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In Reinickendorf entsteht der Neubau des „Märkischen Quartiers“

Bereits 2022 sollen erste Bereiche des Großprojekts „Märkisches Quartier“ im Berliner Bezirk Reinickendorf fertiggestellt werden. Das Bauvorhaben mit einem Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Euro soll dem „Märkischen Zentrum“, einer Einkaufspassage im Kern des Märkischen Viertels, bis 2023 ein neues, attraktives Gesicht geben. Der von vielen Anwohnern geforderte Weiterbau der U-Bahnlinie 8 jedoch ist weiterhin ungewiss.

Im Querschnitt: So wird die Erweiterung des „Märkischen Zentrums“ zum „Märkischen Quartier“ geplant. Herzstück des neu errichteten Teils wird ein 20-stöckiges Hochhaus sein.

 

© Visualisierungen: Kintyre Investments GmbH

 

Es ist viel geschehen im Märkischen Viertel in den letzten Jahren. Das landeseigene Wohnungsbauunternehmen GESOBAU hat insgesamt 550 Millionen Euro investiert, um die Wohnungen energetisch zu sanieren. Die vor mehreren Jahrzehnten gepflanzten Bäumen haben inzwischen eine stattliche Höhe erreicht – das heutige Märkische Viertel ist erstaunlich grün.

Dennoch ist das Image der Wohnsiedlung im Norden Berlins ganz sicher ausbaufähig, was dem Quartier nicht immer gerecht wird. Die Großsiedlung wurde von 1963 bis zum Frühjahr 1974 gebaut und war mit ihren rund 17.000 Wohnungen für bis zu 50.000 Bewohnerinnen und Bewohner ausgelegt.

Planungen für den Bau des „MV“ reichen bis in die 1950er Jahre zurück

Das im Volksmund „MV“ genannte Quartier war die erste, große Neubausiedlung im damaligen West-Berlin. Erste Ideen zu einer städtebaulichen Neuordnung an dieser Stelle reichen bis in die frühen 1950er Jahre zurück. Hintergrund war die akute Wohnungsnot, die es in der Frontstadt in den Jahren und Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg genauso wie in Ost-Berlin gab.

Am Wilhelmsruher Damm, der das Quartier in Ost-West-Richtung durchquert, liegt das heutige Einkfauszentrum „Märkisches Zentrum“. Es entstand im Zusammenhang mit dem Bau des umliegenden Neubaugebietes und wurde bereits in den 1960er Jahren eröffnet. Mehrere bauliche Erweiterungen und Modernisierungen folgten in den kommenden Jahrzehnten.

Aus dem „Märkischen Zentrum“ wird das „Märkische Quartier“

Eine neuerliche, großformatig angelegte Modernisierung und Ergänzung des „Märkischen Zentrums“ wird derzeit im Märkischen Viertel umgesetzt, und zwar bei laufendem Betrieb. Das Unternehmen Kintyre Management GmbH, Eigentümer des Einkaufszentrums, investiert rund 200 Millionen Euro in den Um- und Weiterbau.

Trotz der Corona-Pandemie liege das Projekt laut Kintyre voll im Zeitplan. Es habe keine größeren Behinderungen gegeben, lediglich Material- und Techniklieferungen hätten sich teilweise um wenige Wochen verzögert. Die ersten Abschnitte im Neubau würden demzufolge Ende 2022 eröffnen, die Gesamteröffnung ist schon für das Jahr 2023 anvisiert.

Im Rahmen des Projekts entstehen auch 330 neue Wohnungen

In den bereits bestehenden Gebäuden sind alle Ladenflächen vermietet, im zukünftigen Neubaubereich sollen es nach Angaben des Unternehmens bereits weit über 60 Prozent sein. Neben zusätzlichen Einkaufsmöglichkeiten und einer neu gebauten Markthalle sollen auch rund 330 neue Wohnungen entstehen. Darunter werden auch Wohneinheiten für altersbetreutes Wohnen sein.

Ein Ärzte- und Gesundheitszentrum, eine Kita (für 130 Kinder), Büroflächen, Freizeitangebote, Gastronomie, Parkplätze und Logistikflächen werden im Zuge des Projekts ebenfalls geschaffen. Auch für Erholungsflächen soll gesorgt werden. So sollen ein 5.000 Quadratmeter großer Brunnenplatz und ein fast doppelt so großer Dachgarten entstehen.

Ein eigenes „Stadtquartier der kurzen Wege“ soll entstehen

Aus dem Einkaufszentrum soll durch die nun stattfindende, bauliche Erweiterung also ein eigenes, kleines Stadtquartier entstehen, welches vor allem damit glänzen möchte, dass zwischen Wohnen, Einkaufen und Freizeit kurze Wege geschaffen werden – und Autos für die neuen Bewohnerinnen und Bewohner letztlich überflüssig werden. Daher betonen die Bauherren den nachhaltigen Grundcharakter des Bauprojekts.

Dennoch sollen durch den Umbau natürlich auch neue Kundengruppen erreicht werden – auch jene, die mit dem Auto anreisen. Das „Märkische Quartier“ wird zukünftig für rund 120.000 Menschen innerhalb einer Fahrzeit von nur zehn Minuten erreichbar sein. In einer neuen Tiefgarage stehen diesen potenziellen Kunden insgesamt 600 Parkplätze zur Verfügung.

Ein weiteres Projekt kommt nicht voran: Die Verlängerung der U8

So weit das Projekt „Märkisches Quartier“ mittlerweile vorangeschritten ist, so ungewiss sind die Erfolgsaussichten für ein weiteres Entwicklungsvorhaben, welches im Märkischen Viertel seit Jahrzehnten diskutiert wird: Die Verlängerung der U-Bahnlinie 8.

Bereits vor einem Jahr berichteten wir über mögliche Streckenverlängerungen der Berliner U-Bahnlinien. Über eine mögliche Verlängerung der U8 bis ins Märkische Viertel hinein wird bereits nachgedacht, seitdem die bis heute gültige Endhaltestelle – der U-Bahnhof Wittenau am Wilhelmsruher Damm – Mitte der 1990er Jahre eröffnet wurde.

Anwohner fordern eine Verlängerung der Linie bis in das Märkische Viertel

Nach Einschätzung der SPD-Fraktion würde eine solche Verlängerung ca. 220 Millionen Euro kosten. Von vielen Anwohnerinnen und Anwohnern wird eine solche Verlängerung schon lange eingefordert, da diese heute am U-Bahnhof Wittenau in den Bus umsteigen müssen, um in ein Wohnviertel weiterzufahren, welches mit seinen rund 50.000 Bewohnerinnen und Bewohnern zu den größten Berlins gehört.

Doch auch im neuen Koalitionsvertrag findet sich nichts verbindliches zum U-Bahn-Weiterbau im Norden Berlins. Andere Streckenführungen, wie etwa der Lückenschluss der Linie U3 zum Mexikoplatz in Zehlendorf oder die Verlängerung der U7 zur Heerstraße auf der einen und dem BER auf der anderen Seite scheinen derzeit Priorität zu haben.

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So soll die neue Markthalle des Projekts „Märkisches Zentrum“ zukünftig aussehen.

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