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Tierpark und Zoo: Neubauprojekte appellieren an Artenschutz

Im Zoologischen Garten sowie im Tierpark Berlin werden derzeit zwei neue Bauvorhaben umgesetzt. Während in Tiergarten am Bahnhof Zoo ein neues Nashorngehege entsteht wird in Alt-Friedrichsfelde in Lichtenberg ein neuer Giraffenpfad errichtet.

Im Zoologischen Garten im Berliner Stadtteil Tiergarten wird derzeit ein spektakuläres, neues Nashorngehege errichtet.

© Visualisierung Giraffenpfad: Tierpark Berlin
© Foto Nashorngehege: Björn Leffler
Text: Henriette Schubert

 

Sowohl im Berliner Zoologischen Garten in Tiergarten als auch im Tierpark Berlin in Alt-Friedrichsfelde finden derzeit Um- und Neubauarbeiten statt, die einigen Tieren in den kommenden Monaten neue Lebensbereiche zugänglich machen werden.

Ganz unter dem Leitgedanken des Natur- und Artenschutzes werden die neuen Bereiche dem natürlichen Lebensraum der Tiere nachempfunden und beziehen auch die Besucherinnen und Besucher aktiv mit ein.

Girfaffenpfad: Aufklärung und Artenschutz im Tierpark

Der Baustart für den neuen Giraffenpfad im Tierpark Berlin wird zukünftig eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen den Besuchern und diesen imposanten Tieren ermöglichen. Informationen zu den größten Landsäugetieren und ihrem natürlichen Lebensraum stehen dabei im Fokus.

Auf diesem Weg soll auch über Problematiken aufgeklärt werden. Als Teil des Artenschutz-Programms „Berlin World Wide“ wird hierbei eng mit dem „Wild Nature Institute“ in Tansania zusammengearbeitet, welches sich für Schutz und Erforschung von Giraffen einsetzt.

Tierpark Berlin: Begegnung auf Augenhöhe auf dem neuen Giraffenpfad

Ab dem kommenden Frühjahr soll die der afrikanischen Savanne nachempfundene Landschaft der neuen Giraffenanlage fertiggestellt sein. Dann wird ein 120 Meter langer und drei Meter breiter Holzsteg den Besucherinnen und Besuchern eine ganz besondere Nähe zu den Tieren ermöglichen.

Mit dem Ziel eines inklusiven Ansatzes ist bei einer maximalen Steigung von 3 Prozent auch für Rollstuhlfahrende dieses Erlebnis zugänglich. Auf halber Strecke des Giraffenstegs ermöglicht ein etwa 2,20 Meter hoher Aussichtsbereich die Beobachtung der Rothschild-Giraffen sowie der am Wasserloch angesiedelten Rosapelikane. Zukünftig soll ein abgetrennter Bereich des Pfades zudem zu bestimmten Zeitpunkten die Fütterung der Tiere unter Anleitung möglich machen. 

Große Umbauprojekte für Neuausrichtung des Tierparks

Die Fundamente für den Steg sind bereits gesetzt. Damit schreiten die Bauarbeiten wie geplant voran. Die sorgsame und vorbereitete Ausführung ist für die Arbeiten essenziell, um die Giraffen als sensible Fluchttiere zu schonen.

Dr. Andreas Knieriem, Direktor von Zoo und Tierpark, blickt optimistisch auf die geplante Eröffnung im Frühjahr 2023, mit welcher der Tierpark Berlin einen neuen Meilenstein erreichen will. Denn mit der zusätzlich geplanten Fertigstellung der rund 37.000 Quadratmeter großen Savannenlandschaft soll in Lichtenberg ein weiterer Schritt in Richtung der geplanten Neuausrichtung des Tierparks zu mehr Tier- und Artenschutz erfolgen.

Nashorngehege: Erlebniswelt im Zoo schafft naturnahe Lebensräume

Auch der Zoo Berlin befasst sich mit dieser neuen Ausrichtung. Die mit diesem Ziel vom Berliner Architekturbüro dan pearlman Erlebnisarchitektur geplante neue Erlebniswelt für Panzernashörner, Pustelschweine und Tapire nimmt daher gut ein Jahr nach der Grundsteinlegung immer mehr Gestalt an.

