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Exilmuseum-Ausstellung “ZU/FLUCHT”: Brücke in die heutige Gegenwart

In wenigen Jahren soll am Anhalter Bahnhof der Neubau des Exilmuseums entstehen. Eine spannende Open-Air-Ausstellung stimmt bereits jetzt auf die relevanten Themen des zukünftigen Museumsprogramms ein.

Derzeitige Kulisse für die Open-Air-Ausstellung des Exilmuseums: Die Portal-Ruine des einstigen Anhalter Bahnhofs

Text und Fotos: Celine Hellriegel

 

Schon im Februar 2020 haben wir darüber berichtet, dass an der Stelle des einstigen Anhalter Bahnhofs der Bau eines Exilmuseums geplant ist und gleichzeitig eine Initiative den Wiederaufbau des historischen Bahnhofsgebäudes plant.

Sehr viel wahrscheinlicher als die Rekonstruktion des in den 60er Jahren gesprengten und fast vollständig abgetragenen Kopfbahnhofs ist der Neubau des Exilmuseums, für den es bereits einen offiziellen Architekturwettbewerb gegeben hat, in welchem sich im August letzten Jahres die dänische Architektin Dorte Mandrup durchsetzen konnte. Zudem gibt es eine breite politische und kulturelle Unterstützung für das Projekt.

Ausblick auf die Zukunft: Ausstellung “ZU/FLUCHT”

Bevor das Projekt auf dem Askanischen Platz, direkt hinter der historischen Portal-Ruine des einstigen Bahnhofs, baulich umgesetzt wird, veranstaltet die Stiftung Exilmuseum noch bis Ende Oktober 2021 die Freiluftausstellung „ZU/FLUCHT“, die jederzeit öffentlich zugänglich und kostenfrei ist. Sie will damit Besucher*innen und Anwohner*innen für die Themen und Inhalte des künftigen Museums sensibilisieren.

Denn hier, wo einst die Rettungsaktion für hunderte jüdischer Kinder begann, die vom Anhalter Bahnhof über die Niederlande nach England gebracht wurden, um sie so vor den Nationalsozialisten zu schützen, soll eben dieses viel diskutierte Exilmuseum entstehen.

Anhalter Bahnhof: Ausgangspunkt für viele Exil-Schicksale

Der Fokus der zukünftigen Ausstellungen wird dabei auf dem erzwungenen Exil in der Zeit von 1933 bis 1945 liegen, als eine halbe Million Menschen vor den Nationalsozialisten flüchteten – sofern es ihnen möglich war.

Der Weg vieler von ihnen – in die rettende Freiheit einerseits aber eine ungewisse Zukunft andererseits – begann am Anhalter Bahnhof im Herzen Berlins. Um einen Vorgeschmack auf das künftige Exilmuseums zu erhalten, können Interessierte bis zum 31. Oktober die besagte Freiluftausstellung auf der Freifläche des ehemaligen Bahnhofsgeländes besuchen.

Willy Brandt, Alfred Döblin, Charlotte Friedenthal: Prominente Exil-Schicksale

Durch persönliche Berichte, Zitate und Erzählungen vieler Menschen, denen dieses Schicksal widerfahren ist – darunter auch bekannte Persönlichkeiten wie Willy Brandt, Bertolt Brecht, Charlotte Friedenthal, Alfred Döblin, Klaus Mann und viele weitere – erhält man einen Eindruck der Exilgeschichte sowie vom Leben auf der Flucht in der damaligen Zeit.

Die Initiatoren des Exilmuseums streben mit ihrer Arbeit auch an, eine Brücke zur aktuellen, heutigen Flüchtlingslage zu schlagen und stellen dabei relevante und drängende Fragen: Wie wurden Flucht und Entwurzelung zu zentralen Erfahrungen unserer Zeit? Welche Verbindung besteht zwischen dem Exil damals und heute? Was können wir aus der Geschichte für heute lernen?

Brückenschlag zur heutigen Flüchtlingssituation

Die Ausstellung “ZU/FLUCHT” ist in Kooperation mit der TU Berlin entstanden und verwendet für die Ausstellung alte Wohncontainer, die für die Unterbringung Geflüchteter in Berlin im Jahre 2015 verwendet wurden.

Diese sinnvolle Nachnutzung bzw. das Recycling dieser Container für informative, museale Zwecke verlängert den Lebenszyklus der Materialien und ist daher als nachhaltig zu erachten. Auch verleiht die Tatsache, dass die Ausstellung in diesen engen Containern untergebracht ist, wo einst mehrere Menschen untergebracht wurden, einen weiteren Eindruck vom heutigen Leben auf der Flucht oder im Exil.

Ort der Ausstellung: Anhalter Bahnhof, Stresemannstraße Ecke Schöneberger Straße

Laufzeit: bis 31. Oktober 2021

Eintritt: frei

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