-->
entwicklungsstadt berlin

Jede Zeit baut ihre Stadt.

Friedrichshain: Reaktivierung der historischen Patzenhofer Brauerei

Gastronomie, Kultur und Büroflächen sollen in der historischen, denkmalgeschützten Patzenhofer Brauerei entstehen. Das seit 2012 geschlossene und vollkommen verfallene Areal soll in den kommenden drei Jahren modernisiert und erweitert werden.

Soll restauriert und erweitert werden: Das historische Areal der einstigen Patzenhofer-Brauerei an der Landsberger Allee in Friedrichshain

 

Es wird einiges bewegt am westlichen Ende der Landsberger Allee im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Neben mehreren Bauprojekten, die bereits im Bau sind, wie der Neubau eines Bürogebäudes auf der gegenüberliegenden Seite des Vivantes Klinikums Friedrichshain, des Wohnprojektes „Pandion Midtown“ oder des Gewerbeprojekts „DSTRCT.BERLIN“, gibt es weitere Projekte, die derzeit in Planung sind.

Zwei weitere Areale, die sich in unmittelbarer Nähe der aufgeführten Projekte befinden, liegen hingegen seit Jahrzehnten brach. Dies ist einerseits das einstige Freizeit- und Erholungszentrum „SEZ“, dessen Zukunft noch immer ungewiss ist.

Zehn Jahre Stillstand: Das Areal der historischen Patzenhofer Brauerei

Direkt gegenüber, auf der anderen Seite der Landsberger Allee, liegt das historische Areal der einstigen Patzenhofer Brauerei. Auch hier hat sich in den vergangenen zehn Jahren kaum etwas getan. Einen aktiven Brauereibetrieb gab es hier gar seit vielen Jahren nicht mehr.

Das Gebäude wurde 1905 von Hermann Dernburg für die Aktien-Brauerei-Gesellschaft Friedrichshöhe entworfen. In den 1920er-Jahren zählte der Industriebetrieb zu den bedeutendsten Brauereien in ganz Europa. Der Name des Areals geht auf den Münchener Brauersohn Georg Patzenhofer (1815–1873) zurück, der in diesem Areal mehrere Brauereien betrieb und am Standort Landsberger Allee bereits ab 1886 einen Produktionsbetrieb eröffnete, der anschließend mehrfach baulich erweitert wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal unterschiedlich genutzt

Das Gebäude wurde nach der Fusion der Brauerei mit der Schultheiss-Brauerei 1920 durch die Allianz Versicherung übernommen und nach dem Zweiten Weltkrieg erneut umgebaut. Während der DDR-Zeit saßen hier auch der Deutsche Verlag der Wissenschaften, ein Fachbuchverlag, das Rechenzentrum des Außenhandels der DDR sowie der Außenhandelsbetrieb des VEB Schwermaschinenbau-Kombinat „Ernst Thälmann“.

Nach dem Mauerfall wurde dem  Gelände erneut eine vollkommen neue Nutzung zuteil. Nach mehreren Besetzungen in den 1990er Jahren wurde das Gelände ab Mitte der 2000er Jahre durch Künstlerinnen und Künstler genutzt, die das gesamte Areal als Werkstatt- und Ausstellungsraum nutzten. Auch ein Café, einen Biergarten und einen Club gab es.

2012 erfolgte die Schließung des Areals

Nach einer Inspektion und der Feststellung von Schäden und Brandschutzmängeln schloss der Bezirk 2012 den Komplex allerdings wieder. Die baulichen Mängel waren – das ist auch heute noch sehr schnell sichtbar – schlichtweg zu groß.

Aus dem Dornröschenschlaf soll das Gelände nun durch die neuen Eigentümer geholt werden, welche die historische Brauerei im Jahr 2017 erwarben. Das Unternehmen mit dem Namen Patzenhofer GmbH plant eine umfassende Sanierung, Modernisierung und auch bauliche Erweiterung des spannenden aber nicht einfachen Brauereikomplexes.

7.700 Quadratmeter müssen neu gestaltet werden

Architekt Arno Brandlhuber wurde von der Patzehnhofer GmbH mit der Umgestaltung des Areals beauftragt. Insgesamt 7.700 Quadratmeter müssen im Zuge der Bauarbeiten umgebaut und restauriert werden. Der Denkmalschutz hat bei diesem Projekt natürlich ein großes Mitspracherecht.

Wohnungsbau ist auf dem Areal allerdings nicht geplant. Die Verteilung der Flächen sieht nach aktuellem Planungsstand rund 30 Prozent der Räumlichkeiten für Büros, 36 Prozent für Ateliers, rund sieben Prozent für Gastronomie und zwölf Prozent für Ausstellungen, Kurse, Werkstätten und Läden vor.

Drei Neubauten sollen die historischen Gebäude ergänzen

Atelierräume sollen im Zuge der Umbauarbeiten ihre alten Stützen und Träger behalten, Konferenzräume in alten Silos eingerichtet werden. Teile des alten Mauerwerks sollen in Erinnerung an das einstige Aussehen freigelegt werden. Auch Hinterlassenschaften der einstigen Künstler-Community, die sich noch im Gebäude befinden, sollen gezeigt und in das zukünftige Areal integriert werden.

Von der ursprünglichen Brauerei übrig geblieben sind heute lediglich noch drei Gebäude: Die Trinkhalle, ein Brauhaus und eine städtische Villa. Diese drei historischen Gebäude sollen nach Plänen des Architekturbüros Muck Petzet Architekten, die gemeinsam mit Arno Brandlhuber das neue Nutzungskonzept entwerfen, durch drei Neubauten ergänzt werden.

Das Berliner Landesdenkmalamt zeigt sich den nun veröffentlichten Umbauplänen gegenüber sehr aufgeschlossen und betont, dass der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit der Sanierung der Patzenhofer Brauerei eine große Chance habe, ein schwieriges und lange brachliegendes Baudenkmal in eine sinnvolle Nutzung zu überführen. Ein konkreter Termin für einen Baustart ist bislang allerdings noch nicht bekannt.

Weitere Projekte in Friedrichshain findet Ihr hier
110 neue Wohnungen entstehen im Friedrichshainer Rudolfkiez
An der Warschauer Brücke wächst das „EDGE East Side“ in die Höhe
Holzbau am Berliner Ostbahnhof: Architekt Tobias Wulf im Interview

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2022 entwicklungsstadt berlin

Thema von Anders Norén