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Städtebauliches Modellprojekt? Das Dragoner Areal in Kreuzberg

Um die Zukunft des Dragoner Areals in Berlin-Kreuzberg wurde viele Jahre gestritten. Nun soll das Areal am Mehringdamm zu einem Vorzeigequartier für Berliner Stadtentwicklung avancieren. Die Pläne für das Quartier sind spannend und ambitioniert.

Nach diesem Masterplan soll das Dragoner Areal zukünftig entwickelt werden.

© Visualisierung: SMAQ Architektur und Stadt GmbH

 

In den vergangenen Jahren wurden die Pläne für die Umgestaltung des Dragoner Areals konkretisiert und an einem Bebauungsplan für das begehrte Gelände am Kreuzberger Mehringdamm gearbeitet. Grundlage für diesen Bebauungsplan ist der Siegerentwurf eines städtebaulichen Wettbewerbs, der vor mittlerweile über zwei Jahren entschieden wurde.

Im Januar 2020 kürte eine Jury den Entwurf der Planungsgemeinschaft SMAQ Architektur und Stadt, des Büros für Landschaftsarchitektur Man Made Land und Barbara Schindler von KulturKommunikation zum Sieger des Wettbewerbs. Auf dieser Grundlage wird derzeit der Bebauungsplan aufgestellt.

Städtebaulicher Wettbewerb wurde vor über zwei Jahren entschieden

Die Jury lobte dabei die „belastbare und robuste Konzeption“: Der empfohlene Entwurf arbeite die historische Differenz zwischen der ehemaligen Kasernenanlage und der gründerzeitlichen Blockrandbebauung heraus und schaffe gleichzeitig ein neues ausdrucksstarkes Stadtquartier.

Dass es heute die Möglichkeit gibt, das Areal überhaupt zu einem städtebaulichen Modellprojekt entwickeln zu können, wie es den Projektteilnehmern vorschwebt, war noch vor wenigen Jahren nicht absehbar. Im Dezember 2018 machte der Bund nach Protesten von Anwohnern sowie auch der Berliner Landespolitik den Verkauf an einen Privatinvestor rückgängig.

Das Land Berlin erhielt das Grundstück im Jahr 2019

Im Mai 2019 folgte dann – im Rahmen der damals frisch geschlossenen  Hauptstadtverträge – die Übergabe des Grundstücks an das Land Berlin. Für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ein wahrer Glücksfall. Bei der Neuplanung des Areals, die anschließend begann, verzichtete die Politik auf die sonst üblichen Vorgaben für die Planungsbüros. So wurden sehr viele und sehr unterschiedliche Entwürfe eingereicht, die in der Folge gesichtet und weiterentwickelt wurden.

Bezirksstadtrat Florian Schmidt stellt sich als Leitbild für die Quartiersentwicklung die „Kreuzberger Mischung“ aus bezahlbarem Wohnen, Gewerbe, Kultur und In­fra­struk­tur vor. Er erhofft sich die Entwicklung von Modellen, die „die Ökonomie des Wohnens neu beleuchten“.

Ein Wohnhaus mit 16 Geschossen soll neu gebaut werden

Die Pläne jedenfalls sind ambitioniert: Ein Wohnhaus mit 16 Geschossen soll am Rand des Geländes entstehen, ein großer Marktplatz im Zentrum und Gärten für die Mieter der 525 bezahlbaren Wohnungen. Der Großteil der Wohnungen soll von der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte entwickelt werden.

Zusätzlich soll ein Anbau für das Kreuzberger Rathaus sowie ein Erweiterungsbau für das Finanzamt entstehen. Eine große Quartiershalle für den Kiez, wo an Rädern geschraubt, genetzwerkt, geredet und gefeiert werden soll, ist ebenfalls vorgesehen.

Eine „Kiezerweiterung für alle“ ist geplant

Das Projekt soll nach Wünschen des Bezirks und der beteiligten Bürgerinitiativen eine „Kiezerweiterung für alle“ werden. Das Bauvorhaben soll daher gemeinschaftlich, genossenschaftlich und orientiert an den Bedürfnissen von Menschen entwickelt werden, die steigende Mieten und Verdrängung fürchten.

Sechs Kooperationspartner sollen die Interessen der vielen unterschiedlichen Akteure des künftigen Quartiers bündeln. Sie bilden die sogenannte „Koop6“: das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Bauen und Wohnen, das Vernetzungstreffen Rathausblock sowie Delegierte aus dem Forum Rathausblock, des Berliner Immobilienmanagements („BIM“) und der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte („WBM“). Die Kooperation hatte das städtebauliche Werkstattverfahren ausgelobt und im Sommer 2019 angestoßen.

Auch ein Grünzug soll auf dem Gelände entstehen

Neben den erwähnten Wohnungen und der urbanen Fabrikhalle soll auf dem Gelände auch eine sogenannte „Grünfüge“ entstehen, ein begrünter Freiraum, der sich von Nord nach Süd durch das Areal ziehen soll. Die ehemaligen Reithallen und Remisen sollen im Zuge des Bauprojekts erhalten bleiben.

Wie die tatsächliche Ausgestaltung des Bauvorhabens letztlich aussehen wird, wird sehr spannend zu beobachten. In jedem Fall gehört das Entwicklungskonzept für das Dragoner Areal zu den ungewöhnlichen Stadtentwicklungsprojekten Berlins – und ist deshalb umso spannender.

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