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Berlin-Mitte: „Kiezblocks Nördliche Luisenstadt“ sollen entstehen

Rund um rund um die Alte Jakobstraße, das Engelbecken sowie am Märkischen Ufer soll der bislang größte Kiezblock im Berliner Bezirk Mitte eingerichtet werden. Unter dem Projektnamen „Kiezblocks Nördliche Luisenstadt“ sollen mehrere Stadtquartiere vom Durchgangsverkehr befreit werden.

Verkehrsbefreite Zonen für die nördliche Luisenstadt? Wie hier im Nikolaiviertel soll es auch in vielen Straßen des Sanierungsgebiets Luisenstadt zukünftig aussehen. / © Foto: depositphotos.com

© Fotos: depositphotos.com
Text: Björn Leffler

 

Im Bezirk Berlin-Mitte, genauer gesagt rund um das sogenannte „Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt“, soll der bislang größte, zusammenhängende Kiezblock im Bezirk entstehen. So will es die Bezirksverordnetenversammlung Mitte, die die Umsetzung des Vorhabens vor kurzem beschlossen hat.

Rund um rund um die Alte Jakobstraße, das Engelbecken sowie am Märkischen Ufer soll also zukünftig die verkehrsberuhigte Zone eingerichtet werden. Zur nördlichen Luisenstadt wird das Innenstadt-Areal zwischen Engelbecken und Jannowitzbrücke gezählt.

Nördliche Luisenstadt: Drei zusammenhängende Kiezblocks entstehen

Kiezblocks beschreiben Wohngebiete, die ohne Kfz-Durchgangsverkehr funktionieren. Durchfahrtsperren, Einbahnstraßen und Tempolimits verhindern hierbei, dass der Kiez als Abkürzung für Autofahrerinnen und Autofahrer genutzt wird. Der Autoverkehr soll wieder ausschließlich über die in der Stadtplanung auch vorgesehenen Hauptstraßen gelenkt werden.

Dennoch bleiben die Kieze offen für Autos, etwa für Anwohnerinnen und Anwohner, Rettungsfahrzeuge, den Lieferverkehr oder auch die Müllabfuhr. Durch diese Maßnahmen soll der Kiez angenehmer und sicherer für Fußgänger und Radfahrer werden.

Kiezblock: Reduzierung der Autozahl, freiwerdende Flächen im Quartier

Zusätzlich lässt die reduzierte Zahl der Autos im Kiez Flächen frei werden, die somit eine Umnutzung hin zu mehr Aufenthaltsqualität erhalten. So können Treffpunkte, Sitzgelegenheiten, Sport- und Spielplätze sowie Grünflächen errichtet werden.

Für Anwohner nimmt zudem neben dem Verkehrslärm auch die Luftverschmutzung ab. Ziel ist es, durch Kiezblocks wieder Lebensqualität in der Stadt herzustellen. Langfristig führt dieses Konzept jedoch auch zur Aufwertung des Kiezes, wie zum Beispiel durch die Ansiedlung lokaler Gewerbe.

Verkehrssenatorin Bettina Jarasch will 50 neue Kiezblocks bis 2026 einrichten

Verkehrssenatorin Bettina Jarasch hat das ambitionierte Ziel, bis zum Jahr 2026 bis zu 50 neue Kiezblocks in Berlin zu realisieren – trotz akutem Personalmangel in der Berliner Verwaltung. Das Projekt in Berlin-Mitte wird aber nicht als ein Kiezblock betrachtet, sondern als drei nebeneinander existierenden Kiezblocks.

Bald wird der Durchgangsverkehr deutlich abnehmen„, erwartet Christian Unger. Er ist Sprecher der Bürgerinitiative „Alte Jakob“, die rund 1.200 Unterschriften für die Umsetzung der Verkehrsberuhigung gesammelt hatte. Wie dies erreicht werden kann, hatte Ungers Initiative selbst erarbeitet und dem Bezirk präsentiert.

Kiezblock Mitte: Diagonalsperren an Kreuzungen und Durchfahrtssperren

Diagonalsperren an Kreuzungen sollen den Durchgangsverkehr aus den Nebenstraßen fernhalten. Der nun beschlossene Antrag von Grünen, SPD und Linken übernimmt erstaunlich viel vom Konzept, das von der Kiezblock-Initiative erarbeitet worden ist. Ob und wie dieses dann tatsächlich umgesetzt wird, muss aber das Straßen- und Grünflächenamt entscheiden.

Immerhin sind zwei Jahre Arbeit in die Erarbeitung des Konzepts geflossen. In dieser Zeit haben die Initiatoren eine Menge Vorschläge erarbeitet. Vorgesehen sind unter anderem Poller an vier großen Kreuzungen und zusätzliche Durchfahrtsperren in sechs weiteren Straßen. Zudem sollen Geschwindigkeitsbegrenzungen, sichere Fußgängerüberwege und mehr Straßengrün realisiert werden.

Besonders strak frequentiert: Die Alte Jakobstraße

Besonders frequentiert ist die Alte Jakobstraße, auf der sich der Verkehr in beiden Richtungen häufig staut und auf der es immer wieder zu Konflikten und auch Unfällen mit Radfahrenden kommt – dabei ist die Straße für eine so hohe Verkehrsauslastung offensichtlich viel zu eng. Sie wird derzeit vor allem als Durchgangsstraße und Zufahrtsstraße zum Geschäftsviertel rund um Rudi-Dutschke-Straße, Zimmerstraße und Axel-Springer-Straße genutzt.

Das Projekt ist nicht einfach umsetzbar, denn Kritik an den Plänen gibt es natürlich auch, unter anderem vom Berliner Fahrgastverband.  Denn der geplante, längst überfällige Metrobus M40 vom Kottbusser Tor bis zum Ostbahnhof würde durch die angedachte Diagonalsperre an der Melchiorstraße behindert werden.

Lösung für geplanten Metrobus M40: Versenkbare Poller am Engelbecken

Eine Lösung für das Problem wurde jedoch gefunden: Am Engelbecken soll ein versenkbarer Poller entstehen, um dem Bus weiterhin die Durchfahrt zu ermöglichen. Es ist nicht das einzige Problem, welches sich bei der Planung der insgesamt drei aneinander grenzenden Kiezblocks aufgetan hat. Der Bezirk jedoch arbeitet lösungsorientiert und versucht, Schwierigkeiten und auch Vorbehalte auszuräumen.

Bis wann das Vorhaben umgesetzt werden soll, ist bislang nicht kommuniziert worden. Für die Menschen im Kiez, der im vergangenen Jahrzehnt durch die Realisierung zahlreicher Neubauten einen großen Bevölkerungszuwachs erlebt hat, werden die geplanten Verkehrsanpassungen aber spürbare Auswirkungen haben. Es wird spannend zu beobachten sein, wie die Kiezblocks in der nördlichen Luisenstadt in der Praxis funktionieren werden.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

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Quellen: Bezirksamt Mitte, BVV Mitte, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Der Tagesspiegel, Kiezblock-Initiative „Alte Jakob“ 

 

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