ENTWICKLUNGSSTADT

Berlin wird niemals aufhören, sich fortwährend neu zu erfinden. Davon handelt dieser Blog.

Verkehrswende in der Innenstadt: Weniger Autos, mehr Tram und Rad

Die Berliner Landesregierung ist mit dem Versprechen angetreten, den öffentlichen Nahverkehr (und hier vor allem das Straßenbahnnetz) weiter auszubauen und den Autoverkehr in der Innenstadt signifikant zu reduzieren. Dass dies mehr als bloße Willensbekundungen sind, zeigen drei Bauvorhaben in Mitte exemplarisch.

Verlängerung der Tram zum Potsdamer Platz auf Kosten einer Autospur

Die seit Jahrzehnten diskutierte Verlängerung der Straßenbahn vom Alexanderplatz hin zum Potsdamer Platz nimmt nun endlich Gestalt an. Problematisch an dieser Streckenführung ist nur, dass die Straße schon jetzt notorisch überlastet ist. 50.000 Autos quälen sich täglich über die Ost-West-Verbindung durch die Innenstadt. Damit eine zukünftige Tram nicht im Stau steht, benötigt sie eine eigene Trasse. Und die wird sie bekommen – auf Kosten einer kompletten Autospur. Zukünftig wird es auf einem Großteil der Strecke nur noch eine Fahrspur für den Kfz-Verkehr geben. Eine bewusste Verdrängung des Autoverkehrs von dieser Innenstadt-Tangente.

Die aktuellen Pläne sehen neben dem Einbau von Gleisen auch eine gänzliche Neugestaltung des Straßenzuges vor, von dem vor allem Fußgänger und Radfahrer profitieren werden. Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, verspricht: „Mehr Lebensqualität, mehr Querungsmöglichkeiten für Fußgänger, mehr Grün und attraktive Radverkehrsanlagen“.

Forderung nach kleinerem Neubau der Mühlendammbrücke

Im Zuge der Einsparung von Autospuren fordert Baustadtrat Ephraim Gothe, den geplanten Neubau der Mühlendammbrücke, über den die Tram zukünftig fahren wird, weniger breit zu dimensionieren. Er führt eine Gruppe von 14 Vereinen und Initiativen an, die die aktuellen Planungen kritisieren und eine deutlich schmalere Brücke fordern.

Die neue Brücke soll nach aktuellen Planungen der Verkehrsverwaltung etwa 44 Meter breit werden, also ähnlich dimensioniert wie der in die Jahre gekommene Bau aus DDR-Zeiten, den es zu ersetzen gilt. Diese Diskussion ist derzeit noch offen. Klar ist aber, dass sich mittlerweile eine Vielzahl von Bürgern, Verbänden und Initiativen eine Reduzierung von Autoverkehr und Straßenspuren wünschen.

Karl-Marx-Allee: Grünstreifen wird gebaut, Parkplätze fallen weg

Ähnlich wird auch auf der Karl-Marx-Allee gehandelt. Die wochenlang diskutierte Möglichkeit, in der Mitte der breiten Magistrale anstatt der geplanten Parkplätze nun einen begrünten Mittelstreifen zu setzen, wird nach aktuellem Informationsstand tatsächlich umgesetzt. Betroffen ist der Abschnitt zwischen Alexanderplatz und Strausberger Platz, der derzeit für 13 Millionen Euro runderneuert wird.

Die bisherigen rund 170 Parkplätze werden wegfallen, und die bereits laufende Sanierung der einstigen SED-Paradestraße wird um den neuen Mittelstreifen ergänzt. Erstaunlich, wie flexibel die Möglichkeiten in einem bereits laufenden Bauverfahren sind, wo andere Projekte mitunter jahrelang verzögert werden, wenn die Klärung kleinster Detailfragen unlösbar erscheint.

Die Änderung des Bauvorhabens ist bei den Anwohnern umstritten. Sie befürchten, dass sich die Parkplatzsituation in diesem Gebiet deutlich verschlechtern wird, wenn die Parkplätze dauerhaft wegfallen. Aber es gibt auch viele Befürworter der Maßnahme. Die scheinen sich nun durchgesetzt zu haben.

Autofreie Friedrichstraße ab Juni 2020

Ebenfalls autofrei soll die Einkaufsmeile Friedrichstraße werden, zumindest von Juni bis November 2020. Die als “Verkehrsversuch” angelegte Sperrung der Einkaufsstraße wird den gesamten Kfz-Verkehr betreffen, auch den Busverkehr. Schon im vergangenen Jahr war das Vorhaben mehrfach kolportiert worden, letztlich aber immer wieder gescheitert. Das jetzt beschlossene Pilotprojekt wird nun deutlich länger dauern, als es im Jahr 2019 noch geplant war.

