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Verkehrswende: Projekte in Berlin werden zunehmend autofrei geplant

Der Berliner Senat hatte das Thema “Verkehrswende” im Wahlkampf und auch im später verabschiedeten Koalitionsvertrag ganz oben auf die Prioritätenlisten gesetzt. In den vergangenen Jahren wurden allerdings ledigliche vereinzelte Leuchtturmprojeke angeschoben.

Nun aber mehren sich die Projekte innerhalb der Stadt, bei denen bewusst autofrei geplant wird – oder bei denen das Thema “Autofreiheit” das Projekt selbst darstellen.

Das Modellprojekt: Autofreie Friedrichstraße

Das wohl bekannteste Projekt dieser Güte ist das Modellprojekt “Autofreie Friedrichstraße”, über das wir bereits im März 2020 berichtet hatten. Seit wenigen Wochen ist ein Abschnitt der populären Einkaufsmeile nur noch für Fahrräder und Fußgänger freigegeben. Zwischen Leipziger Straße und Französischer Straße dürfen keine motorisierten Fahrzeuge mehr verkehren. Auch für Radfahrer wird ein Tempolimit von 15km/h erwogen.

Die CDU hatte davor gewarnt, dass in der Friedrichstraße als Folge der Maßnahme ein Einbruch beim Einzelhandel zu erwarten sei. Dies scheint sich nach ersten Erfahrungen wohl nicht zu bestätigen. Einige Gastronomen und Geschäfte berichten sogar von einem Umsatzplus von bis zu 30% seit der Einführung der autofreien Zone.

Autofreie Bergmannstraße in Kreuzberg

Auch in Friedrichshain-Kreuzberg wird der Autoverkehr zunehmend aus den Kiezen verbannt. Die Kreuzberger Bergmannstraße soll nach Plänen des Bezirksamtes komplett autofrei werden. Acht Jahre Vorbereitungszeit stecken in dem kürzich vorgestellten Konzept.

Dieses besagt, dass die Bergmannstraße zwischen Nostitz- und Schleiermacherstraße für den motorisierten Individualverkehr komplett geschlossen werden soll. Wo sich momentan Fußgänger, Lastwagen, Busse, Autos und Fahrräder den Straßenraum teilen, soll ein zweispuriger Radweg entstehen. Ausnahmen soll es nur noch für den Lieferverkehr geben, der für viele Händler unabdingbar ist.

Auch für den Boxhagener Platz gibt es Überlegungen für eine Umgestaltung

Zukünftig sollen Fußgänger und Radfahrer das Straßenbild dominieren. Zur Realisierung des Konzepts ist ein städtebaulicher Wettbewerb vorgesehen, um eine Infrastruktur schaffen, in der Grünflächen und Wasserelemente miteinander verbunden sein sollen.

Eine vergleichbare Initiative gibt es ebenfalls bereits für den Boxhagener Platz in Friedrichshain. Hier sind die Bestrebungen, den Kiez autofrei zu gestalten, aber noch ganz am Anfang der Planungsphase. Derzeit gibt es verschiedene Planungsansätze, die erst noch übereinander gebracht werden müssen.

Steglitz: Schloßstraße soll parkplatzfrei werden

Auch in der Steglitzer Schloßstraße wird zunehmend ohne Autoverkehr geplant. Nachdem bereits je eine Fahrspur pro Richtung für einen neu geschaffenen Fahrradweg weggefallen ist, sollen nun auch sämtliche Parkbuchten in der Straße verschwinden. Dies ist ein Vorschlag der SPD, den diese auch entsprechend begründen kann.

Die Schloßstraße bietet mit vier Parkhäusern ausreichend und bezahlbaren Platz zum Parken“, äußert sich SPD-Fraktionschef Norbert Buchta zum Thema. In den Parkhäusern gibt es tatsächlich ausreichend Platz. Allein das zum “Boulevard Berlin” gehörende Parkhaus bietet Platz für 850 Pkw.

Erhalten bleiben sollen nach SPD-Plänen in der Schloßstraße lediglich Parkplätze für Behinderte und Elektro-Ladestationen. Und es soll schnell gehen: Über den Antrag werden die Bezirksverordneten aber noch nicht in ihrer aktuellen Sitzung abstimmen.

Güterbahnhof Köpenick: Quartier soll autofrei werden

Doch nicht nur in der Innenstadt oder innenstadtnahen Gebieten wird der Autoverkehr aus den Projektplanungen bewusst herausgehalten. Auch bei einem der aktuell größten Quartiersprojekte im Osten der Stadt wird ein autofreies Konzept vorangetrieben.

Auf dem Entwicklungsgebiet Güterbahnhof Köpenick (zwischen S-Bahnhof Köpenick, Brandenburplatz und Stellingdamm) sollen in den kommenden Jahren 1.800 neue Wohnungen, drei Schulen, mehrere Kitas, Kunsträume, ein Kiezclub sowie eine neue Bibliothek entstehen.

