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Gegen den Weiterbau der A100 formiert sich breiter Widerstand

Am Samstag haben tausende Menschen mit einer Fahrraddemo gegen den geplanten Weiterbau der Bundesautobahn 100 protestiert. Seit über zehn Jahren kämpfen Bürgerinitiativen gegen die Verlängerung der A100.

Der Weiterbau der Autobahn 100 ist eines der größten und langwierigsten Verkehrsprojekte, die derzeit in der Bundeshauptstadt umgesetzt werden – und wird seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert.

Kontrovers diskutiertes Infrastrukturprojekt

Die A 100 beginnt im Nordwesten Berlins als Verlängerung der Seestraße im Stadtteil Wedding und verläuft bis zum Autobahndreieck Charlottenburg. Die A 100 führt auch an der  südlichen Begrenzung des Tempelhofer Feldes entlang, ehe die Streckenführung nach Süden durch Neukölln geführt wird und letztlich in die A113 übergeht.

Die Bundesautobahn 100 war als Kernstück eines West-Berliner Autobahnnetzes geplant worden, die halbrunde Struktur sollte im Fall der deutschen Wiedervereinigung zu einer Ringstrecke durch den Berliner Osten hindurch vervollständigt werden.

Ursprünglich war die A100 als Innenstadt-Ringstrecke geplant

Spätere Planungen nach der Wiedervereinigung sind von diesem Plan jedoch wieder abgerückt, da die städtebaulichen Einschnitte als zu gravierend angesehen wurden. Eine bauliche Ergänzung der Strecke wurde nach der Wiedervereinigung aber dennoch geplant und auch umgesetzt.

Nach 1989 wurde vor allem der Ausbau in südlicher Richtung, vom Autobahndreieck Neukölln in Richtung A113, forciert. Aber auch in nördlicher Richtung wird die Autobahn nun baulich erweitert.

Verlängerung in südlicher Richtung wurde seit den 90er Jahren umgesetzt

Der Weiterbau ist nach aktuellen Planungen in zwei Abschnitten vorgesehen. Der erste Abschnitt ist bereits im Bau und führt die Strecke entlang der Ringbahn und am ehemaligen Güterbahnhof Treptow vorbei bis zum Treptower Park. Beim Bau des Multiplex-Kinos und des Park-Center-Einkaufszentrums in den Jahren 2000 bis 2003 wurde hinter den Gebäudekomplexen die Fläche für die Ausfahrt Treptower Park freigehalten. Hier wird die Autobahn nach Abschluss des derzeit laufenden Bauabschnitts enden.

Damit sind die Planungen aber noch nicht abgeschlossen. Der geplante, insgesamt 17. Bauabschnitt, soll die A100 von dort aus zum großen Teil unterirdisch bis zur Storkower Straße führen, wo die Autobahn dann dauerhaft enden soll.

Geplanter 17. Bauabschnitt: Verlängerung bis zur Storkower Straße

Der Protest gegen diese Planungen hat am Samstag nach Schätzungen der Polizei rund 4.000 Menschen auf die Straße gebracht. Es war nicht die erste Protestaktion dieser Art.

Gegen den Ausbau haben sich bereits Ende der 2000er Jahre die Bürgerinitiative “BISS (“Bürgerinitiative Stadtring Süd”)” und das “Aktionsbündnis A 100 stoppen!” gegründet. Zahlreiche Aktionen wie beispielsweise eine Fahrrad-Demonstration im April 2009 oder Aktionen wie ein Flashmob auf einer Kreuzung an der Oberbaumbrücke gehen auf ihr Konto.

Grüne, “ADFC” und “BUND” beteiligten sich an der Fahrraddemo

Bei der Demonstration am Samstag nahm auch der Allgemeine Deutschen Fahrradclub (“ADFC”) und der Bund für Umwelt und Naturschutz (“BUND”) teil. Auch die Spitzenkandidatin der Grünen für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin, Bettina Jarasch, radelte mit.

Das Ziel der Demonstranten ist es, den nächsten, noch nicht begonnenen, Bauabschnitt zu verhindern. Dieser soll nach ihren Vorstellungen aus dem Verkehrswegeplan gestrichen werden, wo er bereits fest eingeplant ist. Enden soll die Strecke demnach am jetzigen Autobahn-Bauabschnitt an der Elsenbrücke in Treptow.

Kritiker bemängeln: Projekt passe nicht zur geplanten Verkehrswende des Senats

Hauptkritikpunkte der Projekt-Gegner ist der Bau einer breiten Verkehrsschneise durch ein dicht besiedeltes, innerstädtisches Areal. Zudem passe das Projekt nicht in die vom rotrotgrünen Senat kolportierte Verkehrswende.

