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Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Bund plant Umbenennung

Einem aktuellen Bericht des „Spiegel“ zufolge erwägt der Bund eine Umbenennung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Unter dem Dach der 1957 gegründeten Institution sind zahlreiche Museen und Kultureinrichtungen gebündelt.

Eines der bekanntesten Museumsensembles weltweit und Herzstück der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Die Berliner Museumsinsel im historischen Zentrum der deutschen Hauptstadt. / © Foto: depositphotos.com

© Fotos: depositphotos.com
Text: Björn Leffler

 

Die Museen und Kultureinrichtungen, die unter der 1957 gegründeten Stiftung Preußischer Kulturbesitz gebündelt werden, gehören zu den bedeutendsten Kulturstätten Europas. An sieben Standorten Berlins befinden sich die zugehörigen Stätten der „SPK“.

Es sind zum Teil historische Orte der preußischen Sammlungen. Sie sind schon lange vor der Gründung der Stiftung entstanden. Andere Standorte entwickelten sich infolge konzeptioneller Planungen der Stiftung im zunächst geteilten und seit 1990 wiedervereinigten Berlin.

Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Kulturstätten an 7 Berliner Standorten

Neben den Museen auf der Museumsinsel in Mitte gehören die Einrichtungen auf dem Kulturforum, der Hamburger Bahnhof, die Sammlungen in Berlin-Dahlem und weitere Kulturhäuser in Charlottenburg und Köpenick zur Stiftung.

Die Stiftung gilt als weltweit renommierte Kultureinrichtung und als ein bedeutender Akteur in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Ausstellungen und Sammlungen dokumentieren die kulturelle Entwicklung der Menschheit von den Anfängen bis in die Gegenwart, in Europa wie in anderen Kontinenten.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth findet den Namen nicht mehr zeitgemäß

Die amtierende Kulturstaatsministerin Claudia Roth, die nach der letzten Bundestagswahl auf Monika Grütters folgte, machte im Gespräch mit dem Spiegel deutlich, dass für sie der Name Stiftung Preußischer Kulturbesitz nicht mehr zeitgemäß sei.

Der aktuelle Name bringe nicht „die Weltläufigkeit der Kulturgüter zum Ausdruck„, sagte Roth. „Neben der umfassenden Strukturreform, die den einzelnen Institutionen jetzt mehr Autonomie und Handlungsfähigkeit verschafft, brauchen wir in einem zweiten Schritt auch einen attraktiven, zukunftsgewandten Namen.

Roth: Der Name der Stiftung „schließt einen großen Teil Deutschlands aus“

Noch gibt es aber keinen Vorschlag für eine neue Bezeichnung. Der Name der „SPK“ stört Roth zudem, weil er einen großen Teil Deutschlands ausschließe. „Preußen ist ein wichtiges, aber nicht unser einziges Erbe, diese einseitige Priorisierung ist falsch, Deutschland ist viel mehr.

Überraschenderweise befürwortet der Präsident der Stiftung, Hermann Parzinger, selbst eine mögliche Umbenennung: „Wenn ich SPK sage, muss ich fast immer erklären, welche Institution ich vertrete„, sagt er. Vor allem im Ausland habe der Name wenig Strahlkraft.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz soll grundlegend reformiert werden

Es sei jedoch nicht einfach, einen neuen Namen zu finden, gute Vorschläge nehme er gern entgegen. „Das Ziel der Reform muss sein, dass wir unser riesiges Potenzial besser nutzen.“ Die Pläne haben mittlerweile ein größeres politisches sowie mediales Echo ausgelöst.

Kritik an den Umbenennungsplänen übte unter anderem der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Er sieht den Vorstoß  als „Versuch, sich von geschichtlichen Lasten zu befreien„. Thierse wirft den Grünen vor, dass sie „mit moralischem Furor Geschichtsreinigung betreiben“ würden.

Umgamg mit Preußens Erbe: Eine Diskussion, die „alle fünf Jahre“ geführt wird“

Maria Ossowski, SWR2-Kulturkorrespondentin, sagte zur aktuell laufenden Debatte: „Die Idee der Namensänderung gibt es gefühlt alle fünf Jahre. (…) Der bisherige Name steht eigentlich für den Kunstsammlerstaat. Jedoch macht er keinen Sinn für alle Kunstwerke, die nach 1945 dazugekommen sind.

