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Projekt „Urbane Mitte“: Baustart in Sicht, Proteste von Initiativen

Im Park am Gleisdreieck soll in diesem Jahr der Baustart für das Hochhausprojekt „Urbane Mitte“ erfolgen. Sieben bis zu 90 Meter hohe Gebäude sollen entstehen. Bürgerinitiativen kritisieren das Projekt als unzeitgemäß, wenig nachhaltig und überdimensioniert.

Ambitionierte Pläne: Auf einem spitz zulaufenden Baugrundstück soll am und im Park am Gleisdreieck das Büroprojekt „Urbane Mitte“ mit sieben bis zu 90 Metern hohen Gebäuden entstehen.

© Visualisierungen: finest images / O&O Baukunst
Text: Björn Leffler

 

Es sind ambitionierte Pläne, die das Unternehmen Copro Projektentwicklung im Park am Gleisdreieck, an der Grenze zwischen Kreuzberg und Schöneberg, umsetzen will. Insgesamt sieben neue Gebäude sollen direkt im Zentrum des Parkgeländes errichtet werden, auf ehemaligen Bahn- und Brachflächen.

Heute befinden sich auf dem Areal temporäre Nutzungen wie die die Brauerei „Brlo“ und das Pionierprojekt „B-Part“, welches von den Projektinitiatoren selbst mit ersonnen und umgesetzt wurde, um direkt am Park einen Raum zum Dialog über städtisches Miteinander zu schaffen. Das Gebäude wurde in Holzbauweise errichtet. Darüber hinaus hat es bereits mehrere Bürgerbeteiligungs- und Werkstattverfahren zum Projekt gegeben.

14 Initiativen haben sich gegen das Projekt zusammengeschlossen

Dennoch gibt es Kritik am Vorhaben. Insgesamt 14 Initiativen haben sich zusammengeschlossen, um gegen das geplante Bauvorhaben vorzugehen. Bereits am 14. April diesen Jahres hatte das Bündnis seine Kritik am Projekt im Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg vorgetragen.

Dabei wurden Mängel im Planungsprozess aufgezeigt und die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob ein derart groß dimensioniertes Gewerbeprojekt in Zeiten der Pandemie und des Klimawandels überhaupt noch zu verantworten sei.

Überdimensioniert und wenig nachhaltig? Projekt wird seit Jahren diskutiert

Derzeit sind die Aktivisten mit mehreren Dialogangeboten im Park am Gleisdreieck vor Ort anzutreffen. Am gestrigen Sonntag stellten sich etwa Katrin Schmidberger, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, und Sarah Jermutus aus der BVV Friedrichshain-Kreuzberg des Bezirks (beide Bündnis 90/Die Grünen) den Fragen von Interessierten und Anwohnern. Weitere „Gespräche am Bauzaun“, wie das Format heißt, soll es am 11. und 18. September geben, jeweils ab 14 Uhr im Park am Gleisdreieck.

Worum geht es konkret? Die geplante Entwicklung des Areals, dem bereits ab 2015 ein Beteiligungsverfahren mit Bürger- und Fachwerkstätten vorausgegangen war, sieht die Errichtung von sieben Hochhäusern mit einer Höhe von 25 bis 90 Metern vor. Die geplanten Häuser sollen sich im Norden um die U-Bahn-Station Gleisdreieck gruppieren und sich südlich entlang der S-Bahn-Linie erstrecken.

3.000 Arbeitsplätze sollen am Gleisdreieckpark entstehen

Aufgrund der zu erwartenden Lärmbelästigung an diesem viel befahrenen Bahnverkehrsknoten ist eine fast ausschließlich gewerbliche Nutzung vorgesehen. Dass auf dem Areal keine Wohnungen errichtet werden ist daher einer der Kritikpunkte des Bündnisses gegen den Neubau.

