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Reinickendorf: Bauprojekt auf dem Bonhoeffer-Gelände startet 2023

Auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Berlin-Reinickendorf will die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU ein autofreies Wohnquartier für rund 1.200 Menschen errichten. Im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen.

Historisches Areal: Auf dem Gelände der Karl Bonhoeffer Nervenklinik möchte die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU 600 neue Wohnungen errichten. / © Foto: Wikimedia Commons

© Titelbild A.Savin, Wikimedia Commons
Text: Stephanie Engler

 

Über das Wohnprojekt auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik berichteten wir erstmals im März 2022. Mitte 2023 sollen nun auf dem Gelände die Abriss- und Bauarbeiten beginnen. Bei dem Projekt soll das Areal trotz Erhaltung des Parks zugänglich gemacht werden.

Das 45 Hektar große Gelände im Bezirk Reinickendorf, im Norden der Hauptstadt, ist ein blühender und grüner Park mit altem Baumbestand – für Immobilienentwickler entsprechend attraktiv.

Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik: Land Berlin kurbelt Geländekauf an

Der Abkauf vom Klinikkonzern Vivantes ist schon seit Längerem beschlossene Sache, wurde jedoch immer wieder aufgeschoben. Nun soll der Kauf jedoch noch im November diesen Jahres abgeschlossen werden, so Anne Pietzsch von der Senatsbauverwaltung.

Das Bauprojekt steht somit noch ganz am Anfang. Das Bezirksamt Reinickendorf, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die landeseigene Wohnungsbaugeselleschaft GESOBAU hatten vergangenen Freitag zu einem Gebietsspaziergang eingeladen. Rund 50 Interessierte waren gekommen.

Wohnprojekt der GESOBAU: Sorgen der Anwohner wurden angehört

Gleich zu Beginn der Begehung wurden kritische Stimmen der Anwohnerinnen und Anwohner laut, die nach dem Bau von Luxuswohnungen oder Parkplätzen fragten. Ein Mitarbeiter des Bezirksamts verteilte Stifte und Blöcke, damit alle Fragen notiert werden konnten.

Außerdem wurden Sorgen geäußert, dass die 135.000 Quadratmeter große Parkanlage nicht bestehen bleiben würde. Wie viele Bäume werden gefällt? Bleibt der Zaun, der das Gelände bisher umgibt? Fragen, die in unterschiedlichen Varianten immer wieder gestellt wurden.

Das Land Berlin plant ein autofreies Wohnquartier für 1.200 Menschen

Bei dem Spaziergang wurden die Ideen für den Ausbau des Geländes vorgestellt. Ab Mitte 2023 sollen von der GESOBAU Neubauten mit insgesamt etwa 600 neuen Wohnungen errichtet werden. Die Hälfte sollen Sozialwohnungen und barrierefrei werden. 

Obendrein sollen eine Kita, eine Arztpraxis und Co-Working-Spaces geschaffen werden. Es sind ein bis zwei Quartiersgaragen geplant, in denen die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner ihre Autos parken und eventuell Lastenräder ausleihen können. Denn das Quartier soll weitgehend autofrei bleiben, so Christoph Schuster, Bereichsleiter Portfoliomanagement der GESOBAU.

Ehemalige Bonhoeffer-Nervenklinik: Bau von Hochhäusern ist nicht geplant

Schuster erklärte das derzeit laufende, städtebauliche Werkstattverfahren: „Es wurden mehrere Architektur-Büros beauftragt, sich Gedanken zu machen, wie man den Wohnungsbau sensibel in das Areal einpassen kann.

Heike Sellenthin, stellvertretende Fachbereichsleiterin Stadtplanung und Denkmalschutz im Bezirksamt Reinickendorf, verspricht: „Es wird Wert darauf gelegt, dass hier nichts gebaut wird, was nicht hinpasst und schon gar kein Hochhaus.“ So solle die Neubebauung nur drei- bis vierstöckig werden.

