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Offene Zukunft: Wie weiter auf dem Areal des Wenckebach-Klinikums?

Der Umzug der Stationen des Tempelhofer Wenckebach-Klinikums in das nahegelegene Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg läuft, die Schließung des Standorts steht bevor. Was danach auf dem Gelände passiert, ist noch offen. Die Einrichtung eines Ärztehauses, der Verkauf des Geländes oder gar die Einrichtung einer großen Pflegeschule, die eigentlich in Spandau entstehen soll, sind mögliche Optionen.

© Fotos: Wikimedia Commons
Text: Stephanie Engler

 

Das Wenckebach-Krankenhaus in Berlin-Tempelhof steht nur kurz vor seiner Schließung, denn der Umzug der Rettungsstelle läutet nun Beginn für das Ende des Klinikstandorts ein. Wie die Zukunft des Gebäudes aussieht, ist noch unklar. Möglich wäre die Einrichtung eines Ärztehauses oder ein Verkauf des Geländes. Zweiteres Szenario besorgt Anwohnerinnen und Anwohner.

In der vergangenen Woche begann der Umzug des Wenckebach-Krankenhauses mit der Rettungsstelle ins Auguste-Viktoria-Krankenhaus (AVK) nach Schöneberg. Es folgten die Intensivstation, der OP und die Radiologie – kurz darauf das Präsenzlabor und die Kardiologie.

Sorge um die Zukunft: Demonstrationen für den Erhalt der Klinik

Am Montag demonstrierten daher Aktivisten der Initiative „Wenckebach-Krankenhaus muss bleiben“ für den Erhalt der Klinik am Standort in Berlin-Tempelhof. Trotz des bereits laufenden Umzugs wollen sie weiterkämpfen. 

Charlotte Rutz-Sperling von der Initiative äußert sich zum Protest wie folgt: „Wir fordern, dass das Wenckebach-Krankenhaus erhalten und die stationäre Versorgung wieder aufgebaut wird.“ Nach aktuellem Sachstand haben die Aktivisten jedoch keine Aussicht auf Erfolg ihres Vorhabens.

Fast alle Berliner Krankenhäuser sind sanierungsbedürftig

Das Gebäude und der Zustand der Klinik stehen beispielhaft für viele der Berliner Krankenhäuser – sogar für die meisten der insgesamt 60 Kliniken der Hauptstadt. Denn der Klinikkomplex ist denkmalgeschützt und stark sanierungsbedürftig. 

Das verantwortliche, landeseigene Unternehmen Vivantes veranschlagt als Träger rund 150 Millionen Euro für die Sanierung. Dabei muss die Substanz der historischen Gebäude wiederhergestellt werden, um das Gelände in seiner heutigen Form überhaupt erhalten zu können. In den vergangenen Jahrzehnten wurden Investitionen in den Bau zu lang vernachlässigt.

Der Berliner Senat hat sich zu wenig an der Instandhaltung der Gebäude beteiligt

Zuständig für die Investitionen und Sanierungen der kommunal, privat oder auch frei-gemeinnützig betriebenen Häuser ist das Land Berlin selbst. Die Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren jedoch viel zu wenig finanziell engagiert. Daraus entstand nun ein Investitionsstau von berlinweit mehr als zwei Milliarden Euro, den es nun gilt, aufzuholen. Ein schwieriges Vorhaben.

Die Lösung sowohl für den landeseigenen Konzern Vivantes als auch für die Charité soll der Prozess „Gesundheitsstadt 2030“ sein. Dahinter steckt der Plan, dass bestimmte Aufgaben der stationären Versorgung an ambulanten Stellen durchgeführt werden sollen.

Sanierungsstau: Projekt „Gesundheitsstadt 20230“ soll viele Probleme lösen

Die besondere Herausforderung für Vivantes: Neun Häuser, über ganz Berlin verteilt, müssen alle dem neuen Plan zufolge strukturiert werden. Darunter befindet sich neben dem Wenckebach-Klinikum auch der sogenannte „Maximalversorger“, das Krankenhaus im Stadtteil Friedrichshain.

Politiker der Linken fordern daher nun einen Plan zur Sanierung der maroden Krankenhäuser. So sagt Tobias Schulze, stellvertretender Landesvorsitzender der Linken und Mitglied des Gesundheitsausschusses im Abgeordnetenhaus: „Wir brauchen einen Sanierungsfahrplan, den wir mit dem Senat und dem Unternehmen zusammen verabreden.Ganz oben steht dabei die Forderung, Vivantes zu unterstützen und die Frage danach, wie marode Standorte am besten saniert und modernisiert werden können. 

