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In Berlins Mitte entsteht das „Forum an der Museumsinsel“

Eines der spannendsten und größten Bauprojekte der Berliner Innenstadt wächst seit mehreren Jahren zwischen Oranienburger Straße, Tucholskystraße, Monbijoupark und Museumsinsel. Doch obwohl sich das aus zehn großteils denkmalgeschützten Gebäuden bestehende Ensemble in exponierter Lage befindet, verläuft der Wiederauf- und Neubau des Geländes unaufgeregt und wurde bislang von der Öffentlichkeit nur wenig wahrgenommen.

Dabei entsteht mit dem „Forum an der Museumsinsel“ ein Gelände, welches für die Öffentlichkeit erstmalig nutzbar gemacht wird. Gemeinsam mit dem nur wenige Meter weiter neu entstehenden  Viertel „Am Tacheles“ wird die Berliner Mitte an dieser Stelle vollkommen neu definiert und in gewisser Weise auch wiederentdeckt.

Während der südliche Teil des Gesamtgeländes bereits fertiggestellt wurde, ist der nördliche Teil zum Teil noch im Bau, während einige Gebäude bereits fertiggestellt sind und genutzt werden. Das Projekt soll nach aktueller Einschätzung im Herbst 2021 abgeschlossen werden, trotz der Beeinträchtigungen, die die Corona-Krise auch diesem Bauprojekt beschert hat.

Wir hatten kürzlich die Möglichkeit, das zukünftige Gelände im Rahmen einer exklusiven Baustellenführung zu besichtigen.

Geschichte des Areals

Das gesamte Areal war in seiner rund 200-jährigen Geschichte stets ein Ort für Kommunikation und Wissenschaften. Es lässt sich in zwei Bereiche unterteilen, einen nördlichen und einen südlichen Teil. Trennlinie zwischen den beiden Arealen ist die Ziegelstraße. Beide Teile des Geländes sind mit mehreren, überwiegend denkmalgeschützten Gebäuden bebaut. Einige der Gebäude stellen wir hier vor.

Der nördliche Teil

Der nördliche Teil des Geländes war ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein zentrales, innovatives Post- und Kommunikationszentrum, welches weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt war.

Haupttelegraphenamt

Das direkt am Monbijoupark liegende, im neobarocken Stil geplante Haupttelegraphenamt entstand Anfang des 20. Jahrhunderts nach Plänen von Architekt Max Lehmann. Es ist das mit Abstand größte Gebäude des Areals und ist noch heute ein imposanter Komplex mit großen Sälen, sieben Gebäudeflügeln und markanten Treppenhaustürmen. Es war nach seiner Inbetriebnahme 1918 die größte Telegraphenverkehrsanstalt Europas. Zukünftig werden hier moderne, großzügige Loftbüros, ein Hotel sowie Veranstaltungsräume anzufinden sein.

Fernsprechamt

Im 1926/27 im Art Déco Stil errichteten Fernsprechamt, welches direkt an der Tucholskystraße liegt, sitzt bereits seit mehreren Jahren das Unternehmen „Delivery Hero“. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde hier der gestiegene Bedarf an Telefonverbindungen koordiniert, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude um das Torhaus mit dem Institut für Post- und Fernmeldewesen der DDR ergänzt, welches bis heute das Eckgebäude zur Oranienburger Straße bildet.

Logenhaus

Der einstige Sitz der „Großen Landesloge der Freimaurerei Deutschlands“ an der Oranienburger Straße ist das älteste noch erhaltene Ordenshaus Deutschlands, erbaut 1789 bis 1791. Das später mehrfach aufgestockte und ergänzte Gebäude wird zukünftig Büros beheimaten.

Der südliche Teil

Der südliche, bereits fertiggestellte Teil beherbergt mehrere Gebäude, die noch bis Ende der 80er Jahre von der Charité genutzt wurden. Hier befanden sich unter anderem die Frauenklinik sowie verschiedene Lehr- und Ausbildungsgebäude. An den in unterschiedlichen Epochen entstandenen Gebäuden lassen sich die architektonischen Merkmale ihrer Zeit ablesen.

Gropius Ensemble

Ab 1810 wurde das Gelände zwischen Ziegelstraße und Spree zu einem bedeutenden Klinik-Standort ausgebaut. Zwischen 1879 und 1883 wurde das von Martin Gropius und Heino Schmieden geplante Hauptgebäude errichtet, im Stil der Neorenaissance. Hierzu gehört auch der Rundbau des Hörsaals, in dem Medizinkoryphäen wie Ferdinand Sauerbruch lehrten. Heute wird das gesamte Gebäude vom Internet-Konzern Google genutzt.

Simon Palais

Die Ida-Simon-Stiftung errichtete in den Jahren 1909 bis 1911 nach einem Entwurf von Georg Thür ein Gebäude im neoklassizistischen Baustil, welches Teil der Frauenklinik wurde und für Patientinnen konzipiert war. Die Ausstattung der Patientinnenzimmer war äußerst komfortabel. Im direkt an der Spreepromenade gelegenen Gebäude sind exklusive Stadtwohnungen sowie ein ebenerdig liegendes Café entstanden. Die Neugestaltung des Gebäudes übernahm das Architekturbüro Patzschke & Partner.

