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Baustart für Tramstrecke zum Ostkreuz weiter ungewiss

Der Bau der Tram zum Bahnhof Ostkreuz sollte bereits vor Jahren abgeschlossen sein, auch die Strecke ist längst bekannt. Doch die hohe Zahl der Einwände von Anwohnern und Betroffenen verzögert das Projekt. Ein Baustart ist aktuell nicht in Sicht.

Der mittlerweile fertig umgebaute Bahnhof Ostkreuz soll durch die neu zu bauende Tram-Strecke besser an die umliegenden Kieze in Friedrichshain angebunden werden.

 

Seit deutlich mehr als einem Jahrzehnt laufen nun die Planungen für den Bau einer Tramstrecke vom Wühlischplatz bis zum Bahnhof Ostkreuz. Allein: tatsächlich gebaut wurde bislang kein einziger Meter der geplanten Strecke.

Das Tramprojekt gehört zu den mühsamsten Bauvorhaben, die im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg umgesetzt werden sollen. Dabei ist das Vorhaben relativ simpel: Durch eine direkte Anbindung der Straßenbahn an den Bahnhof Ostkreuz über die nördlichen Vorplätze sollen kurze Umsteigewege zur Tramlinie 21 und zur Buslinie 240 ermöglicht werden.

Die zukünftige Tramlinie soll durch die Sonntagstraße fahren

Dafür muss die Tramlinie durch die Sonntagstraße, vorbei am populären Annemirl-Bauer-Platz, geführt werden. Die Linie soll direkt unter der Ringbahnbrücke halten und dann an der Marktstraße enden. Insgesamt handelt es sich um eine Strecke von insgesamt 1,2 Kilometern Länge.

Neben der besseren Anbindung des Tramnetzes und der Reduzierung der Umstiegszeiten soll auch der Autoverkehr in den angrenzenden Quartieren reduziert werden. Auch die Erreichbarkeit des Wohn-, Gewerbe- und Erholungsstandortes Rummelsburg sowie der Entwicklungsgebiete Blockdammweg und Nalepastraße soll durch die neue Streckenführung optimiert werden.

Vier Haltestellen sollen entstehen

Geplant sind auf der Strecke vier barrierefreie Haltestellen mit jeweils zwei Zugängen in der Boxhagener Straße/Holteistraße, in der Sonntagstraße, am Bahnhof Ostkreuz sowie in der Marktstraße. So die Theorie, aber die Praxis gestaltet sich deutlich komplizierter.

Im Oktober 2021 hatte die Senatsverkehrsverwaltung angekündigt, dass die Planunterlagen für das Vorhaben erneut öffentlich ausgelegt werden müssten – bereits zum dritten Mal. Angestrebt wurde, dass das noch bis Ende des Jahres 2021 erfolgen sollte. Passiert ist bis heute aber nichts.

Hohe Zahl an Einwendungen verzögert den Planungsprozess

Grund dafür seien laut Senatsverwaltung die bislang nicht beantworteten Einwendungen, die im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung eingegangen sind. Und die Zahl der Einwendungen ist offenbar sehr hoch: Von mehr als 1.000 war die Rede, als die Senatsverwaltung die erneute Auslegung der Planunterlagen bekannt gab.

Grund für die erneute Auslegung war im Übrigen, dass beim zweiten Auslegen der Planungsunterlagen im März 2021 das bisherige Baulärmgutachten sowie ein Gutachten zu baubedingten Erschütterungen fehlten. Das Fehlen der Unterlagen wurde erst am letzten Tag der Einwendungsfrist bemerkt. Damit war die Auslegung der Unterlagen ungültig und muss nun wiederholt werden.

Widerstand von Anwohnern gegen die Tram-Erweiterung

Die BVG beschäftigt sich nach eigenen Angaben seit Monaten intensiv mit den Einwänden von Anwohnern und Betroffenen. Mit den Ergebnissen aus diesen Gesprächen sollen die Planungsunterlagen dann aktualisiert werden, bevor die dritte Auslegung folgt.

Festzuhalten bleibt nach all den Jahren, die für die Planung des Projekts aufgewendet wurden, dass der Widerstand im Kiez gegen den Straßenbahnbau ausgesprochen groß ist. Trotz des angekündigten Einbaus von sogenannten „Flüstergleisen“ ist die Furcht vieler Anwohner vor einer hohen Lärmbelästigung in der vergleichsweise engen Sonntagstraße offenbar sehr ausgeprägt.

Bislang kein neuer Termin für einen Baustart

Verzögert hatte sich das Projekt bereits mehrfach: Im Jahr 2013, als die Route der Straßenbahn festgelegt wurde, rechnete man mit einem Betriebsstart ab dem Jahr 2016. Später sollten die Züge ab 2020 fahren, dann war von einer Eröffnung Ende 2022 die Rede. Keiner der Zeitpläne konnte gehalten werden.

Nun hält sich die Senatsverwaltung mit einer Angabe für den weiteren Zeitplan des Vorhabens zurück und betont, dass aufgrund des zeitintensiven Beteiligungsverfahrens ein Baustart derzeit nicht valide prognostiziert werden könne. Wir werden das Projekt weiterhin beobachten.

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So soll die Streckenführung der Tramlinie durch Friedrichshain zukünftig einmal aussehen. Bislang gibt es vom Projekt aber nicht mehr als solche Visualisierungen.

So sieht der geplante Streckenverlauf der Tramlinie von der Holteistraße bis zum Ostkreuz aus.

 

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1 Kommentar

  1. Peter Wisotzki April 24, 2022

    Das Fehlen eines Lärmgutachtens und eines Gutachtens zur Problematik von Erschütterungen hätte einem Bauingenieur auffallen müssen.
    In Friedrichshain Kreuzberg ist, meines Wissens ein Sozialarbeiter Baustadtrat.

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