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Wird das ICC in Charlottenburg zum „Centre Pompidou“ Berlins?

Seit mittlerweile fast acht Jahren befindet sich das ICC in einem Dornröschenschlaf, die Zukunft ist ungewiss. Nun hat Berlins neuer Wirtschaftssenator, Stephan Schwarz, Hoffnung gemacht. Er möchte das ICC wieder zu einem Aushängeschild machen.

313 Meter lang, 89 Meter breit und fast 40 Meter hoch: Das ICC in Berlin-Charlottenburg, welches seit fast acht Jahren leer steht.

 

Es sind bereits einige Berliner Landesregierungen daran gescheitert, ein tragfähiges, zukunftsorientiertes Nutzungskonzept für das seit mittlerweile fast acht Jahren leerstehende ICC im Stadtteil Charlottenburg auf die Beine zu stellen.

Das ICC ist nicht das einzige, großdimensionierte Sanierungsprojekt, welches die Hauptstadt schultern muss. Erst am vergangenen Freitag sprach Jutta Heim-Wenzler, Geschäftsführerin der Tempelhof Projekt GmbH, über die Herausforderung, eines der größten Gebäude Europas – den ehemaligen Flughafen Tempelhof – zu sanieren und fit für zukünftige Nutzungen zu machen.

Berlins große Sanierungsprojekte: ICC und Flughafen Tempelhof

Heim-Wenzler sprach im Interview mit ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN von einer Sanierungsdauer, die sich über einen Zeitraum von rund 20 Jahren erstrecken könnte. Immerhin: auch wenn der Sanierungsbedarf beim ICC ebenfalls hoch ist, eine so lange Zeitspanne wie beim ehemaligen Flughafen Tempelhof wäre sicher nicht erforderlich.

Dennoch muss die Stadt Berlin das Geld für eine Sanierung des mit Asbest belasteten Baukörpers in die Hand nehmen, bevor in dem Gebäude neue Nutzungen entstehen können. Und vor genau diesem Schritt scheuten sich die Verantwortlichen bislang. Gern wurde die Ausrede herangeführt, dass bislang ein tragfähiges Nutzungskonzept für das Gebäude fehle.

Der ehemalige Finanzsenator Kollatz war kein Freund des ICC

Der mittlerweile ehemalige Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) war bekanntermaßen kein Freund des ICC und stellte eine Sanierung des ICC mehrfach in Frage – ohne jedoch einen Alternativvorschlag für das mittlerweile denkmalgeschützte Gebäude in der Tasche zu haben. Zuletzt strich er sogar die Investitionen, die für eine weitere Konzeptentwicklung des Gebäudes notwendig waren, aus dem Berliner Landeshaushalt.

Seit Dezember 2021 wird das Amt des Finanzsenators nun von  Daniel Wesener (Bündnis 90/Die Grünen) bekleidet. Aber natürlich ist die Entwicklung des ICC kein Thema, welches allein bei der Senatsverwaltung für Finanzen liegt. Auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wird hier ein gewichtiges Wort mitzureden haben, genauso wie die neu ins Amt gewählte Senatsbaudirektorin, Petra Kahlfeldt.

Wirtschaftssenator Stephan Schwarz will das Thema ICC in seiner Amtszeit lösen

In einem Interview mit dem Tagesspiegel äußerte sich zuletzt auch der neue Wirtschaftssenator Stephan Schwarz zum ICC. Er sagt offensiv: „Ich will die Frage des ICC in meiner Amtszeit lösen.“ Schwarz betont, dass es aus seiner Sicht inakzeptabel sei, dass ein so großes und geschichtsträchtiges Gebäude wie das ICC leer stehe.

Schwarz betonte in diesem Interview auch, dass es durchaus spannende Zukunftskonzepte gebe: „Es gibt eine Menge guter Ideen, darunter Pläne für ein Mobilitätshub oder eine Nutzung für Kultur und Kongresse. Die von Thomas Oberender initiierte Ausstellung ‚The Sun Machine is coming down‘ hatte gezeigt, wie es gehen kann.“ Das Kunst-, Film- und Performance-Festival fand Anfang Oktober 2021 im ICC statt und zeigte Möglichkeiten einer zukünftigen, kulturell ausgerichteten Nutzung des Gebäudes auf.

