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„Karo Neun“: Neues Gewerbeprojekt statt Wohnungen in Pankow

Am Karower Damm in Berlin-Pankow soll mit dem Bauvorhaben „Karo Neun“ ein Gewerbequartier entstehen, um der Abwanderung von Firmen ins Brandenburger Umland entgegenzutreten. Um die Realisierung des Projekts hatte es jahrelange Diskussionen gegeben.

So soll das Gewerbequartier „Karo Neun“ in Berlin-Pankow nach Vorstellung des Immobilienentwicklers KW Development in einigen Jahren einmal aussehen. / © Visualisierung: KW Development

© Visualisierungen: KW Development
Text: Stephanie Engler

 

Anstatt neuer Wohnungen entsteht im Ortsteil Blankenburg in Berlin-Pankow demnächst ein neues Gewerbegebiet. Es trägt den Namen „Karo Neun“ und soll Firmen, die nicht nach Brandenburg abwandern wollen, ein neues Zuhause geben. Der Bezirk Pankow hatte es zuvor wiederholt abgelehnt, Investorenpläne zu bewilligen, die den Bau eines Gewerbegebiet am Karower Damm zum Ziel hatten.

Die Abteilung von Pankows Baustadträtin Rona Tietje (SPD) entschied sich gegen die Einrichtung der geplanten Werkstätten, über denen 450 Mietwohnungen entstehen sollten. Zudem war ein Supermarkt sowie eine neue Pflegeeinrichtung für Senioren vorgesehen.

„Karo Neun“: Gewerbegebiet für Pankow, ohne Wohnungs-Neubau

Der neue Plan sieht ein reines Gewerbegebiet vor. Denn die Grundbedingung für die Genehmigung war, dass keine Wohnungsneubauten auf dem Gewerbeareal entstehen. Denn die vielen neuen Bewohner im Bezirk wollen auch arbeiten.

So sagte Tietje zur Projektentwicklung: „Die Schaffung von Flächen für die Ansiedlung von Betrieben an diesem Ort ergänzt die Wohnbaupotenziale in der näheren Umgebung und kann damit einen Beitrag für wohnortnahes Arbeiten und eine Stadt der kurzen Wege leisten.“ Statt einer Mischnutzung sollen dadurch mehr benötigte Gewerbeflächen auf dem Gelände entstehen.

Immobilienentwickler KW Development entwickelt Projekt „Karo Neun“

Der Immobilienentwickler KW Development nennt das neue Quartier „Karo Neun“. Es soll das neue Zuhause für Berliner Handwerksbetriebe sein, die nicht nach Brandenburg verdrängt werden wollen. 

Auf einer Fläche von rund 9.000 Quadratmetern sollen vier Backsteinbauwerke in klassischer Industriearchitektur errichtet werden. Der Investor hat bereits jetzt die ersten Hallen an Betriebe vermieten können. 

Gewerbegebiet am Karower Damm: Ab 2024 können erste Betriebe einziehen

Die Mieten für Gewerbeflächen können derzeit auf Online-Plattformen eingesehen werden. So liegt etwa die Monatsmiete für eine Einheit mit einer Fläche von 1.410 Quadratmeter bei 20.445 Euro. 

Ab Anfang 2024 können sich die ersten Betriebe in den Hallen der vier Gebäude ansiedeln. Laut dem Bauherrn ist bereits eines der Gebäude komplett an einen Malerbetrieb vermietet worden. Dies soll als Zeichen dafür verstanden werden, dass Firmen mit klassischen Berufsbildern und handwerklichen Tätigkeiten die Zielgruppe ist. 

Berliner Handwerkskammer: Traditionelles Gewerbe sorgt sich um Zukunft

Im vergangenen Jahr zeigte eine Umfrage der Berliner Handwerkskammer (rund 1.530 Teilnehmer), dass sich gerade die traditionellen Handwerksbetriebe um ihre Zukunft sorgen. Überwiegend betreffen diese Sorgen wohl die Standortsicherheit ihrer Betriebe.

Laut der Umfrage liegen dabei die Probleme besonders bei befristeten Vertragsverhältnissen, steigenden Mieten, fehlenden Erweiterungsmöglichkeiten und zu wenigen Parkmöglichkeiten.

Abwanderung von Betrieben führt zu weiteren Problemen

So müssen derzeit durchschnittlich über 60 Berliner Firmen pro Jahr ihren Standort verlassen. Viele von ihnen waren gezwungen, auf Berliner Grundstücke zu verzichten und nach Brandenburg abzuwandern.

Ein Problem, das aus dieser Abwanderung resultiert, ist die Veränderung der Verkehrsströme und die Zunahme von Staus in den Randgebieten, auch im Norden von Pankow. Denn die deutliche Mehrzahl der Aufträge gibt es weiterhin in Berlin.

Gewerbehof-Projekte werden in Berlin mit Wohlwollen gesehen

Aufgrund dieser Entwicklung sind der Politik, nicht nur in Pankow, besonders Investorenpläne für neue Gewerbehöfe in Berlin willkommen. Selbst wenn versucht wird, die Wertschöpfung des Projekts mit hochwertigem Wohnungsbau im Rahmen einer Mischnutzung zu steigern.

Laut Tietje sei sogar das neue Quartier „Karo Neun“ nicht ganz frei von einer Art Wohnnutzung: So wurden etwa 36 Einheiten für eine sogenannte „Boarding“-Nutzung, eine Kurzzeit-Unterbringung von Arbeitskräften, genehmigt. Bis Mitte 2024 soll das Projekt fertiggestellt werden.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

© Visualisierung: KW Development

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Quellen: KW Development, Berliner Morgenpost, Bezirksamt Pankow

 

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