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Hotel-Jubiläum: Vor 25 Jahren wurde das „Hotel Adlon“ neu eröffnet

Am 23. August 1997 eröffnete der damalige Bundespräsident Roman Herzog das „Hotel Adlon“ am Pariser Platz in Berlin. Was wie ein rekonstruiertes, historisches Gebäude anmutete, war ein reiner Neubau, der nach Plänen des Architekturbüros Patzschke entstanden war. Der Bau gehört bis heute zu den bedeutendsten Berliner Bauwerken der Nachwendezeit.

Eröffnet 1907, zerstört 1945, abgerissen 1952: Das historische, originale „Hotal Adlon“ am Pariser Platz in Berlin. Die Aufnahme ist aus dem Jahr 1926.

© Fotos: Patzschke Architekten
Text: Björn Leffler

 

Noch bis Anfang Mai 1945 stand das einstmalige, legendäre „Hotel Adlon“ fast unbeschädigt am Pariser Platz im ausgebombten Berlin, während rundherum alle anderen Gebäude vollkommen zerstört waren. Den Zweiten Weltkrieg sollte das Gebäude dennoch nicht unbeschadet überstehen.

In den letzten Kriegsmonaten wurde das Hotel noch als Lazarett benutzt, bis Berlin am 2. Mai 1945 vor der Übermacht der Roten Armee kapitulierte. Doch bereits wenige Tage danach brannte das Gebäude, besetzt von feiernden Rotarmisten, aus bis heute ungeklärten Gründen aus. Nur ein Seitenflügel blieb erhalten. Die Mauern blieben vorerst stehen, wurden sieben Jahre später, im Jahr 1952, aber abgetragen.

Bewegte Geschichte eines legendären Hotelbaus

Die Geschichte des „Hotel Adlon“, die in den Jahrzehnten zuvor so glamourös gewesen war, endete damit im Chaos des verheerenden Zweiten Weltkriegs. Schon in den ersten Jahren nach seiner Eröffnung (1907) begann das „Hotel Adlon“ eine Institution zu werden. Familien des Hochadels verkauften ihre Winterpalais‘ in Berlin, um in den Suiten des Hotels zu residieren. Selbst Wilhelm II. floh vor den zugigen Räumen seines Schlosses in die luxuriösen und gut beheizten Zimmer des „Adlon“. Auch das Auswärtige Amt nutzte das Hotel gern als inoffizielles Gästehaus.

Erbaut hatte das Gebäude der Geschäftsmann Lorenz Adlon, der in Berlin mehrere Lokalitäten und Kaffeehäuser besaß und aus dem so entstandenen Vermögen den Bau finanzierte. Hinter klassizistisch gestalteten Mauern verbarg sich eine für die damalige Zeit einzigartige technische Ausstattung.

Das Hotel bot eine damals einzigartige technische Ausstattung

Elektrizität und fließend warmes Wasser gehörten zum Standard aller Gästezimmer. In den unteren Etagen konnten ein Café, ein Restaurant, eine Lounge, eine weitläufige Lobby, ein Rauchsalon, eine Bibliothek, ein Damenzimmer, ein Musiksalon sowie ein Wintergarten, in dem die Gäste ihren Tee zu sich nahmen, rund um die Uhr genutzt werden. Ein Standard, den es in dieser Form nur in sehr wenigen Hotels weltweit gab.

Viele Jahrzehnte später, nachdem die Berliner Mauer im November 1989 gefallen und die deutsche Nation ein knappes Jahr später wiedervereinigt worden war, bot sich an vielen Stellen der jungen, neuen Hauptstadt die Chance, einen Wiederaufbau der zerstörten Stadtstrukturen anzugehen.

Nach dem Mauerfall: Moderne Rekonstruktion des Pariser Platzes

So sollte es auch mit dem Pariser Platz geschehen, der in seinen historischen Grundstrukturen, aber mit moderner Architektur, rekonstruiert werden sollte. Ein Teil des Pariser Platzes war das „Hotel Adlon“, welches ebenfalls neu errichtet werden sollte.

Vom ursprünglichen Bau jedoch war nichts mehr übrig geblieben, sodass eine Rekonstruktion des ursprünglichen Gebäudes nicht infrage kam. Das neue „Hotel Adlon“ musste als reiner Neubau entstehen. Mit dem Bau des Gebäudes wurde das Architekturbüro Patzschke beauftragt, welches mit dem „Hotel Adlon“ sein bis heute  berühmtestes Projekt realisieren sollte.

Das heutige „Hotel Adlon“ ist ein reiner Neubau

Der Neubau ist nicht als Replik zu verstehen, sondern als Hotel, dessen Architektur sich am historischen Vorbild orientiert, ohne zu verbergen, dass es sich um ein Gebäude des ausgehenden 20. Jahrhunderts handelt. Die anfänglich angefeindete Architektur hat sich mittlerweile als Ausgangspunkt eines neuen Bewusstseins für die stärkere Berücksichtigung traditioneller Bauten und Stadtplanungen erwiesen„. So beschreibt Robert Patzschke den Bau. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Büros Patzschke Architekten.

Die Neu- oder Wiedereröffnung des Hotels feiert in diesem August sein 25-jähriges Jubiläum. Am 23. August 1997 eröffnete Bundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog am gleichen Ort, an dem bis 1945 das erste  „Hotel Adlon“ gestanden hatte, den Neubau. Nur zwei Jahre hatte der Neubau in Anspruch genommen.

Eine bauliche Erweiterung des Neubaus erfolgte bereits 2003

Im Jahr 2003 wurde der Baukörper um das rückwärtig an der Behrenstraße gelegene „Adlon-Palais“ schon erweitert, das entsprechende Grundstück war zuvor in Landeseigentum und der benachbarten Akademie der Künste zugeordnet. Im neuen Gebäudetrakt wurden keine Gästezimmer eingerichtet, sondern auf insgesamt elf Geschossebenen Restaurant-, Club- und Konferenzräume sowie ein zweiter Ballsaal geschaffen.

Mit der Errichtung des „Hotel Adlon“ in klassisch-traditioneller Formensprache haben sich die Architekten Patzschke als Protagonisten der zeitgenössischen, traditionellen Architektur über die Grenzen Berlins hinaus einen Namen gemacht.

Das „Hotel Adlon“ gehört unbestritten zu den berühmtesten Hotels Deutschlands

Denn das Hotel begründet seinen außerordentlich guten Ruf nicht nur aufgrund der Lage am Brandenburger Tor, des Namens Adlon oder der unbestrittenen Grand Hotel-Qualität, sondern auch aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes, welches sich klar von der restlichen, modern orientierten Architektur am Pariser Platz abhebt – und damit einen architektonischen Sonderstatus genießt, in positiver Hinsicht.

Seit seiner (Wieder-) Eröffnung vor 25 Jahren gehört das „Hotel Adlon“, welches heute zur Kempinski-Gruppe zählt, zu den bedeutendsten Hotels Berlins und zu den wohl bekanntesten Hotelbauten Deutschlands und Europas. Es wäre dem Bau daher zu wünschen, dass er die Lebensdauer seines Vorgängerbaus deutlich überschreiten wird.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

Entwurfszeichnung des „Hotel Adlon“ von R.M. Klotz, Patzschke & Partner

Weitere Projekte in Mitte findet Ihr hier

Quellen: Patzschke Architekten, Architektur Urbanistik Berlin, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN, Wikipedia

 

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Serie: Berlins Bauwerke der Moderne, Teil 3 – Der Pariser Platz

Artikelreihe: Berlins historisches Zentrum, Teil 2: 1808-1848

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