Hat Vivantes die Bedarfsanalyse zu spät in Auftrag gegeben?

Der nun erfolgte Umzug der Rettungsstelle vom Wenckebach-Klinikum ins „AVK“ nach Schöneberg ist nicht der erste. Schon vor zwei Jahren zogen die ersten Abteilungen aus dem Wenckebach-Krankenhaus aus. Eine konkrete Bedarfsanalyse hat Vivantes allerdings erst jetzt in Auftrag gegeben. 

Schulze kritisiert das Unternehmen dahingehend: „Vivantes hat aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen oder Investitionsgründen Entscheidungen gefällt, ohne zu überlegen, was konkret mit dem Areal passieren soll, welche Funktion es erfüllen muss.“

Linke steht hinter der gesundheitlichen Nutzung

Schulze betont zudem, dass das Areal weiterhin dem Gesundheitssektor dienen müsse und sagt: „Wir werden als Linke auf keinen Fall einer anderen Nutzung und schon gar nicht einem Verkauf zustimmen.Optionen gäbe es durchaus, wie etwa die Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) mit Praxen für Fachärzte und einer ambulanten Notfallversorgung mit Öffnungszeiten rund um die Uhr.

Bei stationärer Aufnahme könne dann ans naheliegende „AVK“ überweisen werden. Allerdings scheint diese Lösung wenig praktikabel, da der Bedarf an niedergelassenen Medizinern von der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KVB) festgelegt werden würde, wie Charlotte Rutz-Sperling zu bedenken gibt. 

SPD schlägt Nutzung als Pflegeschule vor – Projekt in Spandau kommt nicht voran

Ein neuer Vorschlag zur zukünftigen Nutzung des Areals kommt laut Berliner Morgenpost nun von SPD-Landes- und Fraktionschef Raed Saleh. Er schlägt vor, die geplante Pflegeschule von Vivantes und Charité, in der zukünftig 4.000 Auszubildende lernen sollen, auf dem Gelände des Wenckebach-Klinikums unterzubringen.

Der Aufbau eines gemeinsamen Ausbildungscampus für die Pflegeschüler der landeseigenen Krankenhausträger, verbunden mit einer Erweiterung der Ausbildungskapazitäten, sollte eigentlich in Spandau am Askanierring realisiert werden.

Pflegeschule: Die Grünen zeigen sich offen für Raed Salehs Vorschlag

Schon 2019 hatte die damalige Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci angekündigt, das Projekt auf einem dem Bund und dem Land gehörenden Gelände in Spandau realisieren zu wollen. Doch bislang bewegte sich wenig, derzeit rechnen Insider mit einem Zeitraum von bis zu neun Jahren, ehe die ersten Pflegeazubis dort lernen könnten.

Dass sich in der Koalition nennenswerter Widerstand gegen den Vorschlag von Raed Saleh regen könnte, ist wohl nicht wirklich zu erwarten. Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Die Grünen) hatte bereits mehrfach erklärt, dass sie offen für Alternativen zum Standort Spandau sei.

Auch Vivantes denkt über die Option Wenckebach-Klinikum nach

Vivantes-Chef Johannes Danckert sieht offenbar selbst das große Potenzial, die Pflegeschule auf dem unternehmenseigenen Standort einzurichten, anstatt in Spandau neu zu bauen. Er sagte der Berliner Mogenpost: „Wir könnten die Pflegeazubis in den denkmalgeschützten Gebäuden unterbringen und hätten immer noch Platz für die vom Bezirk und vielen Nachbarn dort gewünschten Versorgungsangebote.“

Entscheidend für ein tatsächliches Umdenken bei Vivantes, Charité und Regierungskoalition wird letztlich der Kostenfaktor sein. Sollte die Einrichtung der Pflegeschule auf dem Gelände des Wenckebach-Klinikums günstiger sein als ein Neubau in Spandau, wird der Vorschlag sicher schnell zu einer realistischen Option.

Weitere Projekte in Tempelhof findet Ihr hier

Quellen: Vivantes, Charité, Berliner Morgenpost, Berliner Woche, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN

 

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