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Am Sandhaus in Pankow: Zweite Chance für ehemalige DDR-Klinik

In Pankows Norden planen die HOWOGE und der Privatinvestor Deutsche Wohnen das Projekt „Am Sandhaus“, bei dem rund 2.700 neue Wohnungen entstehen sollen. Nun rückt die ehemalige Stasi-Klinik und deren Potential in den Blick der Projektverantwortlichen. Anstatt eines Abrisses wird überlegt, die Ruine nachhaltig weiter zu nutzen und auszubauen.

Der Berliner Senat möchte im Norden Pankows ein urbanes Quartier mit 2.700 Wohnungen entwickeln. Das Projekt mit dem Namen “Am Sandhaus” soll ökologisch orientiert und weitgehend autofrei werden.

© Visualisierungen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
Text: Stephanie Engler

 

Im Norden Pankows liegt das ehemalige Krankenhaus der DDR-Staatssicherheit. Der Standort war schon zu aktiven Zeiten ideal: direkt auf dem Weg zur Eliten-Siedlung in Wandlitz, still, abgelegen und mitten im Wald. 

Diese Kriterien bilden heute die perfekte Grundlage für den Bau des neuen Stadtviertels in Buch. Das nördlich gelegene Zukunftsquartier soll rund 2.700 neue Wohnungen fassen. Die Ruine der Klinik wird jetzt vom Senat geprüft, ob sie als Loft für Mietwohnungen nutzbar gemacht werden kann. 

Anstelle eines Abrisses geht es nun um nachhaltiges Umbauen

Ursprünglich war ein Abriss der Klinik geplant. Nun soll laut Lars Loebner, Leiter des Wohnungsbau-Referats im Berliner Senat, geprüft werden, „die alte Struktur der Klinik zu transformieren.“ Er stößt mit seiner Idee jedoch auf einigen Widerstand im Bezirk. Dennoch treibt er das Sandhaus-Projekt weiter voran. Für ihn würden die Vorteile und die Effizienz des Bauens auf vorhandener Fläche am Pankower Stadtrand überwiegen.

 Der große Vorteil beim Umbau der Klinik sei die Nutzbarmachung von „grauer Energie„. Dabei wird auf dem vorhandenen Baukörper aufgebaut, um CO₂ zu sparen. Das sei laut Loebner effizient und klimafreundlich. 

Daher untersuchen nun die HOWOGE und der Projektpartner Deutsche Wohnen den Erhalt des einstigen DDR-Krankenhauses am Rande von Buch. Dem alten Komplex könnte statt eines Abrisses eine Zukunft als Wohnkomplex für Familien bevorstehen. 

Das Wohnungsbauprojekt wird langsam Wirklichkeit

Im Herbst 2022 soll das Bebauungsplanverfahren starten. Sobald der neue Bebauungsplan feststeht, will der Senat ab 2026 oder 2027 mit dem Bau auf den früheren Rieselfeldern beginnen. Die erste Kalkulation sah einen weitaus schnelleren Baustart ab Ende 2023 vor. Somit liegen der Senat und das Bezirksamt Pankow weit hinter dem früheren Plan. 

Das ist allerdings nicht verwunderlich, da mit der Zeit immer neue Herausforderungen bei der Bebauung des 190 Hektar großen Areals auftauchen. Laut neuesten Erkenntnissen müssen für den Wohnpark eine zusätzliche Grundschule und der Aufbau einer neuen Bus-Linie erfolgen. Letztere müsse täglich bis zu 6.000 Bewohnerinnen und Bewohner zum S-Bahnhof Buch transportieren. 

Senat plant ein Fahrradparkhaus am S-Bahnhof Buch

Um den neuen, nachhaltigen Wohnpark und seine zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner weiter zu unterstützen, müsse laut Loebners Team ein Fahrradparkhaus am S-Bahnhof gebaut werden. Denn die Verkehrsplanung für das Wohnprojekt sieht einen autoarmen Kiez vor. 

Das Parkhaus soll daher bis zu 800 Fahrräder fassen. Der geeignetste Standort sei dafür die Brache des Güterbahnhofs Buch. Laut der projektverantwortlichen Susanne Glöckner seien noch andere Möglichkeiten im Gespräch. Sollten Bewohner dennoch ein eigenes Auto brauchen, so werden sie von den Quartiersgaragen das letzte Stück per Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen müssen. 

Zweifel kommen von der Linken und der CDU

Die autoarme Konzeption des Wohnprojekts sei laut Loebner der Grund für die dichte Bebauung und die Nähe zum S-Bahnhof. So würden sich die neuen Verkehrsangebote überhaupt erst lohnen. 

Der Vorsitzende des Pankower Bauausschusses, Fred Bordfeld (Die Linke) äußert sich an dieser Stelle jedoch kritisch. Er „verstehe nicht, wie man zu dem Schluss kommt, dass man so nah an die Natur und die Moorlinse heranrücken muss„. Mit Axel Lüssow, dem Grünen-Natur-Experte, steht er damit nicht allein. Beide befürchten massive Einschnitte beim heutigen Öko-Abenteuerspielplatz. 

Die Pankower CDU bezweifelt hingegen, dass die geplanten Verkehrsangebote ausreichen werden. Der Senat plane, das Wohnprojekt über die sogenannte Stettiner Bahn mit den S-Bahn-Linien 2 und 8 zu erschließen. Der Bau-Experte Lars Bocian hegt begründete Zweifel am Fokus aufs Fahrrad: „Radanlagen sind gut – aber was geschieht im Winter? Reicht eine neue Kiezbuslinie zum S-Bahnhof für 6.000 Menschen?

Pankows neues Wohnquartier soll erst in den 2030er Jahren fertig werden


Um eine Überlastung der Stettiner Bahn zu umgehen, plant der Senat, den S-Bahn-Takt und die weiteren ÖPNV-Angebote während des Baus langsam zu erhöhen. Das Augenmerk liegt dabei auf der Vermeidung von neuem Autoverkehr. Die Verknüpfung mit dem S-Bahnhof soll daher kurz und effektiv gestaltet werden. 

Loebner sieht zur Realisierung der Maßnahmen den entscheidenden Vorteil in der langen Zeitspanne bis zur Fertigstellung des Wohnprojekts. Denn erst Ende der 2030er-Jahre soll der Bau vollständig beendet werden.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

Auf diesem Areal soll im Pankower Ortsteil Buch soll das neue Wohnquartier entstehen.

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