Geplant ist trotz der fehlenden Wohnungen laut Projektinitiatoren aber eine Mischnutzung, welche neben Büroflächen ein breites Sport-, Freizeit- und Kulturangebot vorsieht. „Wir begreifen die Urbane Mitte am Gleisdreieck als ein nachhaltiges Stadtquartier von Morgen und verbinden daher kleinteiliges Gewerbe und Arbeiten mit Kunst, Kultur, Sport und Stadträumen für alle„, sagt Dr. Markus Vogel, Geschäftsführer des Copro-Entwicklungspartners Büro Dr. Vogel. Das Unternehmen ist in Berlin unter anderem auch an der Entwicklung des Gewerbecampus „AEG Quartier Humboldthain“ im Wedding beteiligt.

„Urbane Mitte“: 119.000 Quadratmeter Nutzfläche sollen entstehen

Das Baugrundstück liegt in unmittelbarer Nähe zum U-Bahnhof Gleisdreieck und ist eines der letzten großen Brachflächen in der Berliner Innenstadt. Auf diesem rund 34.000 Quadratmeter großen Areal sind 119.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche geplant. Darin enthalten sind 8.000 Quadratmeter Fläche in historischen U-Bahn-Viadukten, die zu einem „Marketplace“ entwickeln werden sollen. 3.000 Menschen sollen künftig in der „Urbanen Mitte“ zukünftig arbeiten.

Als reine Bauzeit sind derzeit rund vier Jahre vorgesehen, der Baustart sollte eigentlich noch in diesem Jahr erfolgen. Mit der öffentlichen Auslegung der Pläne zu Beginn des Jahres war das vieldiskutierte Vorhaben nach sieben Jahren Vorlauf tatsächlich einen großen Schritt vorangekommen.

Baustart soll 2022 erfolgen – Übernutzung des Parks am Gleisdreieck befürchtet

Die Gegner des Projekts werden dabei jedoch nicht müde zu betonen, dass es sich bei dem Bauvorhaben um eine Fehlentwicklung handelt. Sie befürchten eine Übernutzung des schon jetzt strapazierten Parkgeländes und kritisieren die riesige, versiegelte Fläche, die gerade vor dem Hintergrund der letzten Dürresommer in Berlin nicht zu verantworten sei.

Zudem erwarten sie ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und die Verbauung einer wichtigen Frischluftschneise in der Berliner Innenstadt durch ein Büroprojekt, welches Angebote schafft, für die es womöglich überhaupt keinen Bedarf mehr gibt, da eine Vielzahl von Menschen mehr und mehr von zu Hause aus arbeitet.

Die Nachfrage nach Innenstadt-Büroflächen ist ungebrochen hoch

Dass diese Entwicklung die Projektentwickler in Berlin nicht davon abhält, weitere Gewerbeflächen neu zu errichten, liegt auch daran, dass die Nachfrage nach Innenstadt-Immobilien entgegen vieler Erwartungen ungebrochen hoch ist, trotz Corona-Pandemie.

Die Projektentwickler betonen zudem, dass in den neuen Gebäuden nicht nur Büroflächen entstehen, sondern eine gemischte Nutzung mit vielfältigen Ausprägungen vorgesehen ist. Städtebaulich wird das Quartier die Berliner Innenstadt aber definitiv neu sortieren.

Baustart noch 2022? Neue Hochhaussilhouette in Berlins Zentrum

Zwei 90 Meter hohe Gebäude, zwei über 60 Meter hohe Gebäude und drei weitere Häuser zwischen 25 und 50 Metern werden eine Hochhaussilhouette unweit des Potsdamer Platzes und des gerade entstehenden Projekts „Die Macherei“ am Landwehrkanal entstehen lassen.

Ob der Baustart nun tatsächlich noch in diesem Jahr erfolgen wird, war vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bislang nicht zu erfahren. Die Projektentwickler Copro Projektentwicklung und Büro Dr. Vogel gehen jedoch weiterhin davon aus, dass das Projekt wie geplant bis 2026 abgeschlossen werden kann.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

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Quellen: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN, Immobilien Aktuell Magazin, UMB Beteiligungs GmbH, Büro Dr. Vogel, Copro Projektentwicklung

 

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