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Visionen für das RAW-Gelände in Friedrichshain: Umbau startet 2023

Wie die städtebauliche Vision für das populäre RAW-Gelände im Berliner Stadtteil Friedrichshain aussehen könnte, wird in einem aktuellen Werkstattverfahren ermittelt. Klar ist bereits heute: der Charakter des Geländes wird sich verändern, aber gewerbliche und kulturelle Nutzungen sollen das Gelände auch zukünftig prägen. 

Neuanfang an der Warschauer Straße: Das populäre RAW-Gelände zwischen Warschauer Straße, Revaler Straße und Bahngleisen soll umgestaltet werden.

© Visualisierung und Foto: ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN / examplarische Darstellung

 

Das RAW-Gelände im Berliner Stadtteil Friedrichshain war im vergangenen Jahrzehnt vor allem für seine große Clubdichte, vielfältige Party- und Kulturangebote und kreative Freiräume für die Nutzerinnen und Nutzer des Areals bekannt. Es hat das Image des Stadtteils über die Grenzen Berlins hinaus maßgeblich geprägt.

Das RAW-Gelände hatte jedoch auch eine andere Seite. Und die war vor allem für die Anwohnerinnen und Anwohner schwer erträglich: Müllberge, Gewalt, Drogenkonsum und Vandalismus. Die zahlreichen Polizeieinsätze, die auf und rund um das Areal durchgeführt wurden, waren zur traurigen Normalität für die Nachbarschaft geworden.

Die Corona-Pandemie veränderte den Charakter des RAW-Geländes

Die Nutzung des RAW-Areals hat sich jedoch mit Beginn der Corona-Pandemie deutlich verändert. Aus einem Gelände, was vor den Covid-bedingten Einschränkungen vor allem nachts genutzt wurde – eben um dort in einem der vielen Clubs zu feiern – ist nun ein Gebiet geworden, welches sehr aktiv und vielfältig auch am Tag frequentiert wird, und zwar von einer völlig anderen Nutzerschaft.

Mittlerweile ist das Gelände ein äußerst beliebter Anlaufpunkt mit Flächen für Sport, Gastronomie, Yoga und Erholung. So gibt es eine Kletterwand, eine Skaterhalle, einen „Zero Stress Garden“ oder Urban-Gardening-Bereiche. Auch die Zahl der Polizeieinsätze sei nach Angaben der Berliner Polizei in dieser Zeit deutlich zurückgegangen.

Eine bauliche Veränderung des Geländes ist geplant

Eigentümer des Geländes sind zwei Unternehmen, die das Areal entwickeln wollen. Dies ist einerseits das Göttinger Unternehmen Kurth Immobilien GmbH, dem seit rund sechs Jahren der Großteil des Areals gehört. Der zweite, große Eigentümer auf dem Areal ist die Raw-Ost Verwaltung GmbH. Vor allem das Unternehmen Kurth Immobilien treibt die Neukonzeption „seines“ Grundstücksteils voran.

Wandel wird es auf dem Gelände also auch weiterhin geben, und das nicht nur durch Corona-bedingte Nutzungsänderungen. Es wird sich in den kommenden Jahren auch baulich verändern. Die Kurth-Gruppe erhielt vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bereits im Jahr 2019 einen Aufstellungsbeschluss für die Errichtung von Gewerbebauten – unter Berücksichtigung gemeinwohl- und kulturorientierter Elemente, was im freiwilligem Dialogverfahren mit Anwohnern, Gastronomen und angesiedelten Künstlergruppen geschehen sollte.

Studentenwohnungen werden nicht auf dem Gelände entstehen

Im vergangenen Jahr wurden vor allem Gutachten zu Umwelt- und Lärmsituation erstellt und Stellungnahmen der Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange eingeholt. Die ursprünglichen Pläne, auf dem Gelände schlichtweg Studentenwohnungen errichten zu wollen, haben sich mittlerweile zerschlagen. Der gewerbliche und kulturorientierte Charakter des Geländes soll erhalten bleiben.