In der Zeit von Anfang Juni bis Ende November wird zuerst der Abschnitt zwischen Französischer und Leipziger Straße gesperrt. Südlich der Leipziger Straße soll der Abschnitt von der Schützenstraße bis zur Rudi-Dutschke-Straße in dieser Zeit zum verkehrsberuhigten Bereich umgewandelt werden. Geplant ist, dass ab Anfang September dann auch in diesem Bereich keine Autos mehr fahren dürfen.

Die Verkehrswende macht sich in der Berliner Innenstadt derzeit auf unterschiedlichste Art und Weise bemerkbar. Deutlich wird aber unweigerlich, dass das Auto – selbst wenn es elektrisch betrieben wird – vom Berliner Senat nicht als das Verkehrsmittel der Zukunft angesehen wird. Eine vernünftige Sichtweise, die hoffentlich so konsequent umgesetzt wird, wie sie derzeit angekündigt wird.

 

Wie die neu konzipierte Leipziger Straße inklusive Tramgleisen und Fahrradwegen aussehen soll, seht Ihr unten. Coypright aller Grafiken: SENUVK/LOCLAB

 

 

The Berlin state government took office with the promise to further expand public transport (and especially the tram network) and to significantly reduce car traffic in the inner city. That this is more than just a declaration of intent is shown by three construction projects in Mitte as examples.

EXTENSION OF THE TRAM TO POTSDAMER PLATZ AT THE COST OF A CAR LANE

The extension of the tram from Alexanderplatz to Potsdamer Platz, which has been discussed for decades, is now finally taking shape. The only problem with this route is that the street is already notoriously congested. Every day, 50,000 cars struggle through the city centre via the east-west connection. To avoid traffic jams, a future tram needs its own route. And it will get it – at the expense of a complete car lane. In the future, there will be only one lane for car traffic on a large part of the route. A deliberate displacement of car traffic from this inner city tangent.

The current plans envisage not only the installation of tracks but also a complete redesign of the roadway, from which pedestrians and cyclists in particular will benefit. Regine Günther, Senator for the Environment, Transport and Climate Protection, promises: “More quality of life, more crossings for pedestrians, more green spaces and attractive cycle paths”.

DEMAND FOR SMALLER NEW CONSTRUCTION OF THE MÜHLENDAMM BRIDGE

In the course of saving car lanes, the city councilor Ephraim Gothe demands that the planned new construction of the Mühlendamm bridge, over which the tram will cross in the future, be dimensioned less wide. He leads a group of 14 associations and initiatives, which criticize the current plans and demand a much narrower bridge.

According to the current plans of the traffic administration, the new bridge is to be about 44 meters wide, i.e. similarly dimensioned to the aging bridge from GDR times, which is to be replaced. This discussion is currently still open. What is clear, however, is that a large number of citizens, associations and initiatives now want a reduction in car traffic and road lanes.

KARL-MARX-ALLEE: GREEN STRIPES ARE BEING BUILT, PARKING SPACES ARE BEING ELIMINATED

Similar trading is also taking place on Karl-Marx-Allee. The possibility, which has been discussed for weeks, of creating a green central reservation in the middle of the broad Magistrale instead of the planned parking spaces, is actually being implemented according to the latest information. The section between Alexanderplatz and Strausberger Platz, which is currently being remodeled for 13 million euros, is affected.

The previous 170 or so parking spaces will be removed, and the renovation of the former “SED-Paradestraße”, which is already underway, will be supplemented by the new central reservation. It is astonishing how flexible the possibilities are in a construction process that is already underway, where other projects are sometimes delayed for years if the clarification of the smallest detail seems insoluble.

The change in the construction project is controversial among the residents. They fear that the parking situation in the area will deteriorate significantly if the parking spaces are permanently removed. But there are also many supporters of the measure. They now seem to have gained acceptance.

CAR-FREE FRIEDRICHSTRASSE FROM JUNE 2020

The Friedrichstrasse shopping mile is also to become car-free, at least from June to November 2020, and the closure of the shopping street, designed as a “traffic experiment”, will affect all motor vehicle traffic, including bus traffic. The project had already been circulated several times last year, but ultimately failed again and again. The pilot project that has now been decided upon will now take considerably longer than was planned in 2019.

In the period from the beginning of June to the end of November, the section between Französische Straße and Leipziger Straße will be closed first. South of Leipziger Strasse, the section from Schützenstrasse to Rudi-Dutschke-Strasse is to be converted into a traffic-calmed area during this period. It is planned that from the beginning of September no cars will be allowed to drive in this area either.

The traffic turnaround is currently making itself felt in Berlin’s inner city in a variety of ways. It is inevitable, however, that the Berlin Senate does not regard the car – even if it is electrically powered – as the means of transport of the future. This is a reasonable view, which will hopefully be implemented as consistently as it is currently announced.

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2020 ENTWICKLUNGSSTADT

Thema von Anders Norén