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Erster Bebauungsplan für neues Tegel-Quartier ist beschlossen

Sieben Monate nach der Stilllegung des Flughafens Tegel liegt der erste Bebauungsplan für den zentralen Teil der künftigen „Urban Tech Republic“ vor. Gleichzeitig verliert die Tegel Projekt GmbH eine ihrer wichtigsten Führungsfiguren.

Die Zukunft im Norden Berlins: So stellen sich die Planer*innen der Tegel Projekt GmbH die Nachnutzung des ehemaligen Flughafens Tegel vor.

© Visualisierungen: Tegel Projekt GmbH

 

Genauso groß wie die ambitionierten Pläne, die es für das riesige Areal im Norden Berlins gibt, sind die Sorgen vieler Berliner*innen, dass sie ein Luftschloss bleiben und die Entwicklung des Areals ebenso zäh verläuft wie beispielsweise die Sanierung des Flughafens Tempelhofs oder die Modernisierung des ICC in Charlottenburg.

Der Berliner Senat hat in den letzten Jahren leider nicht wirklich Eigenwerbung betrieben, was den Umgang mit vergleichbaren Liegenschaften im Landesbesitz angeht. Bei der Entwicklung des mittlerweile ehemaligen Flughafenareals im Bezirk Reinickendorf lief das allerdings von Beginn an vollkommen anders ab.

Die Tegel Projekt GmbH verliert überraschend ihren Geschäftsführer

Einen entscheidenden Anteil daran hatte Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH, der das Projekt seit vielen Jahren mit hohem Engagement und Nachdruck vorangebracht hat. Dieser wird nun im März 2022 seinen Geschäftsführer-Posten überraschend räumen, wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte.

Seit April 2012 führte der 53 Jahre alte Bouteiller die Tegel Projekt GmbH. Immerhin: eine Nachfolge ist bereits gefunden. Die erst kürzlich verpflichtete Managerin Gudrun Sack wird ab dem 1. April 2022 die alleinige Geschäftsführung übernehmen.

Erstes Bebauungsplanverfahren erfolgreich abgeschlossen

Die Information über Bouteillers Demission ging einher mit der erfreulichen Nachricht, dass das erste Bebauungsplanverfahren für die zukünftige „Urban Tech Republic“ vor wenigen Tagen erfolgreich abgeschlossen wurde. Das verkündete Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel (Die Linke) im Rahmen einer Pressemitteilung.

Ende November hatte Scheel die entsprechende Festsetzungsverfügung unterzeichnet. Am 11. Dezember wurde die Verordnung über die Festsetzung des Bebauungsplans im Gesetz- und Verordnungsblatt für Berlin verkündet.

Erster Meilenstein zur Entwicklung des einstigen Terminal-Gebäudes

Damit sei laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ein entscheidender Meilenstein geschafft, um unter anderem Terminal A zum neuen Campus der Berliner Hochschule für Technik und Terminal B zum Kongress- und Start-up-Center umzubauen.

Der nun festgesetzte Bebauungsplan „12-50ba UTR Campus West“ umfasst den  Kernbereich des ehemaligen Flughafens Tegel. Dieser ist knapp 23 Hektar groß und umfasst die Terminalgebäude A, B, D und E, den Tower, die jeweils angrenzenden Freiflächen sowie Teile der Flughafen-Zufahrt.

Schaffung von Planungssicherheit für das ambitionierte Entwicklungsprojekt

Der Bebauungsplan schafft die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen für den ersten Bauabschnitt und sichert die künftige Nutzung durch Forschungs-, Labor- und Hochschuleinrichtungen sowie forschungsorientierte Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe.

