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Kreuzberg: Wiederaufbau der Synagoge am Fraenkelufer geplant

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Projekte, bei denen historische Gotteshäuser restauriert, wiederaufgebaut oder in ihrer zukünftigen Nutzung vollkommen neu gedacht werden, gehören zu den spannendsten Stadtentwicklungsprojekten Berlins.

Über einige von ihnen haben wir auf ENTWICKLUNGSSTADT bereits berichtet, wie etwa die Rekonstruktion der Parochialkirche im Klosterviertel oder den Bau des House of One am Petriplatz. Viele dieser Projekte gehen auf private Initiativen zurück und können nur durch ein hohes Maß an bürgerlichem Engagement und eine große Spendenbereitschaft umgesetzt werden.

Historische Synagoge am Fraenkelufer soll neu errichtet werden

Ein weiteres Projekt diesen Formats wird seit etwa vier Jahren am Fraenkelufer in Kreuzberg vorangetrieben. Die Jüdische Gemeinde Berlin plant, das historische Haupthaus der Synagoge neu errichten zu lassen. Wie viele andere Synagogen auch wurde das prachtvolle Gebäude während der Reichskristallnacht im November 1938 zerstört.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs nutzt die ansässige Gemeinde das schlauchförmige Nebengebäude der einstigen Synagoge als Gotteshaus und Treffpunkt, da dieses in der Pogromnacht nur teilweise beschädigt wurde. Das Hauptgebäude hingegen war nach den Zerstörungen unnutzbar geworden, wurde erstaunlicherweise aber erst Ende der 1950er Jahre komplett abgerissen. Seit dieser Zeit funktioniert das Nebengebäude als eigentliche Synagoge.

Wie auch beim geplanten Wiederaufbau der Synagoge im Hamburger Grindelviertel soll die einstige Synagoge am Landwehrkanal in ihrer ursprünglichen Form und Ausdehnung wiederaufgebaut werden. Nur die Nutzung soll eine neue sein, denn in dem neuen Gebäude soll ein jüdisches Kulturzentrum entstehen.

Alte Form, neue Nutzung

Mit dieser Einrichtung möchte die Gemeinde ein Zeichen der Toleranz, des Miteinanders, der Weltoffenheit und des Zukunftsoptimismus senden. Einer der Initiatoren des Projektes ist Dr. Dekel Peretz. Er ist Vorsitzender des Vereins “Jüdisches Zentrum Synagoge Fraenkelufer” und treibt das Vorhaben seit etwa vier Jahren voran.

Die historische Synagoge entstand von 1913 bis 1916 im klassizistischen Stil nach Plänen von Alexander Beer, dem Baumeister der jüdischen Gemeinde. Sie bot damals Platz für 2.000 Personen und war damit eine der größten Synagogen der Stadt. Beer ist auch verantwortlich für die jüdische Mädchenschule in der Auguststraße und eine weitere Synagoge in Wilmersdorf, die ebenfalls 1938 beschädigt wurde und komplett niederbrannte.

1916 wurde das die Synagoge eröffnet, mitten im ersten Weltkrieg

In dem Gebäude am Fraenkelufer (damals Kottbusser Ufer), welches mittelalterliche und barocke Stilelemente vereinte, waren ein Saal für Jugendgottesdienste, die Wochentagssynagoge und Dienstwohnungen untergebracht. Die nun forcierten Wiederaufbaupläne haben bereits eine große Zahl von Unterstützern aus aller Welt. Gemeinsam mit der Hamburger Wiederaufbauinitiative wäre es die erste Synagoge in Deutschland, die von den Nazis zerstört wurde und neu errichtet werdan kann.

Die jüdische Gemeinde in Kreuzberg verzeichnet seit über zehn Jahren ein signifikantes Wachstum. Das jüdische Leben in Kreuzberg, welches auch während des Kriegs und der anschließenden Jahrzehnte nie aufgehört hatte, hat vor allem seit der Wiedervereinigung eine ganz neue Dynamik gewonnen.

Wachsende jüdische Gemeinde in Kreuzberg

Die Gemeinschaft, die sich im Nebengebäude des einstigen Haupthauses trifft, ist vor allem in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewachsen. Das liegt vor allem an den vielen Juden, die aus dem Ausland hergezogen sind. Sie kamen aus Ländern wie den USA, Ungarn oder Israel, einige auch aus Lateinamerika.

Ein erster Entwurf des Architekten Dr. Kilian Enders für den Wiederaufbau der Synagoge zeigt, wie der Baukörper sich zukünftig in das bestehende Umfeld einfügen würde und macht die Dimensionen des möglichen Neubaus deutlich. Wichtig zu wissen: Die exakte Form und Gestaltung des Gebäudes steht derzeit noch nicht fest. Es soll sich aber stark am historischen Vorbild orientieren.

Internationale Unterstützung für das Projekt

Das Projekt hat inzwischen international Aufmerksamkeit erregt. „La Repubblica“, „Times of Israel“ und die „Washington Post“ haben über den geplanten Wiederaufbau berichtet.

Dazu gibt es ein prominent besetztes Kuratorium, welchem der regierende Bürgermeister Michael Müller ebenso angehört wie die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann, Gregor Gysi und Hamburgs früherer Bürgermeister Ole von Beust.

Geschätzte Baukosten: 20 Millionen Euro

Auch Raed Saleh von der Berliner SPD unterstützt das Projekt intensiv. Nach aktuellen Schätzungen soll der Wiederaufbau rund 20 Millionen Euro kosten. Finanziert werden soll das Vorhaben durch Lottomittel, Stiftungsgelder und private Spenden.

