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Vorbereitungen für Exilmuseum am Anhalter Bahnhof starten

Am vergangenen Samstag eröffnete in Charlottenburg eine Werkstatt, in der das für 2026 geplante Exilmuseum am früheren Anhalter Bahnhof vorbereitet werden soll. Ex-Bundespräsident Joachim Gauck und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller waren dabei anwesend. Das kommende Museum beschäftigt sich mit der aktuellen Bedeutung des Themas Exil.

Hinter der historischen Portal-Ruine des Anhalter Bahnhofs am Askanischen Platz in Berlin-Kreuzberg soll das neue Exilmuseum entstehen. © Stiftung Exilmuseum Berlin / René Arnold

© Titelbild: Stiftung Exilmuseum Berlin / René Arnold
Text: Stephanie Engler

 

Am vergangenen Samstag eröffnete eine Werkstatt, in der das für 2026 geplante Exilmuseum am früheren Anhalter Bahnhof vorbereitet werden soll. Ex-Bundespräsident Joachim Gauck und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller waren dabei anwesend. Das kommende Museum beschäftigt sich mit der aktuellen Bedeutung des Themas Exil.

Die vierstöckige Werkstatt an der Fasanenstraße in Charlottenburg öffnete vergangenes Wochenende für Besucherinnen und Besucher ihre Türen. Es zeigt, was das Exil für Menschen bedeutet – historisch sowie aktuell.

Charlottenburger Zwischendomizil des Exilmuseums in der Fasanenstraße

So findet sich etwa die Geschichte des Schriftstellers Alfred Döblin („Berlin Alexanderplatz“), wie er nach dem Reichstagsbrand 1933 in die Schweiz floh. Man erfährt zudem, dass er weder in seinem eigentlichen Beruf als Arzt arbeiten konnte noch im Ausland interessierte Leser fand. 1945 kehrte er schließlich nach Deutschland zurück. 

Die Werkstatt des Exilmuseums beschäftigt sich ausgiebig mit diesem Thema. Besonders angesichts der Aktualität durch den Überfall Russlands auf die Ukraine hat das Thema eine vollkommen neue Relevanz erhalten. Denn es kommen weiterhin tagtäglich Hunderte Menschen in Berlin an, die vor dem Krieg in ihrer Heimat flüchten.

Das Exil – ein sowohl historisches als auch aktuelles Thema

Diese Menschen fliehen vor der Zerstörung und aus Angst um ihr eigenes Leben und lassen dabei Freunde, Familie, Heimat und Beruf zurück. Dinge, die ihr Leben bis dahin ausgemacht haben.

Flüchtende Menschen müssen so seit jeher in einer oft fremden Umgebung ein neues Leben aufbauen, eine neue Sprache und womöglich sogar einen neuen Beruf lernen sowie sich in einer völlig andersartigen Kultur zurechtfinden.

Exilgeschichten an den Wänden der Werkstatt erzählen von Schicksalen

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck sagte bei der Eröffnung: „Wir werden Menschenbilder den Menschen vor Augen stellen.“ Denn es gehe zudem auch darum, eines der „dunklen Kapitel, die auf uns gewartet haben„, aufzuarbeiten. 

So hängen an den Wänden der Werkstatt Tafeln, die die persönliche Geschichte von verschiedenen Menschen mit Exilerfahrungen von 1933 bis 1945 erzählen. 

Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller übernahm Schirmherrschaft

Neben Joachim Gauck übernahm auch die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller die Schirmherrschaft für das Projekt. Denn sie war es, die vor einigen Jahren einen offenen Brief an die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb und für ein Museum des Exils warb.

Herta Müller selbst musste einst aufgrund der Verfolgung durch das Ceausescu-Regime ihre Heimat Rumänien verlassen. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion sprach sie davon, wie sie nach Deutschland kam und in einem Übergangsheim in Nürnberg lebte. Müller betonte dabei, dass ein Exilmuseum „heute noch wichtiger“ sei und es umso mehr realisiert werden müsse, „je mehr Menschen zu uns kommen.

Hertha Müller sieht daher auch die Politik in der Verantwortung: „Das ist auch ein Museum gegen Antisemitismus, der heute überall wächst, und gegen die Rechtsradikalen, die heute überall im Bundestag rumstehen.

Exilmuseum am früheren Anhalter Bahnhof entsteht

Das geplante Exilmuseum wird bis 2026 in der Werkstatt vorbereitet. Danach soll es in ein Museum am früheren Anhalter Bahnhof nahe dem Potsdamer Platz umziehen, welches nach einem Entwurf des dänischen Büros Dorte Mandrup entsteht. 

Im ersten Obergeschoss der Werkstatt wird ein Einblick in den Entwurf und die Planung gewährt: Rund 3.500 Quadratmeter Nutzfläche auf mehreren Etagen sowie 700 Quadratmeter Fläche für Freizeit- und Kulturnutzung sollen entstehen. Die Kosten für das Projekt liegen bei etwa 50 Millionen Euro. Dabei soll die heute noch erhaltene Portalruine des Anhalter Bahnhofs symbolisch für den Gang der Menschen ins Exil stehen, die unter dem Druck der Nationalsozialisten Deutschland verlassen mussten. 

Werkstattaufbau soll den „Pfad des Exils“ darstellen

Die Werkstatt des künftigen Museums wurde so aufgebaut, dass Besucherinnen und Besucher einer losen Abfolge von kleinen Räumen folgen – laut einer Texttafel der „Pfad des Exils“. 

Literarische und persönliche Zitate von damals und heute sollen dabei die Erfahrungen des Exils verdeutlichen. Zusätzlich widmet sich jedes dazu passend gestaltete Kabinett einem Leitmotiv wie „Neue Heimat?“, „Sprache“ oder „Warten“.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

Die Zukunft am Askanischen Platz: So soll der Neubau nach Plänen der dänischen Architektin Dorte Mandrup einmal aussehen. / © Stiftung Exilmuseum Berlin

© Stiftung Exilmuseum Berlin

Der zukünftige Standort des Museums am Askanischen Platz in Berlin-Kreuzberg.

Weitere Projekte in Kreuzberg findet Ihr hier

Quellen: Stiftung Exilmuseum Berlin, Berliner Morgenpost, Berliner Woche

 

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