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Buchrezension: Architektur- und Denkmalführer „Elektropolis Berlin“

Das Landesdenkmalamt Berlin hat mit dem Architektur- und Denkmalführer “Elektropolis Berlin” eine umfangreiche Zusammenstellung von Bauwerken der Berliner Industriekultur geschaffen. Durch seine Fülle an begleitenden Informationen wird es dem Leser ermöglicht in diese spannende Zeit des gesellschaftlichen und technologischen Wandels einzutauchen.

Eines von zahlreichen, noch bestehenden Zeugnissen der Berliner Industriearchitektur: Eine Montagehalle für Großmaschinen in Berlin-Gesundbrunnen, erbaut bis 1912. / © Foto: Wikimedia Commons

© Foto Titelbild: Michael Imhof Verlag
Text: Michael Klotz

 

Das königlich preußische findet im kaiserlichen Reichsberlin keinen Platz mehr. Spreeathen ist tot und Spreechicago wächst heran.
Dieses dramatisch anmutende Zitat stammt von Walter Rathenau, der als AEG-Gründer ein entscheidend wichtiger Akteur während der Hochzeit der Industriekultur war.

Auch Prof. Dr. Jörn Haspel, ehemaliger Landeskonservator und Direktor des Landesdenkmalamtes Berlin, schreibt im Vorwort des Buchs: „Mit der großtechnischen Erzeugung von Strom ab etwa 1900 erfolgte eine radikale Veränderung in den Produktionstechniken aller Industrien, im Verkehr, bei den Nachrichtentechniken und in den privaten Haushalten.

Von „Spree-Athen“ zu „Spree-Chicago“: Berlin im technologischen Wandel

Er veranschaulicht in seinem Text die tragende Rolle, die der elektrotechnischen Industrie beim rasanten Aufstieg der deutschen Hauptstadt vom “Spree-Athen” zum “Spree-Chicago” zukam. Anders jedoch als Chicago sind in Berlin glücklicherweise auch heute noch große Teile vom baulichen Erbe dieser Zeit des Wandels erhalten.

Kam es in Amerika in den Nachkriegsjahren zu vielen Abrissen aufgrund von Modernisierung und Erneuerungen, blieben diese, auch wegen des weltpolitischen Sonderstatus Berlins, in der Region an vielen Stellen aus. Die daraus resultierende überdurchschnittlich hohe Dichte an immer noch existierenden Erben der „Elektropolis“ prägt auch heute noch an vielen Orten das Berliner Stadtbild.

„Elektropolis Berlin“ stellt bedeutende Beispiele der Industriekultur vor

2008 wurde der Antrag zur Aufnahme von sechs „Siedlungen der Berliner Moderne“ in die Liste des Weltkulturerbes einstimmig von der Unesco angenommen. Wir berichteten im April diesen Jahres bereits über den, ebenfalls vom Landesdenkmalamt Berlin herausgegeben, reich bebilderten Buchband, der sich mit deren Entstehung und den Menschen, die sich um diese kümmern, beschäftigt.

Das hier besprochene Werk widmet sich thematisch der „Kehrseite derselben Medaille“, wie es in Herrn Haspels Vorwort so schön heißt. Die hier vorgestellten Gebäude und Strukturen sind bedeutende Beispiele der Industrie- und Infrastrukturarchitektur des 20. Jahrhunderts und damit der Leser bei den über 400 vorgestellten Objekten nicht den Überblick verliert, sind diese in fünf Kategorien unterteilt.

Berlins Industriezeitalter: Architektur, Nahverkehr und Nachrichtentechnik

Zuerst werden allgemeinere Bauten dieser Zeit gezeigt, anschließend werden die Zeugnisse der elektrotechnischen Produktion, der öffentlichen Elektrizitätsversorgung, des elektrifizierten Nahverkehrs, der Nachrichtentechnik und der Akteure dieser Zeit angeschaut.

Am Anfang der Kapitel findet sich stets eine Einleitung mit historischen und technischen Hintergrundinformationen, auf welche dann die vorgestellten Gebäude dieser Kategorie folgen. Auch zu diesen gibt es stets einen kleinen Überblick; zur Entstehung, Ausführung, Funktion oder Entwicklung im Laufe der Jahrzehnte.

Auch Industriedenkmäler in Brandenburg werden vorgestellt

Manchen Texten zu den aufgeführten Denkmälern haben die Autoren auch kleine Karten beigefügt, aus denen die einzelnen Bestandteile der Baukomplexe besser nachvollzogen werden können. Des Weiteren werden zum Ende des Buches hin, der gleichen Vorgehensweise nach, noch Denkmäler dieser Zeit in Brandenburg aufgeführt.

Ebenfalls beigefügt wurden sechs mehrheitlich nach den industriell wichtigen Bezirken sortierte Routen, die echte Lust machen, sich einmal von den bekannten, überlaufenen Sehenswürdigkeiten abzuwenden und die vorgestellten Zeitzeugnisse zu besuchen.

Architektur von gestern als Heimat für die Unternehmen von morgen

Zur angenehm klaren Struktur und dem visuell ansprechenden Layout kommen noch großartige Fotos hinzu. Das dabei geschickt Originalaufnahmen aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg und Bilder aus der Gegenwart kombiniert wurden, zeugt von der noch heutigen Präsenz dieser Epoche in der Berliner Stadtlandschaft.

Nicht selten gestalten dort nun Start-Ups und ihre Vordenker die Technik von morgen. Das alles macht den Architektur- und Denkmalführer „Elektropolis Berlin“ zu einem wahren Leseerlebnis, der nicht nur für Architektur- und Geschichtsfans zu empfehlen ist.

Das Buch ist im Imhof-Verlag erschienen und für 29,95 EUR zu haben.

Das Buch „Elektropolis Berlin“ könnt Ihr hier bestellen.

 

„Elektropolis Berlin“
Architektur- und Denkmalführer

Herausgeber: Thorsten Dame, Landesdenkmalamt Berlin
Umfang: 19,5 x 24 cm, 544 Seiten, 680 Abbildungen, 47 Karten
Ausstattung: Hardcover
Sprache: deutsch
ISBN 978-3-7319-0148-8

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