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Sicheres Abbiegen: Modellversuch am Platz der Vereinten Nationen

Am Platz der Vereinten Nationen in Berlin-Friedrichshain soll ein Modellversuch zeigen, ob die Sicherheit von Radfahrenden an Verkehrskreuzungen erhöht werden kann. Dabei soll das sogenannte „niederländische Modell“ getestet werden.

 

Bereits am 18. Oktober berichteten wir über das Vorhaben, entlang des Volksparks Friedrichshain einen insgesamt drei Kilometer langen, breiten Fahrradweg zu errichten. Dieser soll ab dem 2. Quartal 2022 gebaut werden und auch über die vielbefahrene Verkehrskreuzung Landsberger Allee/Friedenstraße (Tram-Haltestelle „Platz der Vereinten Nationen“) führen.

Sowohl diese Kreuzung als auch die in unmittelbarer Nähe liegende Kreuzung direkt am Platz der Vereinten Nationen, wo die verlängerte Mollstraße auf die Lichtenberger Straße trifft, soll im Rahmen eines  Modellversuchs umgebaut werden, um die Sicherheit der Fahrradfahrer*innen zu erhöhen.

Modellversuch „Geschützte Kreuzungen“ nach niederländischem Vorbild

Beide Kreuzungen sollen zu sogenannten „geschützten Kreuzungen“ werden, wie die Verkehrsverwaltung Anfang der Woche mitteilte. Die Verkehrspunkte wurden gemeinsam mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ausgewählt.

Bei den „geschützten Kreuzungen“ nach niederländischem Vorbild handelt es sich um ein spezielles Design von Knotenpunkten, das insbesondere schwere Rechtsabbiege-Unfälle verhindern soll. Ein infrastrukturelles Problem, welches auch in Berlin in diesem Jahr wieder das Leben mehrerer Radfahrerinnen und Radfahrer gekostet hat.

Ziel: Straßenverkehr ohne Tote und Schwerverletzte

Verkehrssenatorin Regine Günther (Die Grünen) äußerte sich zum Umbauvorhaben wie folgt: „Sichere Kreuzungen sind ein entscheidender Baustein für die Vision Zero – dem Ziel eines Straßenverkehrs möglichst ohne Tote und Schwerverletzte. (…) Wie das holländische Kreuzungsmodell die Risiken vermindern kann, werden wir jetzt in Berlin untersuchen.

Die „geschützten Kreuzungen“ setzen auf mehrere, gestalterische Elemente, welche die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer*innen verbessern sollen. So gibt es unter anderem Schutzinseln an den Kreuzungsecken zwischen Rad- und Kfz-Verkehr, die dazu führen sollen, dass Auto- oder Lkw-Fahrer*innen langsamer abbiegen.

Verbesserte Sichtbeziehungen zwischen Auto- und Fahrradverkehr

Radfahrende erhalten zudem einen von den Kfz-Fahrspuren baulich getrennten Streifen sowie einen vorgezogenen, geschützten Bereich, wo sie vor dem Überqueren der Straße warten können. Damit sind sie deutlich präsenter im Blickfeld der an der Ampel wartenden Autofahrer*innen.

Die Sichtbeziehungen zwischen Auto- und Radverkehr sollen somit also deutlich verbessert werden. Die beiden Kreuzungen wurden für den Modellversuch ausgesucht, weil hier eh bauliche Verbesserungen nötig sind und durch die querende Straßenbahn eine berlintypische, komplexe Verkehrssituation gegeben ist. Die Sicherheit der Radfahrenden soll aber nicht nur durch bauliche Eingriffe erhöht werden. Auch getrennte Ampelphasen sollen die Verkehrsströme voneinander separieren.

Getrennte Ampelphasen sollen zusätzlich Sicherheit bringen

Dies ist allerdings unabhängig vom Modellversuch zu sehen, denn die Verkehrsverwaltung hat dazu eine grundsätzliche, berlinweit gültige Vorgabe erarbeitet. Das bedeutet, dass beim Bau neuer oder der Überarbeitung bestehender Ampeln standardmäßig zu prüfen ist, ob eine getrennte Ampelschaltung möglich oder notwendig ist.

Wie das Zusammenspiel zwischen Auto- und Radfahrenden sowie den ebenfalls beteiligten Fußgänger*innen funktionieren wird, soll im Rahmen des Projekts ausführlich untersucht werden. Anschließend soll festgelegt werden, ob das Modell auch auf weitere Verkehrsknotenpunkte in der Stadt ausgeweitet werden kann. Ein Termin für den Baustart des Projekts wurde bislang allerdings noch nicht kommuniziert.

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Verkehrssituationen wie hier am Mühlendamm, wo es direkte Konflikte zwischen Auto- und Radverkehr gibt, sollen zukünftig vermieden werden.

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