Schwarz zieht einen Vergleich mit dem Centre Pompidou in Paris

Schwarz, der selbst mehrere Jahre in Paris gelebt hat, zog einen Vergleich zum dortigen Centre Pompidou und betont, wie viel Geld die französische Hauptstadt in den kommenden Jahren in die Sanierung des Gebäudes stecken wird, welches als Kunst- und Kulturzentrum genutzt wird und international bekannt ist.

Kunst und Kultur im ICC? Dieses Konzept findet Stephan Schwarz ausgesprochen spannend und beruft sich damit auf eines der spannendsten Konzepte, welches von der in Berlin ansässigen Projektgruppe ICCA erdacht worden ist. Unter dem Titel „ICCA“ (International Center for Contemporary Arts) schlägt das Büro eine Nutzung des Riesenbaus als Zentrum der Kulturszene vor.

Auch Monika Grütters machte sich längst für eine kulturelle Nutzung des ICC stark

Eine solche Nutzung hatte im Oktober 2021 auch die damalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters ins Spiel gebracht und sich für eine kulturorientierte Entwicklung des ICC stark gemacht. Aber auch die oben bereits erwähnte Nutzung des ICC als Mobility Hub wäre eine durchaus denkbare und sinnvolle Nutzungsvariante für das Gebäude, wie Graft-Architekt Thomas Willemeit bereits im Juni 2021 im ENTWICKLUNGSSTADT PODCAST ausführte.

Gut durchdachte Ideen für das ICC sind also definitiv vorhanden. Es braucht aber eben auch den politischen Willen, um eines dieser Konzepte umzusetzen. Zudem sollte darüber nachgedacht werden, ob nicht auch mehrere, inhaltlich völlig unterschiedliche Konzepte parallel im ICC untergebracht werden können – schließlich ist das Gebäude sehr groß.

Einen Abriss des Gebäudes schließt Stephan Schwarz kategorisch aus

Was nach Ansicht von Wirtschaftssenator Stephan Schwarz aber auf keinen Fall passieren darf, sei ein Abriss des Gebäudes, der auch schon mehrfach diskutiert wurde. Er positioniert sich klar für den Erhalt des Gebäudes: „Es ist eine Schande, dass man den Palast der Republik abgerissen hat. Da hat sich Berlin ein Stück weit an der eigenen Identität und Geschichte versündigt. Das darf mit dem ICC nicht noch einmal passieren. Der Bau ist eine Architekturikone der Moderne des vergangenen Jahrhunderts.

Gleichzeitig betont Schwarz aber auch, dass der Denkmalschutz die Sanierung des Gebäudes nicht leichter, sondern eher teurer mache. Nichtsdestotrotz möchte er die Aufgabe während seiner Amtszeit angehen und bis zu ihrem Abschluss ein Realisierungskonzept für das Gebäude am Dreieck Funkturm erarbeiten.

Das ICC: eine Architekturikone der Moderne

Das Internationale Congress Centrum Berlin, kurz ICC, war bis zu seiner Schließung im Jahr 2014 eines der größten Kongresshäuser der Welt. Das 313 Meter lange, 89 Meter breite und fast 40 Meter hohe Gebäude wurde nach Plänen der Berliner Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte erbaut und nach vier Jahren Bauzeit am 2. April 1979 eröffnet.

Mit fast einer Milliarde Mark Baukosten zählte es zu den teuersten Bauwerken des damaligen West-Berlin. Unzählige Messen, Tagungen sowie auch Konzerte und Fernsehshows wurden im ICC durchgeführt.

Auf das nächste städtebauliche Kapitel, welches im ikonischen Gebäude umgesetzt werden soll, wartet die Berliner Stadtbevölkerung seit nunmehr fast einem Jahrzehnt. Es wäre der Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern zu wünschen, dass dem maroden Gebäude bald wieder Leben eingehaucht wird.

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Architekturikone der Moderne: Das ICC in Berlin-Charlottenburg.

Zukunft als Kultur- und Kunstzentrum? Das ICC in Charlottenburg könnte nach dem Vorbild des Centre Pompidou in Paris entwickelt werden oder…

…zu einem Mobilitätszentrum der Zukunft entwickelt werden. Womöglich können auch mehrere Konzepte parallel im Gebäude umgesetzt werden, denn Platz ist ausreichend vorhanden.

Mögliches Vorbild? Das Centre Pompidou in der französischen Hauptstadt Paris.

Direkt am Dreieck Funkturm gelegen: Das 1979 eröffnete International Congress Centrum Berlin.

Quelle Interview Stephan Schwarz: Der Tagesspiegel

 

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