Klinikkonzern Vivantes plant ebenfalls Gebäude auf dem Gelände

Die Sternhäuser westlich der ehemaligen Klinik, die derzeit noch als Unterkünfte für Geflüchtete genutzt werden, sollen aufgrund der schlechten Bausubstanz Mitte des kommenden Jahres abgerissen werden. Zudem plant der Klinikkonzern Vivantes ein vierstöckiges Seniorenwohnheim mit etwa 150 Plätzen.

Mit dem Abriss der Sternhäuser sollen auch die „Tempohomes“ zurückgebaut werden, so die GESOBAU. Derzeit werden sie als Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete genutzt – mit einer Kapazität von 245 Plätzen.

Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik: Öffnung des Areals geplant

Des Weiteren ist eine Öffnung des Geländes in Richtung S-Bahnhof Eichborndamm im Südwesten geplant. Die Erschließung für den Autoverkehr soll dann über die Oranienburger Straße erfolgen.

Einige Antworten für die kritischen Stimmen hatte die GESOBAU schon am Freitag. Denn das Gelände soll geöffnet werden, weshalb der Zaun zum Olbendorfer Weg verschwinden wird. Die Bäume sollen dabei so komplett wie möglich erhalten bleiben.

Parkgelände und Baumbestand: Artenschutz wird ernst genommen

Bisher wurde schon jeder einzelne Baum untersucht und kartografiert. Zwei Bäumen dürfen erst gar nicht gefällt werden, da in ihnen der „Heldbock“, ein in Deutschland vom Aussterben bedrohter Käfer aus der Familie der Bockkäfer, gefunden wurde.

Gerald Schulze vom Bausenat merkt zudem an, dass diese Bäume auch „weit genug weg vom möglichen Bauplatz“ stehen würden. Außerdem würde die GESOBAU nur 30 Prozent des Geländes bebauen.

So wenige Veränderungen wie möglich: „Waldcharakter“ soll erhalten bleiben

Laut Kathleen Andrä, Projektmanagerin bei der Senatsbauverwaltung, seien nur wenige Veränderungen in Planung. Sie sagt: „Wir können uns im Moment nicht vorstellen, dass hier im Waldbereich viel passiert.“ Denn der Waldcharakter soll erhalten bleiben.

So sollen die Hauptwege für Spaziergänger behutsam „verkehrssicher und erlebbar“ gemacht werden und die Artenvielfalt erhalten bleiben. Überdies soll der Koldischteich wieder hergerichtet werden, künftig Regenwasser auffangen und ein Habitat für Amphibien werden.

Die einstige Nervenklinik: Dunkle Vergangenheit und Denkmalschutz

Das Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik hat eine lange Geschichte, die 1880 mit der ersten Nervenheilanstalt Berlins begann. Bis 2006 war sie Standort einer psychiatrischen Klinik, zuletzt unter der Bezeichnung Vivantes Humboldt-Klinikum. So sind viele der Gebäude heute denkmalgeschützt.

Die dunkle Seite des Areals geht zurück auf die Zeit des  Nationalsozialismus. Denn die Klinik spielte eine zentrale Rolle bei der systematischen Ermordung von Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen. 

So findet sich im Süden des Geländes sogar noch der alte Anstaltsfriedhof. Mittlerweile ist er ein Gedenkort und wird wie das Krankenhaus des Maßregelvollzugs auf dem Gelände verbleiben. Dies wurde schon im Vorfeld der Planungen vom Land Berlin garantiert.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

Blick auf die historische „Irrenanstalt“ auf dem Areal im Norden Berlins. Die Aufnahme ist aus dem Jahr 1885. / © Foto: Wikimedia Commons

Weitere Projekte in Reinickendorf findet Ihr hier

Quellen: Bezirksamt Reinickendorf, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berliner Morgenpost, Berliner Woche, GESOBAU, Wikipedia

 

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