Leipziger Straße und Landwehrkanal: Tram und Grünflächen verdrängen Autoverkehr

Am S-Bahnhof Köpenick und am Brandenburgplatz soll je ein Mobilitäts-Hub entstehen. Mit anderen Worten: Hier sollen zwei Parkhäuser für die Bewohner errichtet werden, mit Ladesäulen, Leihautos, Paketdiensten und weiteren Service-Dienstleistungen. Im Quartier sollen, so wünschen es sich die Planer, keine Autos auf den Straßen stehen.

Das Thema Verkehrswende beschäftigt die Stadtplaner also zunehmend. Weitere Infrastrukturprojekte, bei denen der Autoverkehr reduziert werden soll, sind u.a. die Planung zur Verlängerung der Straßenbahn vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz oder die Neuplanung des Uferwegs am Landwehrkanal.

 

Vorreiter-Bezirk in Sachen autofreier Kiez: Fahrräder am Kottbuser Tor in Kreuzberg

 

The Berlin Senate had placed the topic of “traffic turnaround” at the top of its priority lists during the election campaign and also in the coalition agreement that was later passed. In recent years, however, only a few isolated lighthouse projects have been launched.

Now, however, there is an increase in the number of projects within the city in which car-free planning is consciously planned – or in which the topic “car-free” is the project itself.

THE MODEL PROJECT: CAR-FREE FRIEDRICHSTRASSE

Probably the best known project of this quality is the model project “Car-free Friedrichstrasse”, which we reported on in March 2020. For a few weeks now, a section of the popular shopping mile has been open only to bicycles and pedestrians. Motorized vehicles are no longer allowed to circulate between Leipziger Strasse and Französische Strasse. A speed limit of 15km/h is also being considered for cyclists.

The CDU had warned that a slump in retail trade was to be expected in Friedrichstrasse as a result of the measure. This does not seem to be confirmed after initial experiences. Some restaurateurs and stores even report an increase in turnover of up to 30% since the introduction of the car-free zone.

CAR-FREE BERGMANNSTRASSE IN KREUZZBERG

In Friedrichshain-Kreuzberg, too, car traffic is increasingly banned from the neighborhoods. According to plans of the district office, Kreuzberg’s Bergmannstrasse is to become completely car-free. Eight years of preparation time have gone into the briefly presented concept.

It states that the Bergmannstraße between Nostitzstraße and Schleiermacherstraße should be completely closed for motorized individual traffic. Where pedestrians, trucks, buses, cars and bicycles currently share the street space, a two-lane bicycle path is to be created. The only exceptions will be for delivery traffic, which is essential for many dealers.

THERE ARE ALSO CONSIDERATIONS FOR THE BOXHAGENER PLATZ FOR A REDESIGN

In the future, pedestrians and cyclists will dominate the street scene. To realize the concept, an urban planning competition is planned to create an infrastructure in which green spaces and water elements are to be connected.

A similar initiative already exists for Boxhagener Platz in Friedrichshain. Here, however, efforts to make the neighborhood car-free are still at the very beginning of the planning phase. There are currently various planning approaches that have yet to be brought together.

STEGLITZ: SCHLOSSSTRASSE IS TO BECOME CAR-FREE

In Steglitzer Schloßstraße, too, planning is increasingly taking place without car traffic. After one lane in each direction has already been removed for a newly created bicycle path, all parking bays in the street are now to disappear. This is a suggestion of the SPD, which can also be justified accordingly.

“With four parking garages, Schloßstraße offers sufficient and affordable parking space,” says SPD faction leader Norbert Buchta on the subject. In the multi-storey parking lots there is indeed sufficient space. The multi-storey parking lot belonging to the “Boulevard Berlin” alone offers space for 850 cars.

According to SPD plans, only parking spaces for the disabled and electrical charging stations are to remain in the Schloßstraße. And it should be fast: However, the district representatives will not yet vote on the motion in their current session.

KÖPENICKer Güterbahnhof: THE QUARTER IS TO BECOME CAR-FREE

But it is not only in the city center or areas close to the city center that car traffic is deliberately kept out of project planning. A car-free concept is also being promoted in one of the largest current neighborhood projects in the east of the city.

On the development area Güterbahnhof Köpenick (between S-Bahnhof Köpenick, Brandenburplatz and Stellingdamm), 1,800 new apartments, three schools, several daycare centers, art spaces, a neighborhood club and a new library are to be built in the coming years.

LEIPZIGER STRASSE AND LANDWEHRKANAL: STREETCAR AND GREEN SPACES DISPLACE CAR TRAFFIC

One mobility hub each is to be built at the Köpenick S-Bahn station and at Brandenburgplatz. In other words, two parking garages are to be built here for residents, with charging points, rental cars, parcel services and other services. The planners hope that there will be no cars on the streets in the neighborhood.

The topic of traffic turnaround is therefore increasingly occupying urban planners. Other infrastructure projects in which car traffic is to be reduced include plans to extend the streetcar from Alexanderplatz to Potsdamer Platz or to redesign the riverside path along the Landwehrkanal.

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