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Karstadt-Areal am „Ku’damm“: Gestaltungswettbewerb startet

In Berlin-Charlottenburg beginnt die Entwicklung des Karstadt-Areals am Kurfürstendamm. Das Immobilienunternehmen Signa plant hier den Bau mehrerer Hochhäuser. Sieben Planungsteams werden in einem zweiphasigen Werkstattverfahren ihre Entwürfe für die zukünftige Skyline der City West entwerfen. Die Entscheidung soll im Januar 2023 fallen.

An dieser Stelle, an der Adresse Kürfürstendamm 231, plant das österreichische Immobilienunternehmen Signa den Bau mehrerer Hochhäuser. Nun beginnt ein Werkstattverfahren zum Bauvorhaben.

© Visualisierung Titelbild: Signa / ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN
© Fotos: depositphotos.com
Text: Björn Leffler

 

Nachdem die ersten Prestige-Projekte des österreichischen Immobilienunternehmens Signa in Berlin auf den Weg gebracht sind, wird nun das dritte, großformatige Entwicklungsprojekt in der deutschen Hauptstadt in Angriff genommen.

Die zwei anderen Bauvorhaben – der Bau eines Hochhauses am Alexanderplatz im Bezirk Mitte und der Wiederaufbau des historischen Karstadt-Gebäudes am Neuköllner Hermannplatz – sind bereits im Bau bzw. ist der Baustart fest terminiert.

Signas erste Pläne für drei 150-Meter-Türme am „Ku’damm“ wurden zurückgewiesen

Das dritte große Projekt in Berlin sollte im Herzen der City West im Bezirk Charlottenburg entstehen, am östlichen Ende der Einkaufsmeile Kurfürstendamm, wo es bereits seit vielen Jahrzehnten einen bestehenden Karstadt-Standort gibt.

Die ursprünglichen Pläne für das Areal, die Signa bereits vor mehreren Jahren publiziert hatte, sahen den Bau von drei bis zu 150 Meter hohen Gebäuden und die Schaffung von rund 50.000 Quadratmetern Einzelhandelsflächen vor.

Regula Lüscher stellte sich klar gegen die Hochhauspläne von Signa

Während der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf diesen Plänen wohlwollend gegenübertrat, stieß das Konzept bei der damaligen Senatsbaudirektorin, Regula Lüscher, auf wenig Gegenliebe und führte zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung zwischen Bezirk und Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über die sinnhafte Entwicklung von Hochhausprojekten in der City West.

Auf Regula Lüscher ist mittlerweile die Architektin Petra Kahlfeldt gefolgt, die in vielen Kernpunkten der Stadtentwicklung andere Schwerpunkte setzt als ihre Vorgängerin. Dass es nun auf dem Areal am Kurfürstendamm endlich weitergeht, könnte mit dem Personalwechsel auf dem Posten der Senatsbaudirektorin zusammenhängen – muss es aber nicht.

Neue Vorgaben: Zwei Hochhäuser bis 120 Meter dürfen errichtet werden

Regula Lüscher kann für sich immerhin den persönlichen Erfolg verbuchen, dass die zukünftige Bebauung auf dem Karstadt-Areal tatsächlich deutlich zurückgenommener aussehen wird. Statt drei Türmen in einer Höhe von bis zu 150 Metern sollen es nach Vorgaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung – ausgerichtet am gültigen Hochhauskonzept der Stadt – „nur“ noch zwei Hochpunkte mit einer maximalen Höhe von 120 Metern werden.

Wie das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf am Montag in einer Pressemitteilung verkündete, startet nun ein kooperatives Werkstattverfahren zur Entwicklung des Karstadt-Areals am „Ku’damm“.

Beteiligt am Verfahren sind die Grundstückseigentümerin des Areals zwischen Kurfürstendamm, Augsburger- und Rankestraße, die Signa Real Estate, sowie das Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Sieben internationale Entwurfsteams treten im Wettbewerb gegeneinander an

Sieben ausgewählte, internationale Entwurfsteams werden nun beauftragt, innovative städtebauliche Ideen und Visionen für das Grundstück zu entwickeln. Der bestehende Standort des Karstadt-Warenhauses soll hierbei durch weitere, multifunktionale Nutzungen ergänzt werden.