Darüber hinaus bemängeln die Projektgegner, dass aufgrund der dauerhaft erhöhten Belastung der Innenstadt durch Stickoxide und Feinstaub das gültige Planfeststellungsverfahren eigentlich hinfällig sei.

Wirtschaftsbündnisse und FDP fordern geplante Umsetzung des Projekts

Jedoch hat das Projekt auch starke Befürworter. Die Initiative “Wirtschaft pro A100″ setzt sich für den Weiterbau ein, da der Ostteil Berlins für Spediteure und Transportlogistiker durch das fehlende Autobahnnetz traditionell schwierig zu befahren ist.

Auch die Berliner FDP unterstützt die Vollendung der begonnenen Verlängerung nach Norden. “Der Weiterbau der A100 ist eines der wichtigsten Verkehrsprojekte in Berlin. Darin steckt inzwischen auch ein hoher finanzieller Aufwand“ sagt Henner Schmidt, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

Projekt ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 fest eingeplant

Im “Bundesverkehrswegeplan 2030” wird der Weiterbau als Projekt der höchsten Dringlichkeitsstufe geführt. Hier wurden der bereits laufende und der noch geplante Bauabschnitt als ein einheitliches Projekt zusammengefasst. Eine Änderung der Planungen hätte also auch bundespolitische Auswirkungen.

Zumal der Weiterbau auch baulich bereits vorbereitet wurde. Beim Umbau des Bahnhofs Ostkreuz wurden ab 2006 bereits Schlitzwände gegraben, wodurch Betonwände mit einer Dicke von 120 Zentimetern und einer Tiefe von 24 Metern im Boden entstanden. Eine Weiterführung der A100 würde also zwangsweise das heutige Ostkreuz unterqueren.

Zukünftige Autobahn würde durch Friedrichshain führen

Die zukünftige Autobahn durch den Stadtteil Friedrichshain würde zu einem großen Teil durch einen doppelstöckigen Tunnel geführt werden. Der Bauabschnitt beginnt nach heutigen Planungen an der Anschlussstelle Am Treptower Park, würde die Spree über- und das Ostkreuz unterqueren, um dann weiter unterirdisch entlang der Neuen Bahnhof-/Gürtelstraße bis zur Anschlussstelle Frankfurter Allee zu führen.

Ursprünglich sollte der Bauabschnitt dort enden. Im  Bundesverkehrswegeplan 2015 hingegen wurde eine Verlängerung bis zur Storkower Straße festgelegt.

Projekt würde weit über 500 Millionen Euro kosten

Ob das Projekt tatsächlich so umgesetzt wird, ist heute nicht abzusehen. Die Weiterführung der Trasse würde wohl weit über zehn Jahre dauern und Kosten in Höhe von deutlich über 500 Millionen Euro (Schätzung aus dem Jahr 2013) verursachen.

Abhängig wird die Umsetzung auch davon sein, welche politischen Mehrheiten und Konstellationen sich nach der Abgeordnetenhauswahl im September 2021 ergeben. Die Parteien Linke und Grüne haben im Rahmen der Demonstration am Samstag bereits ihre Haltung gegen das Projekt kundgetan.

CDU, FDP und SPD hingegen unterstützen den aktuellen Planungsstand des Projekts auch weiterhin. Es wird wohl noch einige Jahre weiter diskutiert werden, bis die tatsächliche Zukunft des Projekts klar ist.

Weitere Projekte in Friedrichshain findet Ihr hier.
Weitere Projekte in Treptow sind hier zu finden.

 

 

On Saturday, thousands of people protested with a bicycle demonstration against the planned further construction of the Federal Highway 100. For more than ten years, citizens’ initiatives have been fighting against the extension of the A100.

The further construction of the Autobahn 100 is one of the largest and most protracted transport projects currently being implemented in the German capital – and has been the subject of controversial debate for decades.

CONTROVERSIAL INFRASTRUCTURE PROJECT

The A 100 begins in northwest Berlin as an extension of Seestraße in the Wedding district and runs to the Charlottenburg interchange. The A 100 also runs along the southern boundary of Tempelhofer Feld before the route heads south through Neukölln and ultimately merges with the A113.

The A100 was planned as the core of a West Berlin autobahn network, and the semicircular structure was to be completed into a ring road through eastern Berlin in the event of German reunification.

ORIGINALLY, THE A100 WAS PLANNED AS AN INNER-CITY RING ROUTE

However, later plans after reunification abandoned this plan because the urban cuts were considered too severe. A structural addition to the line was nevertheless planned and also implemented after reunification.

After 1989, the expansion in the southern direction, from the Neukölln interchange in the direction of the A113, was pushed ahead. But the autobahn is now also being structurally extended in a northerly direction.