Spenden für das Projekt werden auf der offiziellen Internetseite des Vereins gesammelt.

Weitere Bauprojekte und Planungen in Kreuzberg gibt es hier
Hier geht es zum Artikel über das geplante “House of One” am Petriplatz
Hier geht es zum Artikel über die Parochialkirche im Klosterviertel

© Visualisierung Neubau der Synagoge: Kilian Enders

© Historische Aufnahmen: Leo Baeck Institue New York / Berlin

 

Architekt Dipl.-Ing. Kilian Enders hat in seiner Visualisierung verdeutlicht, wie der wiederaufgebaute Gebäudekörper im bestehenden Umfeld wirken würde.

Die genaue Form und Gestaltung des Gebäudes steht derzeit noch nicht fest. Es soll sich aber stark am historischen Vorbild orientieren.

Historische Aufnahme: So sah das Gebäude in der kurzen Dauer seines Bestehens bis zum November 1938 aus

Das Gebäude vereinte mittelalterliche und klassizistische Elemente

Die Synagoge lag direkt am einstigen Kottbusser Ufer, heute Fraenkelufer. Diese Aufnahme wurde kurz vor Ende des 2. Weltkrieges gemacht, als das Gebäude bereits beschädigt war.

 

 

Projects in which historic houses of worship are restored, rebuilt or completely rethought in terms of their future use are among the most exciting urban development projects in Berlin.

We have already reported on some of them on ENTWICKLUNGSSTADT, such as the reconstruction of the Parochial Church in the Klosterviertel or the construction of the House of One at Petriplatz. Many of these projects are the result of private initiatives and can only be implemented thanks to a high level of civic commitment and a great willingness to donate.

HISTORIC SYNAGOGUE ON FRAENKELUFER TO BE REBUILT

Another project of this format has been going ahead for about four years on Fraenkelufer in Kreuzberg. The Jewish Community of Berlin is planning to have the historic main synagogue building rebuilt. Like many other synagogues, the magnificent building was destroyed during the Reichskristallnacht in November 1938.

Since the end of the Second World War, the local community has been using the tubular annex of the former synagogue as a place of worship and meeting place, as it was only partially damaged during the pogrom night. The main building, on the other hand, had become unusable after the destruction, but surprisingly was not completely demolished until the late 1950s. Since that time, the annex building has functioned as a synagogue proper.

As with the planned reconstruction of the synagogue in Hamburg’s Grindelviertel, the former synagogue on the Landwehrkanal is to be rebuilt in its original form and extent. Only the use is to be new, as a Jewish cultural center is to be established in the new building.

OLD FORM, NEW USE

With this facility, the community wants to send a signal of tolerance, togetherness, cosmopolitanism and optimism for the future. One of the initiators of the project is Dr. Dekel Peretz. He is chairman of the association “Jewish Center Synagogue Fraenkelufer” and has been pushing the project for about four years.

The historic synagogue was built from 1913 to 1916 in the classicist style according to plans by Alexander Beer, the master builder of the Jewish community. At the time, it could seat 2,000 people, making it one of the largest synagogues in the city. Beer was also responsible for the Jewish girls’ school on Auguststrasse and another synagogue in Wilmersdorf, which was also damaged in 1938 and burned down completely.

THE SYNAGOGUE OPENED IN 1916, IN THE MIDDLE OF THE FIRST WORLD WAR

The building on Fraenkelufer (then Kottbusser Ufer), which combined medieval and Baroque stylistic elements, housed a hall for youth services, the weekday synagogue and service apartments. The reconstruction plans now being pushed forward already have a large number of supporters from around the world. Together with the Hamburg Reconstruction Initiative, it would be the first synagogue in Germany destroyed by the Nazis that can be rebuilt.

The Jewish community in Kreuzberg has been experiencing significant growth for over ten years. Jewish life in Kreuzberg, which had never ceased during the war and the decades that followed, has gained a whole new dynamic, especially since reunification.

GROWING JEWISH COMMUNITY IN KREUZBERG

The community that meets in the annex of the former main building has grown significantly, especially in the past ten years. This is mainly due to the many Jews who have moved here from abroad. They came from countries such as the USA, Hungary or Israel, and some also from Latin America.

A first draft by architect Dr. Kilian Enders for the reconstruction of the synagogue shows how the structure would fit into the existing environment in the future and makes clear the dimensions of the possible new building. Important to know: The exact shape and design of the building has not yet been determined. However, it is to be strongly based on the historical model.

INTERNATIONAL SUPPORT FOR THE PROJECT

The project has now attracted international attention. “La Repubblica,” “Times of Israel” and the “Washington Post” have reported on the planned reconstruction.

There is also a prominent board of trustees, which includes the governing mayor Michael Müller as well as the district mayor Monika Herrmann, Gregor Gysi and Hamburg’s former mayor Ole von Beust.

ESTIMATED CONSTRUCTION COSTS: 20 MILLION EUROS

Raed Saleh of the Berlin SPD also strongly supports the project. According to current estimates, the reconstruction will cost around 20 million euros. The project is to be financed by lottery funds, foundation money and private donations.

Donations for the project are collected on the official website of the association.

MORE BUILDING PROJECTS AND PLANS IN KREUZBERG CAN BE FOUND HERE
CLICK HERE FOR THE ARTICLE ABOUT THE PLANNED “HOUSE OF ONE” AT PETRIPLATZ
CLICK HERE TO READ THE ARTICLE ABOUT THE PAROCHIAL CHURCH IN THE KLOSTERVIERTEL DISTRICT

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