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Neubau am Checkpoint Charlie: Mit Dialogverfahren zum Erfolg?

Vier Millionen Gäste besuchen jährlich den Checkpoint Charlie, der zwar eines der beliebtesten Touristenziele Berlins ist, baulich aber ein unansehnliches Provisorium geblieben ist. Nun startete ein Dialogverfahren des Berliner Senats, um diesen Zustand endlich zu beenden und eine dauerhafte Lösung zu entwickeln. 

Vier Millionen Besucherinnen und Besucher besuchen jährlich den Checkpoint Charlie, einen der beliebtesten Touristen-Hotspots Berlins. Baulich ist das Ensemble jedoch seit Jahrzehnten unvollendet. / © Foto: depositphotos.com

© Fotos: depositphotos.com
Text: Wolfgang Leffler

 

Bereits im Mai 2022 hatten wir über die seit Jahrzehnten schwierige Eigentums- und Entwicklungssituation rund um den historisch bedeutenden, ehemaligen Kontrollpunkt Checkpoint Charlie berichtet, der direkt an der ehemaligen, deutsch-deutschen Grenze liegt. Heute treffen sich hier die Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg.

Auf Einladung der Zebralog GmbH fand am 4. Oktober in den Räumlichkeiten des Forum Factory Berlin nun die öffentliche Auftaktveranstaltung zum Wettbewerbsverfahren der zukünftigen Gestaltung des Check Point Charlie statt.

Das neuerliche Planungsverfahren zum Checkpoint Charlie läuft seit 2018

Das Planungsverfahren zur Entwicklung des Checkpoint Charlie wurde bereits im Januar 2018 durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen durchgeführt, als sogenanntes Partizipationsverfahren unter Beteiligung unterschiedlicher Akteursgruppen. So kamen damals die Senatsverwaltung, Experten, Investoren, Verfahrensbegleiter sowie die Berliner Stadtgesellschaft zum Zug.

Vorausgegangen war ein öffentlicher und jahrelang geführter Streit um die passende Bebauung des Areals. Ab 2016 hatte der Senat in Zusammenarbeit mit dem Projektentwickler Trockland die vollständige Bebauung der Ostseite des Areals geplant. Nach Plänen von Graft Architects sollten ein Hotel, ein Bürogebäude mit einem integrierten Museum und eine verbleibende Freifläche auf der Westseite entstehen. Rund 75 Millionen Euro sollten in das Projekt investiert werden.

2018 beendete der Senat bereits bestehende Planungen mit privaten Investoren

Nachdem das Gelände im Juni 2018 jedoch vom Landesdenkmalamt Berlin als Denkmalbereich unter Schutz gestellt worden war, entwickelte sich eine neue, fachliche und politische Diskussion um den angemessenen Umgang mit der Fläche, die von zahlreichen Medien befeuert und zum Teil auch mit Falschinformationen versehen wurde, wie sich später herausstellen sollte.

Einer der Kritikpunkte waren die hinter Trockland stehenden Investoren. Im Dezember 2018 entschied der Berliner Senat dann zugunsten einer kompletten Neuplanung des Geländes mit verringerter Bebauung und einem Museum auf der Ostseite.

Nach jahrelanger Entwicklung stand der Checkpoint Charlie mal wieder am Anfang

Dies bedeutete zugleich: Das Projekt stand nach vielen Jahren des Planens und der Debatte wieder bei null. Zudem läuft bis heute ein Rechtsstreit mit Trockland, dessen Ausgang noch nicht absehbar ist und der über dem Projekt noch als unvorhersehbare Variable schwebt.

Nichtsdestotrotz treibt der Senat die Entwicklung des Areals am Checkpoint Charlie voran. Ziel des 2018 neu begonnenen Prozesses war zuerst die Schaffung einer städtebaulichen Idee zur Erhaltung der urbanen Bereiche rund um den einstigen Kontrollpunkt, welcher letztendlich im Jahr 2020 in einen vom Berliner Senat beschlossenen Bebauungsplan für das Quartier mündete.

Leitlinien für Bebauung am Checkpoint Charlie wurden 2020 verabschiedet

Darin wurden die Leitlinien zum städtischen Wohnen in den Randgebieten des Checkpoint Charlie formuliert und mit einer maximalen Höhe von 27 Metern und acht Vollgeschossen unter Bezugnahme auf die historische Bauhöhe festgelegt.

Da es sich bei diesem Areal wie oben erwähnt um denkmalgeschütztes Gelände handelt, kommt zwei bestehenden Brandwänden besondere Bedeutung zu. Auch die etwa vier Millionen Besucherinnen und Besucher, die jährlich den Checkpoint Charlie aufsuchen, stehen im Fokus der Projektentwicklung.

Auch eine unterirdische Bebauung ist Teil der aktuellen Überlegungen

Die Ecke Friedrichstraße / Zimmerstraße soll künftig der Schwerpunkt einer Gebäudebebauung sein. Auch über eine unterirdische Bebauung wird derzeit nachgedacht, was allerdings noch weitere, intensive Baugrunduntersuchungen voraussetzt und auch finanziell abgesichert sein muss.