EXTENSION IN THE SOUTHERN DIRECTION HAS BEEN UNDERWAY SINCE THE 1990S

According to current plans, the extension will be built in two sections. The first section is already under construction and will run along the Ringbahn and past the former Treptow freight station to Treptower Park. During the construction of the multiplex cinema and the Park Center shopping mall between 2000 and 2003, the area behind the building complexes was kept free for the Treptower Park exit. This is where the freeway will end after completion of the construction phase currently underway.

However, this does not mark the end of planning. The planned 17th construction phase in total is to run the A100 from there largely underground to Storkower Strasse, where the freeway is then to end permanently.

PLANNED 17TH CONSTRUCTION PHASE: EXTENSION TO STORKOWER STRASSE

The protest against these plans brought around 4,000 people onto the streets on Saturday, according to police estimates. It was not the first protest action of this kind.

Already at the end of the 2000s, the citizens’ initiative “BISS (“Bürgerinitiative Stadtring Süd”)” and the “Aktionsbündnis A 100 stoppen!” were founded against the expansion. Numerous actions, such as a bicycle demonstration in April 2009 or actions like a flash mob on an intersection at the Oberbaumbrücke, can be attributed to them.

GREEN party, “ADFC” AND “BUND” PARTICIPATED IN THE BICYCLE DEMONSTRATION

The demonstration on Saturday was also attended by the General German Bicycle Club (“ADFC”) and the Federation for the Environment and Nature Conservation (“BUND”). The top candidate of the Green Party for the office of Governing Mayor, Bettina Jarasch, also cycled along.

The goal of the demonstrators is to prevent the next, not yet started, construction phase. This is to be deleted according to their conceptions from the traffic route plan, where it is already firmly planned. The route is to end at the current highway construction section at the Elsen Bridge in Treptow.

CRITICS: PROJECT DOES NOT FIT IN WITH THE SENATE’S PLANS FOR “Verkehrswende”

The main criticism of the project opponents is the construction of a wide traffic corridor through a densely populated inner-city area. In addition, the project does not fit in with the red-green senate’s traffic turnaround.

In addition, the project opponents complain that the valid planning approval procedure is actually invalid due to the permanently increased pollution of the inner city by nitrogen oxides and particulate matter.

BUSINESS ALLIANCES AND FDP CALL FOR PLANNED IMPLEMENTATION OF THE PROJECT

However, the project also has strong supporters. The initiative “Wirtschaft pro A100” (Business for the A100) is campaigning for continued construction, as the eastern part of Berlin has traditionally been difficult for freight forwarders and transport logistics companies to navigate due to the lack of a freeway network.

Berlin’s FDP also supports the completion of the extension to the north, which has already begun. “The further construction of the A100 is one of the most important transport projects in Berlin. In the meantime, it also involves a high financial outlay” says Henner Schmidt, transport policy spokesman for the FDP parliamentary group in the Berlin House of Representatives.

PROJECT IS FIRMLY PLANNED IN THE FEDERAL TRAFFIC ROUTE PLAN 2030

In the “Bundesverkehrswegeplan 2030” (Federal Transport Infrastructure Plan 2030), further construction is listed as a project of the highest priority. Here, the construction phase that is already underway and the one that is still planned have been combined as a single project. A change in planning would therefore also have federal policy implications.

Especially since the further construction has already been prepared structurally. During the reconstruction of the Ostkreuz station, diaphragm walls were already dug starting in 2006, creating concrete walls 120 centimeters thick and 24 meters deep in the ground. A continuation of the A100 would therefore inevitably pass under the current Ostkreuz.

FUTURE FREEWAY WOULD PASS THROUGH FRIEDRICHSHAIN

Much of the future freeway through the Friedrichshain district would be routed through a double-decker tunnel. According to current plans, the construction section would begin at the Am Treptower Park junction, cross the Spree River and pass under the Ostkreuz interchange, then continue underground along Neue Bahnhof-/Gürtelstraße to the Frankfurter Allee junction.

Originally, the construction section was to end there. In the 2015 Federal Transport Infrastructure Plan, however, an extension to Storkower Strasse was specified.

PROJECT WOULD COST WELL OVER 500 MILLION EUROS

It is not possible to say today whether the project will actually be implemented. Continuing the route would probably take well over ten years and cost well over 500 million euros (estimate from 2013).

Implementation will also depend on which political majorities and constellations emerge after the elections to the House of Representatives in September 2021. The Left and Green parties have already announced their stance against the project during the demonstration on Saturday.

CDU, FDP and SPD, on the other hand, continue to support the current planning status of the project. There will probably be further discussions for several years until the actual future of the project is clear.

MORE PROJECTS IN FRIEDRICHSHAIN CAN BE FOUND HERE.
FURTHER PROJECTS IN TREPTOW CAN BE FOUND HERE.

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