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Spannendes Thema für Schinkel-Wettbewerb 2023: „Stadt statt A 104″

Bereits im Sommer 2021 forderte der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg den Abriss der Autobahn A 104 im Berliner Südwesten. Nun macht der Verein das Vorhaben zum Thema des Schinkel-Wettbewerbs 2023.

Denkanstoß: Eine Visualisierung des Breitenbachplatzes ohne Autobahntrasse der A 104, die heute noch direkt durch den Platz führt.

© Visualisierungen: Patzschke Planungsgesellschaft mbH
Text: Björn Leffler

 

Bereits mehrfach berichteten wir über die Diskussion um einen möglichen Rückbau der Autobahntrasse der A 104 im Südwesten Berlins, zuletzt im März 2022. Auch ein Interview zum Thema führten wir mit den federführenden Architekten hinter diesem Denkanstoß, Robert Patzschke und Tobias Nöfer.

Nun hat der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) das Thema A 104 zum Kern des Schinkel-Wettbewerbs 2023 gemacht. Der Ideen- und Förderwettbewerb richtet sich an junge Menschen bis 35 Jahre aus den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Verkehrsplanung und Freie Kunst. Er zählt zu den bekanntesten und ältesten deutschen Nachwuchspreisen.

Bau der Stadtautobahn erfolgte durch dicht besiedelte Wohngebiete

Zum Hintergrund: Der Bau der Stadtautobahn wurde seit Ende der 1950er Jahre durchaus kompromisslos auch durch dicht besiedelte Wohngebiete der Westhälfte Berlins geführt und hat dadurch deutlich überdimensionierte Trassen geschaffen, die von vielen Anwohnerinnen und Anwohnern in den betroffenen Stadtquartieren seit vielen Jahren als nicht mehr zeitgemäß angesehen werden.

Beispielhaft für diese Entwicklung steht die Autobahnbrücke über dem Breitenbachplatz im Ortsteil Dahlem. Das 1980 eingeweihte Bauwerk dominiert den Stadtplatz vollends, wirkt in seiner Massivität aber tatsächlich deplatziert.

Seit mehreren Jahren diskutieren Anwohner, Bürgerinitiativen und Politiker darüber, welche Folgen ein Abriss für die städtebauliche Entwicklung des Platzes aber auch für die Verkehrsentwicklung in diesem Stadtraum haben könnte.

Seit 2021 beschäftigt sich der AIV mit dem Abriss der A 104

Der Architekten und Ingenieurverband Berlin-Brandenburg hat das Thema aufgenommen und forderte bereits im Sommer 2021 einen Abriss der Autobahn 104 und eine Neugestaltung der neu entstehenden Stadträume. Nun also soll der Architektur- und Stadtplanungs-Nachwuchs Ideen für eine neue, urbane Nutzung des Stadtraums nach einem möglichen Abriss der Autobahntrasse liefern.

Gesche Gerber und Ernst Wolf Abée, Vorsitzende des AIV-Schinkel-Ausschusses, äußerten sich zur diesjährigen Themenwahl wie folgt: „Im kommenden Schinkel-Wettbewerb werden wir in den verschiedenen Fachsparten die Frage stellen, welche städtebaulichen, verkehrlichen, architektonischen, künstlerischen und landschaftsgestaltenden Chancen sich aus dem Rückbau der A 104 ergeben. Wie wird der Umbau der autogerechten Stadt zur lebenswerten Stadt erfolgreich? Quartier 104 statt Bundesautobahn 104? Welche Verkehrsdichte verträgt die klimagerechte Stadt der Zukunft, welche Einwohnerdichte braucht die Urbanität der Metropole, welche neuen Nutzungen benötigt die resiliente Stadt?

Das Thema ist bereits im aktuellen Koalitionsvertrag enthalten

Der Stellenwert der Automobilität hat sich, vor allem in Berlin, inzwischen geändert, was in der Koalitionsvereinbarung der Regierungsparteien für die aktuelle Legislaturperiode seinen Niederschlag gefunden hat. Dort heißt es: „Die Koalition wird den Rück- und Umbau überdimensionierter Relikte der autozentrierten Stadt weiter vorantreiben, indem für Projekte wie den Rückbau der Breitenbachplatzbrücke / Tunnel Schlangenbader Straße mit konkreten Planungen begonnen wird. (…)

Robert Patzschke, der für die im vergangenen Jahr veröffentlichten Entwürfe des Breitenbachplatzes ohne Autobahn verantwortlich ist, äußert sich wie folgt: „Über 30 Jahre nach dem Fall der Mauer bietet die gesamte Trasse nicht ausgeschöpfte Baupotenziale für neue Formen innerstädtischer Mischung aus Wohnen, Arbeiten und neuer Mobilität. Zudem besteht die bestandspolitische Chance, vorhandene Potenziale wie die Russisch-Orthodoxe Kirche, die „Schlange“ und den „Bierpinsel“ besser zur Wirkung zu bringen.

Im Rahmen des Wettbewerbs werden Preisgelder in Höhe von bis zu 30.000 Euro vergeben. Die Ausschreibungsunterlagen stehen allen Interessierten ab September online auf der offiziellen Website des AIV  zur Verfügung.

Weitere Bilder zum Thema findet Ihr hier: 

Der Breitenbachplatz heute: Die Autobahn durchschneidet den Platz genau mittig und zerstört jegliches, urbanes Lebensgefühl. Das Bauwerk ist marode und muss entweder saniert oder abgerissen werden.

Es geht nicht nur um den Breitenbachplatz. Diese Übersicht zeigt die großen, städtebaulichen Potenziale, die ein Teilabriss der Stadtautobahn im Berliner Südwesten mit sich brächte.

Luftansicht des Breitenbachplatzes in Dahlem ohne Autobahnschneise.

Weitere Projekte in Steglitz-Zehlendorf findet Ihr hier

Quelle: AIV Berlin

 

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