Generell, so Ossowski, kranke die Stiftung Preußischer Kulturbesitz an einer chronischen Unterfinanzierung und einem zu engen Hierarchie-Korsett. Die Chefinnen und Chefs der Museen bräuchten mehr Eigenständigkeit, um die Kunst ans Publikum zu bringen. Ein neuer Name ändere allerdings nichts an diesem Problem.

Die Diskussion ist Teil einer Debatte über den Umgang mit der Geschichte Preußens

Die von Ossowski genannten Probleme sollen im Zuge der geplanten Strukturreform angegangen werden, die Roth und Parzinger bereits benannten. Der Plan, auch den Namen der Stiftung zu ändern, hat nicht unbedingt etwas mit dieser Reform zu tun, sondern ist Teil einer grundsätzlichen Debatte mit dem Umgang des historischen Erbe Preußens, die derzeit im politischen Berlin geführt wird.

Roths Parteikollegin Annalena Baerbock ließ kürzlich im von ihr geführten Außenministerium das Bismarck-Zimmer im Auswärtigen Amt in Berlin umbenennen. Der Raum erhält den Namen „Saal der Deutschen Einheit“. Auch das Porträt des einstigen Reichskanzlers wurde abgehängt.

Zu kritisch wird mittlerweile dessen Rolle in der Kolonialpoltik des Deutschen Reichs gesehen. Immerhin hatte Bismarck im November 1884 die europäische Staatselite nach Berlin geladen, um in der heute als „Kongo-Konferenz“ bekannten Zusammenkunft die Grundlage für die Aufteilung Afrikas in Kolonien zu legen und die Sicherstellung deutscher Kolonialansprüche zu gewährleisten.

Der Staat Preußen: Einstige europäische Großmacht mit ambivalenter Geschichte

Die politische Skepsis gegenüber dem Erbe Preußens ist nicht völlig neu und begründet sich in der ambivalenten Geschichte der einstigen europäischen Großmacht, aus der 1871, nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich, das Deutsche Reich hervor ging.

Preußen war nach Meinung Vieler der Grund, warum Deutschland in den Abgrund von zwei Weltkriegen geraten war. Militarismus, Staatsvergottung, Gehorsams-Fixierung und Intoleranz: Nach dieser Lesart hatte das protestantische Preußen auch dem neu gegründeten Reich seinen Stempel aufgedrückt.

Aber Natürlich war Preußen mehr als das. Der Name steht noch heute ebenfalls für effektive Verwaltung und eine funktionierende Beamtenschaft, Bildungsfreundlichkeit und Toleranz gegenüber religiösen Minderheiten sowie für Aufklärung und Reformbereitschaft.

2.000 Menschen arbeiten heute in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten heute in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die unbestritten zu den internationalen Playern des Kulturbetriebs zählt, aber im Wettbewerb mit Louvre, dem British Museum oder der Smithsonian Institution klare Nachteile sieht, vor allem durch den eher sperrigen Namen.

Ob eine Umbenennung der „SPK“ tatsächlich Teil der geplanten Strukturreform sein wird, werden die kommenden Monate zeigen. Da Stiftungspräsident Parzinger dem Thema aufgeschlossen gegenüber steht, ist ein solches Szenario allerdings tatsächlich nicht ausgeschlossen.

 

Weitere Bilder zum Thema findet Ihr hier: 

Neuestes Mitglied in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist das Humboldt Forum auf dem Berliner Schlossplatz. Es ist außen dem historischen Stadtschloss nachempfunden und innen modern gestaltet. / © Foto: depositphotos.com

Ebenfalls Teil der „SPK“: Die Neue Nationalgalerie als Teil des Kulturforums im Stadtteil Tiergarten. / © Foto: depositphotos.com

Quellen: Der Spiegel, BILD, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, SWR, Süddeutsche Zeitung, FAZ, Wikipedia, Deutschlandfunk

 

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2 Kommentare

  1. nathan Januar 10, 2023

    Claudia Roth sollte sich etwas Konstruktiveres für Berlin einfallen lassen, als für den Rest ihres Lebens in einem fensterlosen Raum zu sitzen.

    • nathan Januar 10, 2023

      Claudia Roth sollte sich für Berlin etwas Konstruktiveres einfallen lassen, *zum Beispiel* für den Rest ihres Lebens in einem fensterlosen Raum zu sitzen.

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