Zukünftig entsteht so auf dem Areal des ehemaligen Nashorn- und Kamelhauses eine rund 14.000 Quadratmeter große, sumpfige Graslandschaft, die an den natürlichen Lebensraum der zukünftigen Bewohner erinnert. 

Neubau am Löwentor: Denkmal für Artenschutz blickt in die Zukunft

Bereits seit Beginn des Jahres steht der 25 Meter hohe Turm, der das Zentrum der neuen Erlebniswelt bildet. Er setzt ein Denkmal für den Artenschutz, in dessen Inneren die künftigen Besucherinnen und Besucher bei einem Wunschbrunnen die Möglichkeiten erhalten werden, sich an Artenschutzprojekten zum Schutz von Panzernashörnern im nordostindischen Assam zu beteiligen.

Andreas Knieriem empfindet dieses Bewusstmachen als sehr wichtig. Eine schwindende Biodiversität sorge auch für den Verlust jeglichen Lebens auf dem Planeten und sei daher ein Thema, was jeden beträfe. Taten müssen daher auf die Wünsche nach einer langfristigen und sicheren Zukunft folgen, um die komplexen und bedrohlichen Herausforderungen dieser Zeit meistern zu können.

Nashorngehege: Folienkissendach überspannt und versorgt Pagode

Mit der Errichtung des Folienkissendaches hinter der Gold-Kuppel ist ein weiterer Schritt in Richtung Fertigstellung der Nashorn-Pagode getan. Vier Lagen Kunststofffolie bilden eine Art Kissen im Kissen, durch welches dauerhaft Luft strömt. Das längste Kissen ist knapp 40 Meter lang. Klemmprofile, die auf acht Stahlträgern sitzen, befestigen die Lagen. Damit wiegt das Dach etwa 37 Tonnen, wovon allein zwei Tonnen auf die Folien entfallen.

So bildet sich eine circa 1.100 Quadratmeter große, überspannte Fläche aus, die durch ein reflektierendes Wabenmuster auf der Außenseite vor zu hoher Sonneneinstrahlung und Wärmeeintrag schützt. Darüber hinaus verfügt das Dach über eine Selbstreinigungsfunktion bei Regen sowie eine gute Licht- und UV-Lichtdurchlässigkeit. Hierdurch können auch die Pflanzen im Innenhaus gut gedeihen.

Die Tothölzer sind unterdessen bereits eingesetzt worden und auch die großen Pflanzenständer für die rund sechs Meter hohen schwarzen Olivenbäume, die voraussichtlich noch im Oktober eingesetzt werden, sind bereits im Boden versenkt worden.

Kunst am Bau verbindet Architektur und Tierschutz

Mit steigenden Temperaturen im Sommer konnte außerdem die Gestaltung und Ausarbeitung der Kunstfelsen Form annehmen und beim Nashorn- und Tapirwasserbecken sogar bereits fertiggestellt werden, ebenso wie die Glaseinblicke an den Badebecken. Die neue Erlebniswelt des Zoos soll zudem durch Kunst am Bau ergänzt werden.

Die verschiedenen Ideen wurden dabei von einer Kommission aus Expertinnen und Experten geprüft und ausgewählt, sodass die Kunst einen Bezug zum Ort und dessen tierischen Bewohnern herstellt. Das Kunstwerk „Ein Horn“, welches Platz auf der Grünfläche vor der Pagode finden wird, erinnert an ein auf den Kopf gestelltes und in den Boden gerammtes Horn und überzeugte die Kommission am meisten.

Die Installation ermöglicht gleichzeitig einen klaren Bezug zur Architektur der neuen Nashornanlage sowie zur wichtigen Thematik des Schutzes dieser bedrohten Tierart. Insgesamt 20 Millionen Euro kostet der Bau des neuen Nashorngeheges.

 

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