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Guido Spars: Gründungsdirektor für Bauakademie-Wiederaufbau

Guido Spars, der neue Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie, hat am 1. September 2021 sein Amt angetreten. Das Ziel ist klar: Das ikonische Schinkel-Gebäude unweit des Humboldt Forums soll wiederaufgebaut und mit Leben gefüllt werden.

Die historische, 1962 abgerissene Bauakademie, wie sie ab Ende des 19. Jahrhunderts unweit des Stadtschlosses vom Baumeister Karl Friedrich Schinkel errichtet wurde.

© Fotos Guido Spars: Stephanie von Becker / Bundesstiftung Bauakademie

© Grafiken / Fotos historische Bauakademie: Förderverein Bauakademie

 

Es war definitiv kein leichter Weg, bis die richtige bzw. von allen Seiten akzeptierte Person zur Ausführung der Gründungsdirektion der Bundesstiftung Bauakademie gefunden war. Das Hickhack um die Besetzung des Gründungsdirektor-Postens hatte sich über mehrere Monate hingezogen und das Projekt im vergangenen Jahr in arge zeitliche und inhaltliche Bedrängnis gebracht.

Nachdem die erste Wahl der Findungskommission, Florian Pronold, von Fachleuten und Architekten abgelehnt worden war und dieser letztlich von seinem Amt zurückgetreten war, wurde der Posten im März 2021 neu besetzt. Der Wuppertaler Architekturprofessor Guido Spars soll als Gründungsdirektor die Aufbau der Bundesstiftung verantworten.

Guido Spars wird Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie

Spars soll in seiner neuen Funktion ein inhaltliches und bauliches Konzept für den Wiederaufbau des 1962 abgerissenen Gebäudes finden und auch die Bauakademie als Institution und ihre zukünftige Funktion klar definieren. Die Bundesstiftung Bauakademie wurde im Januar 2019 gegründet und soll satzungsgemäß die Aufgaben erfüllen, das Gebäude der Bauakademie am Schinkelplatz in Berlin-Mitte wieder zu errichten und in der Folge zu betreiben.

Guido Spars soll künftig Gespräche mit Kooperationspartner*innen aus unterschiedlichen Bereichen des Planens und Bauens aufnehmen und ein Raumnutzungskonzept für das zukünftige Akademiegebäude erarbeiten, auf dessen Grundlage ein Architekturwettbewerb ausgelobt werden kann.

Das zukünftige Gebäude soll nachhaltig werden

Die neue Bauakademie soll dabei nach Wunsch der Bundesstiftung höchste Anforderungen der Nachhaltigkeit erfüllen und ein „Ort der Innovationskraft“ werden. Ambitionierte Ziele also für eines der meistbeachteten Bauprojekte im historischen Zentrum Berlins. Vor allem durch die Fertigstellung des Humboldt Forums liegt wieder deutlich mehr Aufmerksamkeit auf dem seit Jahrzehnten forcierten Wiederaufbau.

Spars selbst äußert sich wie folgt zum Projekt: „Das wieder zu errichtende Gebäude der Bauakademie gibt uns die Chance, an diesem zentralen Ort zu zeigen, dass Nachhaltigkeit keine leere Formel ist, sondern gut gelingen kann, wenn man Form und Inhalt verbindet. Die Bundesstiftung Bauakademie wird einen Think Tank und eine Plattform für Ideen und Innovationen rund um das nachhaltige Planen und Bauen etablieren.“

Die neue Bauakademie: Think Tank für innovatives Bauen

Dieser Think Tank soll zukünftig Themen wie Digitalisierung, Circular City, Gesundheit und Wohnen vorausdenken, über Arbeitsgruppen in die Planungs- und Baupraxis hineintragen und mit Ausstellungen und Veranstaltungen verknüpfen.

Die Bauakademie soll in ihrer neu erdachten Funktion quasi als „Akademie der Akademien“ funktionieren und forschenden und Wissen vermittelnden Einrichtungen attraktive Räumlichkeiten für Veranstaltungen jeglicher Art bieten. Das neu zu errichtende Gebäude soll also nicht als hohler Baukörper wieder errichtet werden, sondern nach dem Wiederaufbau auch eine relevante, inhaltliche Rolle im Kernbereich Zukunft des Bauens spielen.

Erste Stellen werden besetzt

Als ersten Schritt zur Etablierung der Grundkonzeption wird die Bundesstiftung Bauakademie in den kommenden Monaten Stellen für das Baumanagement und vier maßgebliche, wissenschaftliche Profile besetzen: Digitalisierung beim Planen und Bauen, Nachhaltigkeitsinnovation im Bauwesen, Zukunftsforschung und Stadtentwicklung sowie Klimawandel und Circular City.

Prof. Dr. Guido Spars ist diplomierter Volkswirt, promovierter Ingenieur und habilitierter Stadt- und Regionalökonom. Während seiner Berufung als Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie ist er von der Leitung des Lehrstuhls Ökonomie des Planens und Bauens an der Bergischen Universität Wuppertal beurlaubt. Er hat 2000 an der Technischen Universität Berlin promoviert und wurde 2007 dort habilitiert.

Die Bauakademie: Revolutionäres Gebäude des 19. Jahrhunderts

Das Bauwerk galt nach seiner Fertigstellung in seiner Konstruktionsweise als revolutionär für das 19. Jahrhundert. Es handelte sich dabei laut Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, „um das erste maßgebliche, profane Rohziegelgebäude in Preußen“.

Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sollte das Gebäude in der DDR wiederaufgebaut werden. Der Architekt Richard Paulick hatte einen Restaurierungs- und Wiederaufbauplan ausgearbeitet, sogar ein Richtfest wurde 1953 gefeiert. In den Folgejahren jedoch stockte das Projekt, die SED-Regierung wollte keine finanziellen Mittel mehr für das Projekt freigeben.

Zukünftige Gestaltung des Gebäudes ist noch offen

Aufgrund des 1958 ausgeschriebenen Ideenwettbewerbs der DDR zur “Sozialistischen Umgestaltung des Stadtzentrums” wurde gemäß Beschluss des Leitungskollektivs zum Aufbau des Stadtzentrums am 13. März 1962 die Bauakademie abgerissen, um Platz zu schaffen für die Errichtung des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR im Jahr 1966.

Aufgrund der zahlreichen Variablen und Unwägbarkeiten, die das Projekt derzeit noch begleiten, ist die zukünftige Gestalt des Gebäudes noch vollkommen offen. Anhänger der historischen Form, wie etwa der Förderverein Bauakademie, fordern den Wiederaufbau in seinen korrekten, historischen Ausmaßen und Ausstattungsmerkmalen.

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© Fotos Guido Spars: Stephanie von Becker / Bundesstiftung Bauakademie

© Grafiken / Fotos historische Bauakademie: Förderverein Bauakademie

So könnte das wiederaufgebaute Gebäude aussehen. Die endgültige Form ist derzeit noch offen.

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