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Die Stadt, die immer wird und niemals ist: Berlin wird niemals aufhören, sich fortwährend neu zu erfinden. Darüber berichten wir jeden Tag neu.

Vision für das ICC: Ein Zentrum für E-Mobilität in der Berliner City West

Das Architekturbüro Graft ist bekannt für seine visionären Zukunftskonzepte, die sich nicht nur auf die Architektur von Gebäuden oder Stadträumen beziehen, sondern immer häufiger auch das Thema Mobilität der Zukunft in den Mittelpunkt stellen, wie schon der im Februar veröffentlichte Artikel über Grafts Magnetbahn-Visualisierung am Berliner Hauptbahnhof zeigte.

Während diese Visualisierung im Auftrag der Max Bögl Gruppe noch eine reine Konzeptstudie ohne jegliche Planungsgrundlage darstellte, ist die Idee, die das Büro für das Berliner ICC entwickelt hat, sehr viel konkreter und letztlich auch deutlich einfacher umsetzbar.

Thomas Willemeit und Oliver Schruoffeneger im iNTERVIEW

Zu diesem Thema konnten wir in der vergangenen Woche mit Thomas Willemeit, einem der drei Gründer des Büros Graft, sowie Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, sprechen. Das Gespräch werden wir als Podcast im Laufe der Woche auf unserer INTERVIEW-Seite veröffentlichen.

Das Internationale Congress Centrum Berlin, kurz ICC, war bis zu seiner Schließung im Jahr 2014 eines der größten Kongresshäuser der Welt. Das 313 Meter lange, 89 Meter breite und fast 40 Meter hohe Gebäude wurde nach Plänen der Berliner Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte erbaut und nach vier Jahren Bauzeit am 2. April 1979 eröffnet.

Das ICC war eines der größten Kongresshäuser der Welt

Mit fast einer Millarde Mark Baukosten zählte es zu den teuersten Bauwerken des damaligen West-Berlin. Unzählige Messen, Tagungen sowie auch Konzerte und Fernsehshows wurden im ICC durchgeführt.

Seit Jahren wird in Berlin über die Zukunft des Gebäudes diskutiert. Die Messe Berlin hat an einem Weiterbetrieb kein Interesse, da die Betriebskosten die Einnahmen aus Veranstaltungen übersteigen. Auch ein Abriss wurde ins Gespräch gebracht, dieser wird von großen Teilen der Berliner Politik jedoch abgelehnt. Seit September 2019 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Seit Jahren wird über die Zukunft des Gebäudes diskutiert

Im gleichen Jahr hatte der Berliner Senat Vorschläge für eine zukünftige Nutzung des Gebäudes eingeholt. Darunter waren sehr unterschiedliche Ideen: das ICC als Zentral- und Landesbibliothek, als riesiges Gewächshaus oder eben weiterhin als Standort für den Messebetrieb.

Auch das Büro Graft hat sich mit einem Vorschlag eingebracht. Die Vorstellung von Thomas Willemeit ist es, aus dem ICC ein Mobility Hub der Zukunft zu machen, auch im Namen: Das Projekt trägt den Titel “M.ICC”: Mobility Innovation Convention Center.

“M.ICC”: Mobility Innovation Convention Center

Das “M.ICC” soll wegweisende Lösungen anbieten, um das ungenutzte Potenzial des Komplexes zu nutzen und die Herausforderungen der Gegenwart anzugehen. Mit Blick auf einen der am stärksten frequentierten Verkehrsknotenpunkte Berlins am Dreieck Funkturm sowie die ehemalige AVUS-Rennstrecke soll das ICC zum perfekten Ort für neue Visionen der Mobilität werden.

Das gemeinsam von Graft und Trockland entwickelte Konzept für den leerstehenden Koloss am westlichen Eingang der Stadt sieht ein Museum für Motorsportgeschichte, ein Mobilitätserlebnis und die Realisierung von Berlins größter E-Ladestation vor.

Der perfekte Ort für neue Ideen der Mobilität?

Baulich soll das Gebäude dabei bleiben, was es ist: eine Ikone der modernen Architektur. Bauliche Veränderungen wären daher nur im inneren Bereich geplant, um Büro-, Ausstellungs-, Test- und Stauflächen zu schaffen.

Denn neben der Nutzung als gigantische Ladestation für elektrisch angetriebene Fahr- und Fluggeräte soll das ICC auch Heimat für Unternehmen und Start-Ups werden, die im Bereich der E-Mobilität tätig sind, oder genau dorthin wollen.

Heimat für Unternehmen der E-Mobility-Branche

Unterstützt wird das Vorhaben vom Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der das Thema Verkehrswende und E-Mobilität in den kommenden Jahren vorantreiben und innovative Verkehrskonzepte umsetzen möchte. Das ICC als zukünftiges Zentrum elektromobiler Verkehrssteuerung wird von Oliver Schruofenegger (Grüne) sehr positiv bewertet.

Zwar wurde in den Medien unlängst die Nachricht verbreitet, dass für die weitere Entwicklung des ICC im Doppelhaushalt des Landes Berlin keine weiteren Mittel zur Verfügung gestellt werden, jedoch ist hier im Vorfeld des zu erwartenden Wahlkampfes im September mit Sicherheit noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Kein weiteres Geld für die Entwicklung des ICC?

Das ICC einfach auch weiterhin in seinem jetzigen Zustand zu belassen, kann eigentlich nicht das Konzept einer rot-rot-grünen Regierung sein, welche die Themen Verkehrswende und E-Mobilität ganz oben auf ihrer Agenda zu stehen hat.

Die Chancen, die das ICC infrastrukturell bietet, sind offenbar noch nicht auf allen politischen Ebenen erkannt worden. Wir werden die weitere Entwicklung des ICC daher sehr aufmerksam verfolgen.

Weitere Projekte in Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es hier.
Die unerfüllte Vision: Berlin und die Magnetbahn-Technologie

© Visualisierung ICC: GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH

 

Koloss im Westen Berlins: Das Inernationale Congress Centrum

Umstrittene Architektur: Das ICC, mittlerweile denkmalgeschützt, gilt als Ikone der modernen Architektur und gehörte zu den teuersten Bauwerken des einstigen West-Berlin

 

 

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1 Kommentar

  1. stoelen Juni 4, 2021

    Die Daimler-Konzern-Marke Mercedes-Benz hat angekundigt, seinen Geschaftsbereich Drive Systems und das Werk Stuttgart-Unterturkheim auf Elektroantriebe ausrichten zu wollen. Das soll im Kontext des Strategieplans “Ambition 2039” geschehen, mit dem das Unternehmen den Weg zur CO Die Vereinbarung starke die Rolle von Unterturkheim als Entwicklungs- und Qualifizierungs-Hub fur Antriebstechnologien. Zusatzlich soll der Standort seine bereits breite Kompetenz im Bereich E- Mobilitat mit einem Campus fur elektrische und elektrifizierte Antriebe weiter ausbauen. Dafur erganzen eine neue Fabrik fur die Kleinserienfertigung von kunftigen Lithium-Ionen Batteriezellen und ein eigenes Battery Safety Lab die bestehenden Forschungs-und Entwicklungsaktivitaten im Bereich Batterietechnologie.

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