Residenz Monbijou

Die Charité ließ zwischen 1902 und 1906 dieses Gebäude an der Monbijoustraße errichten, im strengen Neobarock-Stil, auch dieses entstand nach Plänen von Georg Thür. Das Gebäude wurde ab 1927 Teil der Frauenklinik. Die Architekten Patzschke & Partner modernisierten dieses direkt an der Monbijoubrücke – gegenüber dem Bode Museum – gelegene Gebäude. Hier entstanden Stadtwohnungen.

Das Bauhaus

Nach einem Entwurf von Walter Wolff entstand zwischen 1930 und 1932 die im damals modernen Bauhaus-Stil konzipierte Frauenklinik an der Ziegelstraße. Heute wird das Gebäude als Bürokomplex und Wohnhaus genutzt. Die Kommunikationsagentur Serviceplan ist hier als Hauptnutzer eingezogen.

Gegenwart und Zukunft: Das Konzept „Forum an der Museumsinsel“

Die bislang baulich und optisch voneinander getrennten Nord- und Südteile des Geländes werden durch die Neugestaltung der Ziegelstraße miteinander verbunden. Während der Innenhof des südlichen Teils, samt Sitz- und Rasenflächen sowie einem Spielplatz, den Anwohnern und Mitarbeitern der ansässigen Unternehmen vorbehalten bleibt, wird der nördliche Teil für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht.

Die Öffnung des ehemaligen Pakethofes zwischen Logenhaus, Haupttlegraphenamt und Fernsprechamt wird einen neuen, innerstädtischen Bereich schaffen, der zukünftig attraktive und hochwertig gestaltete Gastronomie- und Veranstaltungsflächen bieten wird. Der neu entstehende Innenhof wird zukünftig den Namen „Forum“ tragen und ist als vielfältiger Ort für Entspannung und gesellschaftlichen Austausch konzipiert.

Verwandlung eines historischen, vergessenen Areals

Die Verwandlung dieses historischen Geländes aus einem jahrzehntelang brachliegenden, vernachlässigten Stadtareals in eine hochwertige Wohn-, Arbeits-, Gastronomie- und Veranstaltungsfläche ist eines der ambitioniertesten Stadtentwicklungsprojekte der Berliner Nachwendezeit.

Der Eindruck, den wir während unserer Führung über das raumgreifende und vielfältige Gelände bekamen, war sehr positiv. Und es scheint durchaus realistisch, dass die ambitionierten Ziele der Projektentwickler erreicht werden. Zur Eröffnung im nächsten Jahr kommen wir jedenfalls sehr gern wieder.

 

© Grafik: Forum an der Museumsinsel / In den farbigen Kästen finden sich die Bezeichnungen der einzelnen Gebäude

Innenansicht des Haupttelegraphenamtes © Forum an der Museumsinsel

Innenansicht des Haupttelegraphenamtes © Forum an der Museumsinsel

Innenansicht des Haupttelegraphenamtes © Forum an der Museumsinsel

Innenansicht des Haupttelegraphenamtes © Forum an der Museumsinsel

Innenansicht des Haupttelegraphenamtes © Forum an der Museumsinsel

Innenansicht des Haupttelegraphenamtes © Forum an der Museumsinsel


Außenansicht des Haupttelegraphenamtes © Forum an der Museumsinsel

Im künftigen Innenhof des nördlichen Teils entstehen zwei neue Gebäude, in denen Gastronomie und Veranstaltungsflächen geplant sind. Im Vordergrund ist die zukünftige „Werkstatt“ zu sehen, im Hintergrund „Das Diesel“. Beide Gebäude sind aktuell im Bau. © Forum an der Museumsinsel

 

Im einstigen Fernsprechamt, rechts, sitzt heute bereits das Unternehmen „Delivery Hero“

Außenansicht des „Gropius Ensembles“, Teil des südlichen Areals. Die historischen Gebäude wurden um moderne Gebäudeelemente ergänzt. Früher gehörte das Ensemble zum Charité Campus, heute hat das Unternehmen „Google“ darin seinen Firmensitz © Forum an der Museumsinsel

Das Gropius-Ensemble, vom Innenhof aus gesehen. © Forum an der Museumsinsel

 

Innenhof-Ansicht des südlichen Teils mit Grünflächen, Spielplatz und Wohnhäusern. Das links erkennbare Gebäude „Das Bauhaus“ wird von der Agentur „Serviceplan“ genutzt.

Die Ziegelstraße durchquert das Areal und teilt es in einen nördlichen und einen südlichen Teil.

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3 Kommentare

  1. Tim Lange Juli 1, 2020

    Recht vielen Dank für den interessanter Artikel!
    Lesenswert Tipp.

  2. Köberle, Uwe Januar 18, 2021

    Guten Tag!

    Gibt es bereits eine Information zur bevorstehenden Fertigstellung und Inbetriebnahme des Gebäudeensembles?

    Besten Dank für Ihre Bemühungen im Voraus.

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