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Virchow-Campus in Wedding: Neue Charité-Kinderklinik soll entstehen

Mit dem anvisierten Neubau einer Kinderklinik durch das Berliner Charité Universitätsklinikum soll vor allem in der aktuellen Notsituation und für die Zukunft ein wichtiger Impuls gesetzt werden. Der Neubau soll mehr Platz zur Behandlung von Kindern und Säuglingen ermöglichen, doch das Personalproblem bleibt nach wie vor bestehen.

Der bekannte Standort der Charité auf dem Campus in Berlin Mitte. Nun plant der landeseigene Klinikkonzern den Bau einer neuen Kinderklinik auf dem Virchow Campus im Wedding. Der Bedarf ist groß. / © Foto: depositphotos.com

© Fotos: depositphotos.com
Text: Henriette Schubert

 

Die aktuelle Welle des RS-Virus‘ bringt Kinderkliniken im ganzen Land an ihre Grenzen, denn es fehlt an ausreichend Betten und dem nötigen Personal. Durch die steigende Zahl von Atemwegsinfekten bei Kleinkindern, die seit Wochen anhält, meldete am Donnerstag bereits nur noch eine von acht Berliner Kliniken, die über eine Kinder-Intensivstation verfügen, noch freie Behandlungsplätze.

Da Kinderkliniken sehr personalintensiv sind, ist die aktuelle Finanzierung nicht ausreichend, sodass die entsprechenden Abteilungen vernachlässigt werden. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der in dieser Woche seine Pläne zur Krankenhausreform vorstellte, verwies daher eingehend auf die derzeitig Notlage der Kinderkliniken.

Berlin: Personal- und Platzmangel in überlasteten Kinderkliniken

Langfristig soll daher durch die Einführung von Vorhaltemitteln die Finanzierung verändert werden. Kinderärzte begrüßen diese Maßnahme, eine kurzfristige Hilfe stelle sie indessen jedoch nicht dar.

Auch Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Die Grünen) verdeutlicht, dass es in solch akuten Krisensituationen vor allem mehr Personal in den Krankenhäusern bräuchte. Da die Praxen der niedergelassenen Ärzte über die Feiertage in der Regel geschlossen werden, steigt der Druck auf die Kinder-Notaufnahmen weiterhin an.

Dringender Nachholbedarf für kapazitäten in der Kindermedizin

Auch der Charité-Top-Pädiater Marcus Mall sieht dringenden Handlungsbedarf. Berlin wachse weiterhin und verzeichne vor allem Zuzüge von Familien mit Kindern. Die Behandlungskapazitäten seien jedoch nicht gleichermaßen erhöht worden, zumal die starke Spezialisierung in der Kindermedizin einen erhöhten Platzbedarf mit sich führe.

Die Klinik für Pädiatrie am Virchow-Campus in Berlin-Wedding, deren Direktor Mall ist, war zuletzt eine der Kliniken, die noch Behandlungskapazitäten ermöglichen konnte. Ein Ausnahmefall, der schnell beendet sein könnte.

Virchow-Campus: Erweiterung für Behandlungen und Arbeitsplätze

In dieser aktuellen Debatte bezüglich der Notsituation in und für Kinderkliniken möchte die landeseigene Charité daher einen neuen Impuls setzen. Der Neubau einer Kinderklinik am Virchow-Campus in Wedding soll zusätzliche Räume zur Behandlung ermöglichen, doch die genaue Größe des Vorhabens ist noch nicht beschlossen.

Um zukünftig nicht nur attraktive Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch moderne Behandlungen ermöglichen zu können, müsse die entsprechende Infrastruktur auf dem neuesten Stand sein, so Martin Kreis.

Innovative Finanzierungsmöglichkeiten durch private Beteiligung

Martin Kreis ist im Charité-Vorstand für die Krankenversorgung zuständig und gibt auf Nachfrage auch einen Ausblick auf Finanzierungsmöglichkeiten des Vorhabens. Innovative Finanzierungswege müssten hierfür geprüft werden, da öffentliche Haushalte hoch belastet seien.

Die private Unterstützung soll der Universitätsklinik daher helfen, das Neubauvorhaben schneller umsetzen zu können. Erleichterung könnte dabei durch eine Teilfinanzierung aus privaten Spenden erreicht werden. Auch der Bau des Gebäudes durch ein privates Unternehmen und die anschließende Anmietung durch die Charité stellt eine Finanzierungsmöglichkeit dar.

Charité: Unterstützung für privatwirtschaftliches Engagement

Begrüßt werden diese Pläne auch von Adrian Grasse, CDU-Wissenschaftsexperte im Abgeordnetenhaus. Er lobt das mögliche privatwirtschaftliche Engagement, welches in Zusammenarbeit den Ausbau bestehender Strukturen ermögliche.

Unterstützung erhält das Vorhaben überdies durch Senatschefin und Bürgermeisterin Franziska Giffey, obgleich die SPD bislang öffentlich-privaten Partnerschaften eher skeptisch gegenüberstand.

Berliner Charité: Weitere Sanierungen und Neubauvorhaben sind schon geplant

In den nächsten Jahren plant die Charité neben einer umfassenden Sanierung aller Standorte auch weitere Neubauten, wie beispielsweise ein Forschungszentrum für Gen- und Zelltherapie am Berliner Nordhafen gemeinsam mit der Pharma-Sparte des Konzerns Bayer, die Erweiterung des Campus Benjamin Franklin in Steglitz oder den Neubau des deutschen Herzzentrums auf dem Geländes des Virchow Campus.

Die erwarteten Kosten nur für das neue Forschungszentrum am Nordbahnhof liegen laut Charité-Angaben im niedrigen Bereich einer dreistelligen Millionensumme, die unter der Charité, Bayer und möglicherweise anderen Beteiligten aufgeteilt werden müsste. Für den geplanten Neubau der Kinderklinik wird ein ähnlicher Betrag angenommen.

 

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