In den kommenden Jahren soll auf dem Gelände vorwiegend Büro-, Handwerk- und Kulturbebauung realisiert werden. Dabei soll eine Mischung aus Bestands- und Neubauten umgesetzt werden. Drei historische Hallen, die sich heute auf dem Areal befinden, sollen erhalten und restauriert werden.

Das „Astra“ soll abgerissen werden, ein 100-Meter-Hochhaus ist geplant

Es werden aber auch einige der älteren Gebäude – wie etwa die Konzert-Location „Astra“ – abgerissen werden. Zudem soll auf dem Areal ein rund 100 Meter großes Hochhaus entstehen. Die Genehmigung für die Errichtung des Hochhauses geht auf eine Vereinbarung zwischen Bezirk und Eigentümer zurück.

Die Kulturschaffenden, die heute auf dem Areal tätig sind, bekommen für ihren Bereich eine 30-jährige Bestandsgarantie mit besten Mietbedingungen. Räume, Ateliers und Bauten von Gruppen, Veranstaltern und Künstlern sollen demnach also fortbestehen können. Im Gegenzug darf das Hochhaus errichtet werden.

51.000 Quadratmeter werden neu gestaltet

Während fast 80 Projekte bei gleichbleibenden Mietbedingungen auf dem RAW-Gelände verbleiben können, bedeutet das Konzept für einige Clubs und Betreiber jedoch, dass sie ihren Standort aufgeben müssen. Hierbei geht es vor allem um das rund 51.000 Quadratmeter große Areal auf dem Gelände des einstigen Reichsbahn-Ausbesserungswerks, welches der Kurth-Gruppe gehört.

Zur zukünftigen Gestaltung des Areals hat es seit 2018 bereits mehrere Dialogverfahren gegeben, um die Wünsche der Anwohnerinnen und Anwohner einzubeziehen. Im aktuellen Schritt soll nun ein Masterplan für das Gelände erstellt werden. In vier Präsentationen zeigten Architektenbüros Anfang dieser Woche, wo zukünftig etwa öffentliche Plätze, auch Baufelder und Wege, liegen könnten. Zur Präsentation im „Astra“ waren auch etwa 100 Interessierte aus dem Bezirk anwesend.

Derzeit wird das passende Konzept für einen Masterplan ausgewählt

Die vier beteiligten Planungsbüros werden ihre Projekte ab dem heutigen Donnerstag in ausführlichen Präsentationen vor Expertinnen und Experten darstellen, bevor ein Gremium darüber entscheidet, welcher Entwurf als Grundlage für den Masterplan dienen soll. Der Baustart für das Projekt soll nach Angaben der Kurth-Gruppe bereits ab 2023 erfolgen.

Die Reaktionen auf die präsentierten Entwürfe im „Astra“ waren sehr gemischt. Während einige Anwohner den Verbleib vieler Institutionen auf dem Gelände und die gleichbleibenden Mieten lobten, zeigten sich andere von den Hochhausplänen geschockt. Insgesamt jedoch fand die Veranstaltung in konstruktiver Atmosphäre statt.

Weitere Hochhaus- und Neubauprojekte in unmittelbarer Umgebung

Das geplante Hochhaus wäre nicht das erste Projekt dieser Art, was im Umfeld des RAW-Geländes entsteht. Nur wenige Meter weiter, an der Warschauer Brücke, errichtet das Unternehmen EDGE Technologies ein 140 Meter hohes Gebäude. Und auch die Eigentümer des Holzmarkt-Areals am Spreeufer planen den Bau eines 60 Meter großen Holzbaus.

Als Friedrichshainer Negativ-Beispiel nannten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Präsentationsveranstaltung das Areal, welches rund um die Mercedes-Benz-Arena entstanden ist. Die von vielen Anwesenden beschriebene Sterilität des dortigen, neu entstandenen Viertels solle auf dem zukünftigen RAW-Gelände keinesfalls entstehen.

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