasser versorgt werden. Eine weitere Bewässerungsaktion soll es dann im Juni in Steglitz-Zehlendorf geben. „Unser Ziel ist es, jeden Monat in einem anderen Bezirk die Bäume zu bewässern, wo wir wissen, dass sie es dringend brauchen“, sagt Herges.

Weitere Termine und Infos werden auf der Facebook-Seite „BerlinerBäumeWässerer“ geteilt oder ihr schaut direkt auf der Webseite nach und werdet selbst aktiv und rettet die Berliner Bäume vor der Trockenheit!

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier:

 

Überlebensnotwendig: Ausreichend Wasser für die Stadtbäume Berlins, vor allem während anhaltenden Trockenphasen.

 

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