Das heißt unter anderem, dass mindestens 30 Prozent der entstehenden Flächenpotenziale für Wohnen, kulturelle Einrichtungen, soziale Infrastruktur, Bildungseinrichtungen und sonstige gemeinwohlorientierte Nutzungen genutzt werden. Für Signa sollten diese Vorgaben nicht überraschend kommen, da sie so ähnlich auch beim ähnlich ausgerichteten Bauprojekt am Hermannplatz gesetzt wurden.

Ziel der Planungsteams: „Verträgliche städtebauliche Konzeption“ entwerfen

Aufgabe der sieben Entwurfsteams wird es sein, vor dem Hintergrund der gründerzeitlich geprägten Baustruktur des Kurfürstendamms und mit Orientierung an den bestehenden Höhen der benachbarten Hochhäuser, eine „verträgliche städtebauliche Konzeption inklusive ein bis zwei Hochpunkten zu entwickeln„, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Maßgeblich für die Höhenorientierung des Projekts werden die direkt benachbarten Hochhäuser „Upper West“ und „Zoofenster“ (Waldorf Astoria) sein, die in den 2010er Jahren errichtet wurden und jeweils knapp 119 Meter hoch sind.

Entscheidung über Entwicklung des Areals soll im Januar 2023 erfolgen

Das gestartete Werkstattverfahren wird zweiphasig aufgebaut und wird durch ein Gutachtergremium begleitet, bestehend aus Fachexpertinnen und -experten der Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur sowie durch Vertreterinnen und Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dem Bezirksamt, der Denkmalpflege sowie des Unternehmens Signa.

Im Januar 2023 soll in einer finalen Gremiumssitzung der siegreiche Entwurf gekürt werden. Im Vorfeld wird es umfangreiche  Beteiligungsformate für die Öffentlichkeit geben. Folgende Büros nehmen am Gestaltungswettbewerb teil:

  • BIG – BJARKE INGELS GROUP (Kopenhagen)
  • COBE (Kopenhagen)
  • David Chipperfield Architects (Berlin)
  • Henning Larsen (Kopenhagen)
  • Jo Coenen JCAU Studio Euregio (Maastricht)
  • MÄCKLERARCHITEKTEN (Berlin)
  • Sergison Bates (Zürich)

Kahlfeldt fordert qualitätsvollen und nachhaltigen Städtebau am „Ku’damm“

Senatsbaudirektorin Kahlfeldt äußerte sich wie folgt zum Bauvorhaben: „Die City-West wird städtebaulich geprägt durch die gut erhaltenen gründerzeitlichen Kieze rechts und links des Kurfürstendamms und die weit in die Stadt wirkende Silhouette der Hochhäuser im Zusammenspiel mit der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz. Das macht die besondere Attraktivität der City West aus. In diesen Kontext müssen sich die Konzepte der Entwurfsteams einfügen – wir brauchen am Kurfürstendamm höchst qualitätsvollen und nachhaltigen Städtebau mit guter Architektur und dem Fokus auf ein lebendiges und lebenswertes Berlin.

Der Anspruch für die zukünftigen, städtebaulichen Entwürfe zur Entwicklung des Karstadt-Areals am Kurfürstendamm wird also hoch sein. Bleibt nur zu hoffen, dass die Entwürfe der teilnehmenden Teams diesen Ansprüchen auch gerecht werden können. Denn die Entwicklung des städtebaulichen Umfelds am östlichen Kurfürstendamm wartet schon viel zu lange auf einen positiven Impuls. Dieser könnte nun aber endlich erfolgen.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

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Quellen: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Bauboom Berlin, Architektur Urbanistik Berlin, Signa, Berliner Morgenpost, Der Tagesspiegel, Signa Real Estate, BerlinerInnen gegen Signa

 

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1 Kommentar

  1. Marie November 5, 2022

    Werkstattverfahren oder Wettbewerbsverfahren? 🙂 ersteres hab ich noch nie gehört.

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