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Ab 2024: Büros und Gastronomie im „Bierpinsel“ an der Schloßstraße

Eine Architektur-Ikone der 1970er Jahre soll wiederbelebt werden: Das „Bierpinsel“ genannte Gebäude an der Steglitzer Schloßstraße hat seit September 2021 einen neuen Eigentümer. Dieser will Büroflächen, Gastronomie und Veranstaltungen im markanten Bauwerk realisieren.

Büros, Gastronomie und Veranstaltungen: So soll der „Bierpinsel“ an der Steglitzer Schloßstraße zukünftig genutzt werden. Der Umbau soll 2023 starten.

 

Das seit 2017 unter Denkmalschutz stehende Gebäude mit dem Beinamen „Bierpinsel“, der ihm vom Berliner Volksmund verpasst wurde, soll eigentlich einen stilisierten Baum darstellen. So hatten es sich die Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte gedacht, die im damaligen West-Berlin auch das Kongresszentrum ICC konzipierten.

Das zwischen 1972 und 1976 errichtete Bauwerk ist ist in die Joachim-Tiburtius-Brücke integriert, die an dieser Stelle die Schloßstraße am Franz-Amrehn-Platz in Form einer Schnellstraße überspannt. Dominantes Gestaltungsmittel war beim gesamten Gebäudekomplex der Sichtbeton mit roten Kunststoffverkleidungen.

Überbleibsel der architektonischen „Pop-Art“ Strömung

Heute gilt der Bau als eines der wenigen Überbleibsel der sogenannten „Pop-Art“-Strömung in der Architektur der 1970er Jahre, wird hin und wieder aber auch zum Stil des „Brutalismus“ gezählt. Ungeachtet seiner architekturhistorischen Bedeutung hat das Gebäude jedoch schon bessere Zeiten erlebt.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten gab es lediglich einige Zwischennutzungen oder kurzfristige Versuche, im „Bierpinsel“ eine sinnvolle Nutzung zu etablieren. So wurde das Gebäude in den vergangenen Jahrzehnten als Diskothek, Sports-Bar oder Kunst-Café genutzt. Die Zeiten, in denen im „Bierpinsel“ ein umfangreicher Gastronomie- und Hotelbetrieb stattfanden – vor allem in den 1980er und 1990er Jahren – waren da jedoch längst vorbei.

Das Unternehmen „ImmoMa“ will das Gebäude reaktivieren

Die Zukunft jedoch soll sich deutlich positiver gestalten. Seit September 2021 hat das Gebäude einen neuen Eigentümer, und zwar das Immobilienunternehmen ImmoMa. Geschäftsführer Götz Fluck will den Turm zum Teil für Büros nutzen, er plant aber auch einen öffentlichen Bereich für Events oder Gastronomie.

Für den Erwerb des „Bierpinsels“ musste das Unternehmen rund 2,7 Millionen Euro überweisen. Fluck geht nach eigener Aussage davon aus, dass in die Modernisierung und den Umbau des Gebäudes noch einmal so viel Geld fließen wird.

Büros, Gastronomie und Eventflächen sollen entstehen

Konkret sollen beim geplanten Umbau drei Büroetagen und eine Etage mit gastronomischer Nutzung entstehen. Auf dem Dach könnte eine verglaste Terrasse mit Bar eingerichtete werden. Das Grundstück, auf dem sich das markante Gebäude befindet, gehört im Übrigen weiterhin dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Die ImmoMa hat lediglich das Gebäude selbst erworben.

Der Umbau des Objekts wird, darüber ist sich Götz Fluck vollkommen im Klaren, ausgesprochen komplex. Aufgrund der heute gültigen Brandschutzbestimmungen dürfen sich maximal 320 Personen gleichzeitig im Gebäude aufhalten, da es über die Treppe im Turm nur einen Zugang zum Gebäude gibt. Früher hielten sich bis zu 800 Menschen darin auf, der Gastronomiebetrieb erstreckte sich über mehrere Etagen.

Ein Teil des Gebäudes soll öffentlich nutzbar werden

So wird das Gebäude zukünftig nicht mehr aussehen. Die heute gültigen Sicherheitsstandards sollen im Rahmen des Umbaus eingehalten werden und gelten als Maßgabe für die zukünftige Nutzung. Daher wird das Gebäude vornehmlich als Bürofläche nutzbar gemacht.

Dass ein Teil des „Bierpinsels“ für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, ist auf den Bezirk Steglitz-Zehlendorf zurückzuführen. Dieser hatte die ursprünglichen Pläne der ImmoMa,  im Gebäude eine reine, nicht öffentliche Büronutzung umzusetzen, abgelehnt. Nun wurde ein entsprechender Kompromiss gefunden.

Sanierung startet 2023 – wird der neue „Bierpinsel“ grün?

Die Kernsanierung soll im kommenden Jahr starten. Dabei werden Fassaden, Fenster und die Gebäudetechnik komplett runderneuert. Auch der Asbest, der als Brandschutz die Rohre ummantelt, muss vollständig entfernt werden. Ein Herausforderung wird das Baugerüst, dass teilweise direkt über der Autobahn hängen soll.

Nach den Wünschen der neuen Betreiber soll die ursprüngliche, rot gestaltete Fassade nicht wieder hergestellt werden. Der neue „Bierpinsel“ soll, wenn es der Denkmalschutz denn zulässt, grün werden. So soll auch besser erkennbar sein, dass das Gebäude eigentlichen einen Baum darstellen soll. Vom Spitznahmen „Bierpinsel“ möchte sich die ImmoMa sukzessive lösen. Vor rund 12 Jahren war die gesamte Fassade des Gebäudes von Street-Art-Künstlern neu gestaltet worden.

Umbau soll bis 2024 abgeschlossen werden

Bis zum Jahr 2024 soll der Umbau des Gebäudes abgeschlossen werden, sicherlich ein ambitionierter Zeitplan. Nichtsdestotrotz: Interessenten für die Büroflächen gibt es bereits. Bis der Umbau startet, sollen immer wieder Zwischennutzungen und einzelne Events im Gebäude stattfinden.

Eine Etage wurde dafür mit einer Bar hergerichtet, auf zwei Etagen sind neue Sanitäranlagen eingebaut, der entsprechend notwendige Brandschutz ist abgenommen. Weihnachtsfeiern, Firmenpräsentationen oder Kunstaktionen sollen hier möglich sein.

Es wäre dem „Bierpinsel“ zu wünschen, dass es nicht zum nächsten „Überlin“-Projekt an der Schloßstraße wird. Eine erfolgreiche Modernisierung und Reaktivierung des einzigartigen Hochbaus wäre für das umliegende Quartier in Steglitz aber in jedem Fall eine sehr gute Nachricht.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

Bunt gestaltet: Die von Street-Art-Künstlern 2010 neu gestaltete Fassade des „Bierpinsels“ soll nach dem Umbau grün erstrahlen – wenn es der Denkmalschutz zulässt.

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