Sebastian Scheel äußerte sich zum Projekt wie folgt: „Wir stehen vor der Mammutaufgabe, für ein 500 Hektar großes Stück Stadt neues Planungs- und Baurecht zu schaffen. Der erste Schritt ist nun getan. Nach sechs Jahren intensiver Planungen ist das erste Bebauungsplanerfahren abgeschlossen und damit die Basis geschaffen, das historische Gebäude-Ensemble in eine zukunftsweisende Hochschul- und Gewerbenutzung zu überführen.“

„Schumacher Quartier“ mit bis zu 5.000 Wohnungen soll ebenfalls entstehen

Parallel zur Erschließung der ehemaligen Flughafengebäude wird die grüne Infrastruktur mitentwickelt. Als zentrale Frei- und Erholungsräume im Campusbereich sollen der „Campusplatz Nord“ und der „Loop-Park“ mit einer integrierten, naturnahen Regenwasserbehandlungsanlage entstehen.

Direkt neben der „Urban Tech Republic“ soll nämlich auch ein Wohnquartier mit landeseigenen Wohnungen für rund 10.000 Menschen entstehen, das „Schumacher Quartier“. Auch die dazugehörigen Einrichtungen wie Schulen, Kitas, Sportanlagen und Einkaufsmöglichkeiten sollen geschaffen werden.

Das Quartier soll als Viertel mit bezahlbaren Mieten und viel Raum für Freizeit und Erholung konzipiert werden. Einen bindenden Bebauungsplan für diesen Teil des Areals gibt es bislang aber noch nicht.

Eine ausführliche Projektdokumentation gibt es hier
Weitere Projekte in Reinickendorf findet Ihr hier
Entwicklungsgebiet TXL: Hochhäuser am Kurt-Schumacher-Platz geplant
Flughafen Tempelhof: Sanierung kostet 2 Milliarden Euro
Siemensstadt 2.0: Spandaus großer Schritt in die Zukunft

Raum für Studierende: Im Terminal A des ehemaligen Flughafens wird die Beuth-Hochschule einziehen.

Bezahlbarer Wohnraum und innovative Technologien: Das sind die Pläne für das „Schumacher Quartier“ auf dem ehemaligen Rollfeld des Flughafens.

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4 Kommentare

  1. Dieter Oedding Dezember 20, 2021

    Grüne Stadt. Autofreie Stadt. Urban Tech Republic. Spricht vielleicht endlich mal jemand über eine effektive verkehrstechnische Erschließung des Areals durch die Verlängerung und den Ausbau der U-Bahn ab Jokob-Kaiser-Platz. Oder sollen die Versäumnisse der Vergangenheit „fortfahren“ – also Ausschließliche Versorgung mit dem Bus. Oder schlimmer mit der Tram. Wenn nicht rechtzeitig geplant wird, entsteht das nächste Ghetto ohne Anbindung.
    Abstieg vorprogrammiert!!! Aber daran kann sich das larmoyante „Opfer Narrativ“ der Linken dann ja wieder abarbeiten. Typisch Berlin.

  2. Philipp Dezember 29, 2021

    Ich verstehe nicht warum noch so viele Freiflächen unverplant sind? (Um die ehemalige Landebahn herum).
    Auch die einheitliche Traufhöhe sehe ich als Kritikpunkt. Gerade um die attraktiven Stellen in Richtung See, würde ich mehrere Hochhäuser planen, mit Blick auf Wald und See. Dafür könnten wiederum, günstigere Mieten kross-finanziert werden.

    Auch um die zentrale Beuth-Hochschule sollten Hochpunkte geplant werden um günstige Studentenwohnungen zu finanzieren. Gleichzeitig in den EG Sektionen Platz für Gewerbe, Gastronomie um den neuen Kiez Leben & Arbeitsplätze zu geben.

    • max müller Januar 28, 2022

      Ich schliesse mich dem Vorredner an. Berlin ist ja immer noch Hochhaus-feindlich, obwohl meiner Meinung nach einzelne Türme oder ein Ensemble aus einer Hand, die aber architektonisch anspruchsvoll sein sollten, als Landmarke identitätsstiftend sein können und die Gegend bereichern … und auch Variationen der Traufhöhe innerhalb des Blockrands können bereichernd wirken …

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