Momentan arbeitet ein Planungsteam die städtebaulichen Rahmenbedingungen und Empfehlungen heraus unter dem Aspekt eines erweiterten und engeren Betrachtungsraumes, die es bei einer zukünftigen Bebauung zu berücksichtigen gilt. Dabei stehen die Themenpakete Verkehr und Mobilität, Denkmalschutz und Tourismus, Nachhaltigkeit sowie Städtebau, Freiraumnutzung und Kultur im Mittelpunkt.

Im Januar 2023 sollen die Ergebnisse des Dialogverfahrens präsentiert werden

Wie diese Kernthemen im Rahmen einer zukünftigen Entwicklung und Bebauung sinnvoll miteinander verwoben werden können, soll bis kurz vor Weihnachten diesen Jahres feststehen. Eine öffentliche Präsentation zum aktuellen Zwischenstand des Entwicklungsprozesses soll es im November 2022 geben. Bereits im Januar 2023 sollen die Abschlussergebnisse präsentiert werden.

Seitens des Landesdenkmalschutzes wurden die bereits erwähnten Brandwände als besonders wichtige Bestandteile des Baudenkmals Checkpoint Charlie dargestellt. Die Bezirksstadträtin des Bezirks Mitte, Dr. Almut Neumman, stellte ihrerseits einen Klimaresilienten Ort mit viel Grün, kühlenden Stadtstrukturen und Ruhe in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Die Senatsvertreterin für Umwelt, Mobilität und Klimaschutz forderte für die laufenden Planungen hingegen mehr Freiraum für den Verkehr.

Ziel: Architektur, Klimaschutz, Tourismus und Verkehr müssen harmonieren

So stehen die Planungsgruppen vor sehr herausfordernden Wochen und Überlegungen, denn Städtebau und Architektur, Denkmalschutz, Erinnerungskultur und Tourismus sowie Freiraum und Verkehr müssen letztlich sinnvoll und für alle Seiten befriedigend übereinander gebracht werden. Keine leichte Aufgabe.

Auch die noch nicht eindeutig geklärten Besitzverhältnisse stehen noch als Hindernis einer zukünftigen Bebauung im Wege, wobei der Berliner Senat sich die Hoheit zur Bebauung nach aktuellem Sachstand bereits gesichert hat.

Checkpoint Charlie: nationale und internationale Aufmerksamkeit

Die besondere Brisanz dieses Projekts liegt nicht allein in der Tatsache, dass die Berliner Stadtbevölkerung bereits seit mehreren Jahrzehnten auf eine schlüssige und tragbare, städtebauliche Lösung am einstigen Grenzpunkt wartet. Auch die internationale Perspektive auf die architektonische Entwicklung eines der berühmtesten Schauplätze des kalten Krieges sollte berücksichtig werden. Die Aufmerksamkeit für das Projekt wird ausgesprochen hoch sein, soviel ist sicher.

Wenn man sich den Erinnerungsort Checkpoint Charlie in seiner heutigen Form ansieht, stellt man fest, dass das jetzige Ensemble dem Anspruch an einen würdevollen Umgang mit dem historischen Erbe des Ortes bei Weitem nicht gerecht wird.

Der Checkpoint Charlie heute: Provisorien, Ramschläden und Klamauk

Wenn Hütchenspieler, Elektroroller, mobile Aufbauten, Schlangen von Reisebussen und ein bunt zusammengewürfeltes Gastronomie- und Einzelhandels-Angebot den Ton angeben, dann bedarf es ebenso eines ergänzenden Dienstleistungs – und Nahverkehrsangebots in den Erdgeschosszonen sowie einer attraktiven und innovativen Gestaltung der öffentlichen Räume.

Wir werden den weiteren Entwicklungsprozess am Checkpoint Charlie aufmerksam verfolgen, aber nicht nur diesen; Die Friedrichstraße im Herzen Berlins könnte, wenn auch die angestrebte Umwandlung eines Teils der Straße in eine Fußgängerzone realisiert wird, in einigen Jahren ein vollkommen neues Gesicht erhalten.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

Die Kultur- und Informationsangebote am Checkpoint Charlie in Berlins Zentrum sind überwiegend provisorischer Natur. Der Berliner Senat möchte eine dauerhafte Lösung entwickeln. / © Foto: depositphotos.com

Der Checkpoint Charlie im Jahre 1982, im Hintergrund die Grenzübergangsstelle Friedrichstraße auf Ost-Berliner Seite / © Foto: Wikimedia Commons

Weitere Projekte in Mitte findet Ihr hier

Quellen: Dialogverfahren Berliner Senat, Wikipedia, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN, Mauermuseum Berlin

 

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1 Kommentar

  1. Max Oktober 10, 2022

    Obwohl das Denkmalamt mit glazialer Geschwindigkeit arbeitet schaffen sie es immer wieder fortgeschrittene Planungen zu stoppen. Na gut im Falle des Rundlokschuppen in Pankow war das löblich.

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