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Berlin-Kreuzberg: Streit um Erweiterung der Markthalle Neun

Anwohner im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg kritisieren die Erweiterung durch einen Straßenmarkt vor der Markthalle Neun in der Kreuzberger Eisenbahnstraße. Die Stadträtin aber verteidigt ihre Pläne.

Beliebter Treffpunkt im Herzen Kreuzbergs: Die „Markthalle Neun“, 1891 erbaut. Sie ist ist eine von ehemals 14 städtischen Markthallen in Berlin, die Ende des 19. Jahrhunderts in den damaligen Bezirken Berlins errichtet wurden. / © Foto: Wikimedia Commons

© Fotos: Wikimedia Commons
Text: Stephanie Engler

 

Für die Debatte um einen neuen Wochenmarkt vor der beliebten Markthalle Neun in Kreuzberg wurde in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg eigens ein eigener Themen-Block reserviert. Die Thematik wurde ausführlich diskutiert. Verkehrsstadträtin Annika Gerold (Die Grünen) verteidigte dabei ihre Entscheidung.

Und dennoch bleiben noch etliche Fragen offen, wie die Frage nach dem Sinn eines Wochenmarktes vor einer Markthalle und wer diesen nutzen würde. Außerdem scheint noch unklar, welche Fläche die Erweiterung umfassen soll.

Markthalle Neun in Kreuzberg: Initiative gegen die Ausweitung

Die Initiative „Kein Wochenmarkt auf Eisenbahnstrasse“ vertritt die Sorgen der Anwohnerinnen und Anwohner: Die Ausweitung der Markthalle auf das öffentliche Straßenland würde sich ihrer Ansicht nach negativ auf Lärm, Müll sowie die Verkehrssituation auswirken. 

Denn weder wirtschaftlich noch historisch sei eine Ausweitung der „M9“ auf das öffentliche Straßenland nötig, so die Initiative. Zudem kritisiert sie die Planung des Bezirksamtes als „intransparent“.

Markthalle Neun: örtliches Kleingewerbe ebenfalls gegen die Ausweitung

Auf einer Liste der Initiative haben wohl zudem 30 Gewerbetreibende aus dem Einzugsgebiet gegen eine Erweiterung des Marktbetriebs unterschrieben. Denn auch sie seien laut der Initiative gegen das Vorhaben, da die Konkurrenz ihre Existenz bedrohen würde.

In der BVV berichtete Annika Gerold hingegen von einem anderen Ergebnis nach einer Befragung der Gewerbetreibenden durch Mitarbeitende des Bezirksamtes: Danach hätte es eine positive, zwölf neutrale und eine negative Rückmeldung gegeben.

Erweiterung der Markthalle: Bezirksamt ist vertraglich gebunden

Im aktuellen Verfahren spielt der Kaufvertrag von 2012 eine wichtige Rolle. Er wurde zwischen der Markthalle Neun und dem Land Berlin (Berliner Großmarkt GmbH) abgeschlossen. 

Gerold sagte hierzu, dass der Bezirk mit der Erweiterung des Wochenmarktes „unter der Voraussetzung der verkehrsrechtlichen Machbarkeit und raumfachlichen Bewertung eine vertragliche Vereinbarung der damaligen Landesregierung Rot-Schwarz mit den Käufern/ Betreibern der Markthalle“ umsetzen würde.

Eisenbahnstraße in Kreuzberg: Samstags-Straßenmarkt soll ausgeweitet werden

Der immer samstags stattfindende Straßenmarkt mit aktuell zwei Ständen auf 50 Quadratmeter Sondernutzungsfläche sei in diesem Vertrag sogar festgeschrieben. Die Stadträtin erklärte: „Bestandteil des Nutzungskonzeptes ist zudem eine sukzessive Erweiterung dieser Flächen. Darüber sprechen wir aktuell.

Ein in der Anlage des Kaufvertrages befindliches Konzept sieht zudem eine Erweiterung der bereits bestehenden Flächen vor, die sich auf der Eisenbahnstraße direkt vor der Markthalle zwischen Muskauer Straße und Wrangelstraße befindet.

Konkrete Entwicklung der Erweiterung ist noch unklar

Eine Passage aus diesem Nutzungskonzept lässt es erscheinen, als ob die Betreiber der Markthalle größere Pläne verfolgen könnten. Im Konzept würde es wohl um eine Erweiterung bis zum Lausitzer Platz gehen.

Die Parteien sind sich darüber einig, dass es ein wesentliches Kernelement des Nutzungskonzeptes ist, dass die konkreten Phasen, Flächenaufteilungen und Nutzungsarten situationsbedingt mit einem Maximum an Flexibilität angepasst werden müssen und dürfen.

Erweiterung der Marktfläche: SPD und Linke positionieren sich kritisch

So wie das Konzeptverfahren „Markthalle für alle“ es ursprünglich vorsah, ist der SPD eine wohnungsnahe und bezahlbare Grundversorgung wichtig. Ahmet Iyidirli (SPD) bewertet es daher als fatal, den Wochenmarkt ohne ein Vergabeverfahren und eine Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner durchzuführen.

Gaby Gottwald (Die Linke) merkte an, dass sie die Aussage über die Rückmeldung der Gewerbetreibenden wundere: „Uns wurde gemeldet, dass sieben eindeutig ‚Nein‘ gesagt haben, also keinen Wochenmarkt vor ihren Läden wollen.

Zudem hielt Gottwald für „bemerkenswert, wie nach den Auseinandersetzungen„, die es um die Kiezhalle und den Aldi gab, mit den Anliegen der Anwohner und Gewerbetreibenden umgegangen würde.

Seit über zehn Jahren ist die Markthalle Neun wieder eine „klassische“ Markthalle

Die Markthalle Neun, auch „Eisenbahnmarkthalle“ genannt, ist eine von ehemals 14 städtischen Markthallen in Berlin, die Ende des 19. Jahrhunderts in den damaligen Bezirken Berlins errichtet wurden. Sie ersetzten die offenen Märkte auf verschiedenen städtischen Plätzen und garantierten bessere hygienische Bedingungen sowie die effiziente Versorgung der wachsenden Bevölkerung.

Der Marktbetrieb in seiner derzeitigen Form wird allerdings erst seit 2011 wieder so angeboten. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg hatten sich vor allem Discounter in den historischen Gemäuern eingemietet, bis eine Initiative ab 2009 eine Reaktivierung des ursprünglichen Markthallenbetriebs durchsetzen konnte.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

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Quellen: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Berliner Morgenpost

 

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