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Preisgekröntes Wohnprojekt: „Am Lokdepot“ in Berlin-Schöneberg

Das 2015 mit dem deutschen Architekturpreis ausgezeichnete Wohnungsbauprojekt „Am Lokdepot“ gilt bis heute als eines der gelungensten Beispiele für attraktiven, modernen Wohnungsbau. Die Wohnanlage im Osten des Berliner Stadtteils Schöneberg wurde vom Büro Robertneun Architekten entworfen und vom Berliner Projektentwickler UTB umgesetzt.

Preisgekrönte Wohnanlage in Berlin-Schöneberg: Das Projekt „Am Lokdepot“ von Robertneun Architekten.

Text und Fotos: Björn Leffler

 

Bereits aus der Ferne fällt die Wohnanlage „Am Lokdepot“ in Berlin-Schöneberg auf, schon durch die rote Färbung, die das federführende Büro Robertneun Architekten den Gebäudefassaden gegeben hat. Das Wohnquartier, welches bereits vor seiner Fertigstellung im Jahr 2015 mit dem deutschen Architekturpreis ausgezeichnet wurde, gehört zu den gelungensten Berliner Beispielen des modernen Wohnungsbaus.

Abgeschlossen wurden die Bautätigkeiten an dem komplexen Projekt erst 2019, nachdem sie rund neun Jahre zuvor begonnen hatten. Verantwortlich für die Realisierung des Vorhabens ist der Berliner Projektentwickler UTB, der in Kreuzberg unter anderem ein 98 Meter hohes Holzgebäude plant und in Lichtenrade ein weiteres Wohnquartier errichtet.

Aus 16 einzelnen Häusern besteht die Wohnanlage

Aus insgesamt 16 einzelnen Häusern besteht das Bauensemble, dessen Bau knapp 100 Millionen Euro gekostet hat. Ursprünglich war auf dem Gelände gar kein Wohnprojekt geplant, sondern die Errichtung eines Gewerbegebiets samt Discounter.

Die Architekten Nils Buschmann und Tom Friedrich aber, die im Büro Robertneun Architekten für das Projekt verantwortlich waren, sahen die Möglichkeit, auf dieser Fläche eine gänzlich andere Nutzung zu etablieren. Der Vorschlag, direkt an der Bahntrasse eine Wohnanlage zu realisieren, stieß Anfang der 2010er Jahre bei der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aber auf wenig Begeisterung.

Die Realisierung einer Wohnanlage direkt am Gleisbett musste erkämpft werden

So hätte nicht viel gefehlt und das Projekt wäre nie zustande gekommen, denn die politischen Widerstände waren enorm. Aufgrund der damals schwindenden Stadtbevölkerung sah die Stadt schlichtweg keinen Bedarf für ein so aufwendiges Wohnungsbauprojekt.

Die Bauherren jedoch setzten sich durch und schufen mit der Siedlung „Am Lokdepot“ letztlich eine Wohnsiedlung mit Vorbildcharakter. Heute, wo die Stadt in jeder noch so winzigen Lücke und auf allen erdenklichen Grundstücksformen Wohnungsbau praktiziert, mutet es befremdlich an, dass das Projekt so lang um seine Daseinsberechtigung kämpfen musste.

Der Park am Gleisdreieck ist nur wenige Minuten entfernt

Das mittlerweile bebaute Grundstück grenzt nicht nur an die Bahntrasse, sondern auch an die beiden Depothallen des Deutschen Technikmuseums aus den 1930er Jahren und darüber hinaus an den 2012 eröffneten Park am Gleisdreieck, der über einen autofreien Radweg in wenigen Minuten erreichbar ist. Es ist daher wenig verwunderlich, dass die Wohnungen in der Wohnsiedlung „Am Lokdepot“ enorm begehrt sind.

Entstanden sind jedoch nicht nur Wohnhäuser, sondern auch ein „Haus der Parität“. Hier zog eine Kita ein, zudem entstanden 40 Wohnungen für Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen sowie ein „Repair Café“ für Radfahrende an der Kolonnenstraße.

Höhenunterschiede prägen den Baugrund und machten das Projekt umso schwieriger

Das Areal war vor allem durch die bestehenden Höhenunterschiede so schwer zu bebauen. Der mit Ziegelstein verkleidete Sockel folgt der Topographie des Geländes, das zu den Hallen des Lokdepots hin um bis zu sieben Meter abfällt und zur Dudenstraße wieder auf das Niveau der Nachbarschaft ansteigt. Oben, an der Straße, ist der Sockel nur ein paar Stufen hoch, in der Senke nimmt er zwei Geschosse mit Gewerbeflächen auf.

Entstanden sind dabei insgesamt 220 Wohnungen, mit einem verglasten Kopfbau an der Dudenstraße als Abschluss. Die städtebauliche Setzung war klassisch: Die Bebauung schließt heute den unvollendeten Blockrand der Gründerzeit an der Eylauer Straße, dessen Brandwände und Seitenflügel bis zum Bau der Wohnanlage offen zur Gleisanlage standen.

Die häuser bestehen aus sechsetagigen Stahlbetonkonstruktionen

Die einzelnen Wohnhäuser sind sechsgeschossige Stahlbetonskelettkonstruktionen mit einer anfänglichen Ausstattung auf Rohbau-Niveau. Auch die Haustechnikleitungen sind zum Teil  offen und sichtbar geblieben.

Die tatsächlichen Wohnräume entstanden letztlich erst durch ergänzenden Innenausbau, für den die Architekten ein System aus Mauerwerks-, Holzschiebe-, Glastrenn- oder Schrankwänden angewandt haben. Die markanten, stilgebenden Fassaden bestehen durchweg aus rötlich eingefärbtem Sichtbeton und aus Metallteilen, die in sogenanntem „Feuerwehrrot“ lackiert wurden.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

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Quellen: Bauwelt, UTB Projektmanagement, Robertneun Architekten, Baunetzwissen

 

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